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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW3923.09.2026











Frau Winkler verlässt das Haus
Deutschland ´26; R: Doris Dörrie. Ab 1.10. Wertung: ****-vier Punkte
Wir schreiben das Jahr 2030 – das Problem mit der Pflege unserer alternden Gesellschaft konnte scheinbar zur Zufriedenheit der Bevölkerung im Lande gelöst werden, indem sich über die Krankenkasse spezialisierte Roboter zum 24/7-Dienst anfordern lassen. Dank KI wissen diese stets hilfsbereiten Pflege-Androiden alles über die Vorlieben ihrer Patienten, federn sie deren Macken stoisch ab – und leiten bei gleichbleibend schwachen Vitalitätswerten der Lebensüberdrüssigen bei denen dann diskret den sogenannten End of Life-Modus per tödlicher Pille ein. Auch Frau Winkler (Winkler) bekommt von ihrer Tochter Emi (Tonke) einen Robo-Kümmerer (Ellers) zur Seite gestellt, nachdem die alte Dame sturzbedingt von jetzt auf gleich rund um die Uhr auf häusliche Hilfe angewiesen ist. Jahrelang hat Emi ihre Mutter umsorgt und deren Launen ertragen – doch jetzt hat man der Theaterschauspielerin ein Rollenangebot zukommen lassen, das sie unbedingt annehmen will. Und die verunfallte alte Dame, einst ebenfalls eine weithin bekannte Theaterschauspielerin, gewöhnt sich relativ schnell an den neuen Wohnungsgehilfen: Der erobert Frau Winklers Herz, indem er ihren Lieblingssong trällern kann, sich zudem als ausgewiesener Tschechow-Kenner erweist. Dass der fortan auf den Namen Pawlowitsch getaufte Android nur die Zusammenarbeit mit dem hauseigenen Saugroboter kategorisch verweigert – geschenkt! Dafür weiß die altersstarrsinnige Dame mit diesem Pfleger endlich jemanden an ihrer Seite, mit dem sie nach Herzenslust herumzicken oder bei Bedarf über alles reden kann, egal ob es den nie verwundenen Tod ihres Ehemanns betrifft oder man tiefschürfende Gedanken über die Sinnlosigkeit des eigenen Weiterlebens äußert.
Die missliche Situation in der Pflege, ein aktuell verfahrenes Thema, dessen erwünschte Lösung der Durchschlagung des gordischen Knoten gleichkommt, wird von Komödien-Spezialistin Doris Dörrie so kenntnisreich wie einfühlsam in Szene gesetzt. Mit ihrem superb besetzten Schauspielertrio Angela Winkler, Laura Tonke und Josef „Pawlowitsch“ Ellers dekliniert die „Männer“-Regisseurin Liebe, Fürsorge und Verlust in einer hochtechnisierten Welt gekonnt leichtfüßig durch, ergänzt das heikle Thema um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung – und lässt Frau Winkler dank ihrem Pflegeroboter Pawlowitsch Wege aus der Einsamkeit finden. Eine Frage, die uns Kinogängern übers bittersüße Finale der Dramödie hinaus beschäftigen dürfte: Kann eine Maschine den Menschen und die Menschlichkeit ersetzen, wenn es ans Sterben geht?
D: Angela Winkler, Laura Tonke, Josef Ellers, Doris Kunstmann.
Digger
USA/ Mexiko/ GB ´26; R: Alejandro G. Iñárritu. Ab 1.10. Vorankündigung
Mit der Errichtung einer neuen Ölförderplattform in Grönland hat Firmeneigner Digger Rockwell (Cruise) der Menschheit und der Natur einen Bärendienst erwiesen. Da ihm als dem reichsten Bewohner des Planeten aber jedwede Auswirkungen auf die angestrebte Gewinnmaximierung seines global agierenden Konzerns wie eh und je am Allerwertesten vorbei gehen, solange es sich nur um einen Riss im Eis handelt, sieht der Tycoon keinen Grund, darauf reagieren zu müssen. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf – das ewige Eis der Polarkappen schmilzt, verursacht Tsunamis, stürzt Mutter Erde ins Chaos. Als ihre für die Energieerzeugung gedachten Atomkraftwerke beschädigt werden, hört für die eine oder andere Nation der Spaß endgültig auf, eskaliert der ohnehin fragile Weltfrieden weiter. Auch der diktatorisch veranlagte US-Präsident Compson (Goodman) lässt sich von seinem wissenschaftlichen Berater Ganesh (Ahmed) überzeugen, dass der Verursacher der Katastrophe die Suppe, die er allen eingebrockt hat, selbst auslöffeln möge. Kann Digger die Welt retten?
Die ersten Film-Clips erinnern an Stanley Kubricks bitterböse „Dr. Strangelove“-Farce mit einem ordentlich gegen den Sunnyboy-Strich gebürsteten Tom „Digger“ Cruise auf den Spuren von Peter Sellers oder an Donald Pleasences Miezekatzen-verrückten 007-SPECTRE-Mastermind Blofeld. Aber auch der Gedanke an gewissenlose Tycoons à la Elon Musk oder Donald Trump dürfte der mexikanische Regie-Großmeister Alejandro Iñárritu zu „Digger“ inspiriert haben. Fabelhaft bis in die Nebenrollen (unter anderem mit Sandra Hüller als Diggers Schwester Emma) besetzt – und ab Anfang Oktober fürs Publikum nur im Kino zu begutachten.
D: Tom Cruise, Sandra Hüller, Riz Ahmed, John Goodman, Michael Stuhlbarg, Jesse Plemons, Sophie Wilde, Emma D´Arcy, Corey Johnson.
Primetime
USA ´26; R: Lance Oppenheim. Ab 24.9. Wertung: ***-drei Punkte
Englische und US-amerikanische Reality-TV-Formate kommen zuweilen eiskalt und gnadenlos daher. „To catch a Predator“ hieß eine Show, die von 2004 bis ´07 vom US-Sender NBC produziert und über 20 Episoden hinweg stets erfolgreich ausgestrahlt wurde. Es ging darum, pädophil veranlagte Mannsbilder von minderjährigen Lockvögeln per Online-Chat in deren Zuhause zu locken. Vor Ort wurden die Ahnungslosen von den versteckten Kameras gefilmt und schließlich der Polizei übergeben. In Lance Oppenheims Regiedebüt übernimmt Starmime Robert Pattinson den Part des Moderators Chris Hansen, dem bei „Primetime“ nichts zu extrem schien, wenn es den Einschaltquoten nützte. Bis sich eines Tages eins der überführten menschlichen Primetime-Raubtiere vor laufenden Kameras erschoss, nachdem die Cops und Hansen Team den Täter mit seinem Tun in der Öffentlichkeit konfrontieren wollten. Während die Show somit TV-Geschichte schrieb, läutete dies zugleich das Ende von „Primetime“ ein - die Sensationslust hatte gesiegt, die Moral jedoch versagt. Hansen-Alias Pattinson bleibt blass. Weit schlimmer: Er lässt genauso wie Regisseur Oppenheim jegliche Haltung zum komplexen Thema vermissen, angefangen bei Quotendruck und Bigotterie hin zu krankhaftem Begehren oder Vorverurteilung. Verstörend!  
D: Robert Pattinson, Merritt Wever, Skyler Gisondo, Phoebe Bridgers, Matthew Maher, Anna Faris.
Von Scham und Geld
Deutschland/ Kosovo/ Slowenien/ Albanien/ Nordmazedonien/ Belgien ´26; R: Visar Morina. Ab 24.9. Wertung: ****-vier Punkte
Völlig unverschuldet steht der rechtschaffene Bauer Shaban (Kabashi) mit einem Mal ohne Haus und Hof und Vieh da. Da ihm somit die Existenzgrundlage entzogen ist, bleibt dem Familienvorstand nichts weiter übrig, als mitsamt seiner Ehefrau Hatixe (Kodheli), ihren drei Töchtern und der Großmutter dem Heimatdorf im ländlichen Kosovo den Rücken zu kehren, um in der Großstadt Pristina einen Neuanfang zu wagen. Statt von Hatixes Schwester, die mit ihrem wohlhabenden Mann in Pristina wohnt, mit offenen Armen empfangen und tatkräftig unterstützt zu werden, hagelt es Belehrungen. „Alles hat seinen Platz, auch der Mensch“, klugscheißt der Schwager – und vermittelt Shaban eine Aushilfsarbeit in seinem Club, ohne dass über die Entlöhnung für diesen Dreitage-Job geredet wird. Sein Motto: Wer gibt, bestimmt die Regeln; wer empfängt, hat dankbar zu sein. Um die Familie durchzubringen, verdingt sich Shaban zusätzlich als Tagelöhner oder Security, ist bei allem Frust stoisch darum bemüht, sich seine Würde zu erhalten.
Der dritte Spielfilm des deutsch-kosovarischen Regisseurs Visar Morina wirft einen ungeschönten Blick auf die Gewalt ökonomischer Abhängigkeiten. Wen das nicht nachdenklich macht…
D: Astrit Kabashi, Flonja Kodheli, Kumrije Hoxha, Fiona Gllavica. Alban Udaj.
Avengers: Endgame Extended
USA ´19 und ´26; R: Anthony Russo. Ab 24.9. Wertung: ****-vier Punkte
Zuletzt, im Finale von „Infinity War“, glaubte sich Titan Thanos (Brolin) am Ziel: Wie von ihm beabsichtigt, war die Hälfte aller lebenden Wesen im Universum mithilfe der Inifinity Steine ausgelöscht worden, und somit das durch Überbevölkerung bedrohte Weltall aus seiner Sicht errettet, indem er die beabsichtigte Balance wieder herstellen konnte. Zeit, sich ein bisschen Ruhe zu gönnen. Was Thanos als notwendiger Eingriff ins universale Weltengeschehen erschien, wuchs sich aus Sicht aller von der Maßnahme Betroffenen zu einem wahrgewordenen Albtraum aus. Man sieht die Auswirkungen gleich zu Beginn von „Endgame“: Da muss der Avenger Hawkeye alias Clint Barton (Renner) mit ansehen, wie sich seine Frau und seine Kinder buchstäblich in Luft auflösen. Was tun? Da keiner aus der verbliebenen Superheldentruppe in dieser neuen Welt leben will, modifizieren sie den Lauf der Dinge per Zeitreise in die Vergangenheit, um dort das Geschehene rückgängig zu machen. Die Regie nutzt diese Gelegenheit, um Erzählstränge aus früheren Avengers-Filmen aufzugreifen, den Teamzusammenhalt neu zu bewerten, die rechte Balance zwischen intelligenter Unterhaltung und bombastischer Action einzupegeln und alles in der Extended-Fassung humorig aufzupeppen.
D: Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans, Scarlet Johansson, Josh Brolin, Jeremy Renner.
Ein Nobody gegen Putin
Dänemark/ Tschechien/ Deutschland ´25; R: David Borenstein/ Pawel Talankin. Ab 5.10. Wertung: ****-vier Punkte
Dass die russische Kleinstadt Karabasch im Ural nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von der UNESCO als „giftigster Ort der Welt“ eingestuft wurde, ist jenen immensen Umweltschäden geschuldet, die durch die rücksichtslose Ausbeutung der ortsnahen Kupfermine über Jahrzehnte hinweg verursacht worden waren. Der vor Ort geborene und als Lehrer arbeitende Pawel Talankin hatte es dennoch stets geschafft, sich seiner Liebe zur Heimat als Amateurfilmer zu versichern und sie den Schülern gelegentlich per Videodokumentation über Herkunft, Traditionspflege oder die Schönheit der verbliebenen Natur zu vermitteln. Doch 2022, nach der russischen Invasion in der Ukraine, erfasste die staatliche Propaganda im Nu selbst Schulen in den entferntesten Winkeln des Riesenreichs. Videochronist Talankin wurde angewiesen, die Durchsetzung von Putins Botschaften vor Ort mit der Kamera aufzuzeichnen, so dass man die Gesinnung der Bevölkerung von Karabasch gegebenenfalls im fernen Moskau überprüfen könnte. Entsetzt über dieses neu verordnete Denken an seiner Schule überkamen Talankin Ohnmachtsgefühle. Er war fast schon so weit, den Dienst aufzukündigen, als ihn ein Filmregisseur aus dem Ausland kontaktierte. Und da wurde dem Pädagogen die sich bietenden Möglichkeiten bewusst, mit seinen Videoaufzeichnungen aus einer Insider-Position heraus weiterzumachen. Bis er das gesamte Material außer Landes schmuggeln konnte, dokumentierte Talankin akribisch die versuchte Gleichschaltung der russischen Bevölkerung und die staatlichen Manipulationsmanöver. Entlarvend.  
Doku.

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