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Filme im Kino
MoX Kino-Tipps KW4107.10.2026
Texte: Horst E. Wegener
Hope
Südkorea ´26; R: Na Hong-jun. Ab 8.10. Wertung: ***** Bild: Plus M Entertainment
Im südkoreanischen Küstenstädtchen Hope Habor herrscht Ausnahmezustand. Autos fliegen durch die Luft, ganze Häuserfassaden sind aufgebrochen – und die ortsansässige Bevölkerung ballert erfolglos auf etwas, das sich immer schon blitzschnell um die nächste Ecke verzogen hat. Fast eine Stunde lang verweigert Regisseur Na Hong-jun uns jeglichen Blick auf jene Kreatur, die hier Amok läuft. Stattdessen kleben die Kameras an den Fersen von Polizeichef Bum-seok (Jung-min), der durch sein verwüstetes Provinznest eilt, immerzu den Schüssen und dem grellen Geschrei folgend. Man mag bei dieser endlos tempoforcierten Jagd an Genreklassiker wie „Der weiße Hai“ oder „Predator“ denken, doch „Hope“ ist sehr viel mehr: Zum einen albtraumatisch schweißtreibende 157 Minuten lang, zum anderen ein aberwitziges Konglomerat aus Creature-Feature, Endzeitwestern, SciFi-Horrorschocker und nicht zu vergessen schwarzhumoriger Komödie. Die Regie hat ihre rasanten Verfolgungssequenzen so vertrackt konzipiert, dass vermeintlich gerechte Gegenwehr bald als Aggression erscheint. Ist´s nicht ohnehin verdächtig, dass sämtliche Einwohner des nahe einer demilitarisierten Zone gelegenen Küstenkaffs Hope Harbor bemerkenswert schnell bereit sind, alles Fremde umgehend unter Beschuss zu nehmen? Wer hier eigentlich wen bedroht, wird zunehmend unklarer. Und dann tauchen irgendwann auch noch die von Alicia Vikander und Michael Fassbender gespielten Fremden vor Ort auf, deren Bestimmung man potenziellen „Hope“-Kinogängern im Vorfeld nicht weiter erklären sollte. Zehn Jahre nach „The Wailing – Die Besessenen“ meldet sich Südkoreas Regie-enfant terrible Na Hong-jun mit einem adrenalingesättigen Actioner beim Publikum zurück, den man nicht nur sehen, sondern mitunter glattweg körperlich erleben kann. Wann hatten wir das zuletzt? Überzeugt?!?
D: Hwang Jung-min, Zo In-sung, Jung Ho-yeon, Taylor Russell, Alicia Vikander, Michael Fassbender.
Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte
Deutschland/ Frankreich ´26; R: Volker Schlöndoff. Ab 8.10. Wertung: **** Bild: Studiocanal
Ein wunderschönes Seegrundstück vor den Toren Berlins eignet sich sowohl in Jenny Erpenbecks autobiografisch angehauchtem Roman als auch in Volker Schlöndorffs filmischer Adaption als der Ort, der uns über die Jahrzehnte hinweg als Schauplatz seiner Eigner und Bewohner nebst deren schicksalshaften Geschichten ausgeleuchtet und nähergebracht wird. Los geht es in den 1930 Jahren mit dem Erwerb eines Teils des weitläufigen Areals durch einen jüdischen Tuchfabrikanten (Matthes), während das restliche Grundstück an einen Architekten (Eidinger) fällt, der dort für sich und seine Frau (Wolff) ein modernes Holzhaus errichtet. Die Machtergreifung der Nazis lässt die jüdische Familie ihren Grund und Boden notgedrungen verkaufen, während das Architektenehepaar die Kriegsjahre nebst Gründung der DDR sowohl im Haus am See als auch in Ostberlin erlebt. Da man mit dem System allerdings partout nicht klarkommt, setzen die Eheleute sich in den Westen ab. Die nächsten Bewohner des Anwesens am See sind dann eine verdiente kommunistische Schriftstellerin (Gedeck) und deren Mann, die Deutschlands Nazizeit im sowjetischen Exil überlebt haben. Bis zum Mauerfall wird schließlich auch deren Enkelin hier ihre Sommer verbringen.
Während Schriftstellerin Erpenbeck Zeiten und Perspektiven in ihrem Roman virtuos verschachtelt hangelt sich Schlöndorffs Verfilmung chronologisch durch den Stoff. Die Regie lässt die Jahrzehnte Revue passieren – stets aus der Perspektive der Menschen, deren Lebensmittelpunkt jenes Haus am See bildete. Dessen Bewohner kommen und gehen, genauso wie die politischen Systeme wechseln – und das Motto sowohl des Films als auch der literarischen Vorlage klingt nach „Wenn ein Haus erzählen könnte“. Gekonnt und absolut sehenswert umgesetzt.
D: Martina Gedeck, Lars Eidinger, Susanne Wolff, Ulrich Matthes, Detlef Buck, Angela Winkler, Wigang Wittig, Ludwig Trepte, Michael Maertens.
Alte Liebe
Deutschland ´26; R: Andreas Dresen. Ab 8.10. Wertung: **** Bild: Pandora Film
40 Jahre Ehe haben Lore (Manzel) und Harry (Król) hinter sich gebracht, sind sie einander zusehends mehr auf die Nerven gegangen, weshalb beide irgendwann heilfroh waren, sich jeweils zum Wochenanfang wieder ihrem Berufsalltag zuzuwenden. Für ihn bedeutete das zwar, die ungeliebte Stellung eines Sachbearbeiters im Bauamt auszufüllen, um sich nun nach der Pensionierung endlich über Gott und die Welt schimpfend dem Feierabendbier und der Pflege des heimischen Gartens widmen zu dürfen. Sie organisiert als Bibliothekarin Dichterlesungen, mag über ihren bevorstehenden Ruhestand an Harrys Seite lieber nicht nachdenken. Als nun die gemeinsame Tochter zum dritten Mal heiraten will, so ein bourgeoises Papasöhnchen mit ererbtem Vermögen, verweigert Harry kategorisch die Teilnahme an der Hochzeit. Was sich peu à peu zu einer handfesten Ehekrise zwischen ihm und Lore hochschaukelt, bringt die beiden letztlich doch dazu, darüber nachzudenken, was sie einst zusammenbrachte. Im Kino vor der Leinwand drückt man dem Paar die Daumen, dass eine gemeinsame Zukunft machbar bleiben mag…Für seinen Szenen-einer-Ehe-Reigen adaptiert Filmemacher Andreas Dresen eine Romanvorlage von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, besetzt er die Hauptrollen kongenial mit Dagmar Manzel und Joachim Król – und zeigt mal wieder, wie genau es ihm gelingt, Menschen liebevoll zu beobachten. Berührend!
D: Dagmar Manzel, Joachim Król, Anna von Seid, Liane Düsterhöft.
The Beauty of Ballroom
Philippinen/ Singapur/ Deutschland ´25; R: Sze-Wie Chan. Ab 8.10. Wertung: **** Bild: Rise And Shine Cinema
Inspiriert von der US-amerikanischen Vogueing- und Ballroom-Culture, die insbesondere der afro- und lateinamerikanischen LGBTQ-Community zuerst in New York Schutzräume, Platz zur (tänzerischen) Entfaltung und wahlfamiliäre Geborgenheit anbot, fanden die US-Exilanten Teddy aus Malaysia, die Filipina Xyza und Sun aus Thailand, dass man solche tollen Möglichkeiten unbedingt auch den Communities in Südostasien zur Verfügung stellen müsste. Immerhin war es dem Trio bekannt, dass sich in ihren Heimatstaaten während der Pandemie eine junge Vogueing-Tanzszene etablieren konnte, in der vor allem, aber nicht nur, queere Menschen ein Zuhause fanden. Darauf galt es aus Sicht der drei Künstler aufzubauen. Die Doku „The Beauty of Ballroom“ bildet ab, wie die ausdrucksstarken Vogueing-Tanzstile zum Ausdruck eines extravaganten Lebensgefühls taugen, das die Mainstream-Gesellschaft international marginalisierten Gruppen partout nicht zugestehen mag.(Der Film läuft im Oldenburger Cine k im Rahmen des Queeren Filmfestivals)
Doku.
The Social Reckoning
USA ´26; R: Aaron Sorkin. Ab 8.10. Vorankündigung. Bild: Sony Pictures
Fortsetzung zu „The Social Network“: Frances Haugen (Madison) arbeitet als Produktmanagerin bei Facebook – und entdeckt interne Dokumente über die dunkle Seite des nicht sonderlich sozialen Netzwerks, die der Führungsebene zwar bewusst ist, aber tunlichst ignoriert wird. Empört kontaktiert Haugen einen Reporter (White) des Wall Street Journal, spielt ihm das geheime Material zu, was mit der Veröffentlichung von Jeff Horowitz ergänzender Recherche den sogenannten Facebook Files-Skandal auslöst.
Ein Hoch den Whistleblowern und den engagierten Medien.
D: Mikey Madison, Jeremy Allen White, Jeremy Strong, Bill Burr, Wunmi Mosaku.
Sinn und Sinnlichkeit
USA/ GB ´26; R: Georgia Oakley. Ab 15.10. Wertung: **** Bild: Focus Features
England gegen Ende des 18. Jahrhunderts: Nach dem Tod des alten Dashwood droht dessen Witwe und ihren drei Töchtern der soziale Abstieg, müssen die Frauen den Umzug in ein kleines Cottage auf dem Land ins Auge fassen. Doch damit tut sich besonders die eine der Töchter (Edgar-Jones) schwer, nachdem sie gerade erst den ihr äußerst sympathischen Bruder ihres Schwagers kennengelernt hat. Weil der (MacKay) sich aber nicht dazu durchringen mag, ihr den ersehnten Antrag zu machen, bleibt Elinor nichts weiter übrig, als still vor sich hin zu leiden – und sich zu sagen, dass eine Heirat mit Edward Ferrars gesellschaftlich ohnehin kaum akzeptabel wäre. Derweil denkt ihre Schwester Marianne (Creed-Miles) keine Sekunde lang daran, mit ihren Gefühlen für den charismatischen John Willoughby (Dillane) hinterm Berg zu halten. Als ihr dann zu Ohren kommt, dass sich ihr Verehrer mit einer anderen verlobt hat, ist sie am Boden zerstört. Die neueste Kino-Adaption des Jane Austen-Klassikers „Sinn und Sinnlichkeit“ fokussiert sich auf die Herzschmerz-Empfindungen der grundverschieden veranlagten Schwestern Elinor und Marianne, und bettet deren bedingungslose Liebe zueinander in eine gesellschaftskritisch angelegte Milieustudie ein. Deutlich unterstreicht die britische Regisseurin Georgia Oakley, dass für Frauen, egal welchen Alters und sozialen Standes, gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Leben einer fortwährenden Unterwerfung unter geltende Gesetze und das Patriarchat sowie einem Kampf gegen soziale Konventionen gleichkam. Gottlob ist man heutzutage weiter.
D: Daisy Edgar-Jones, Esmé Creed-Miles, Caitríona Balfe, George MacKay, Frank Dillane, Bodhi Rae Breathnach, Tom Brooke, Herbert Nridrum, Stacy Martin.
















