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Filme im Kino

MoX-Kinotipps KW 4725.11.2022













Texte: Horst E. Wegener
Zeiten des Umbruchs  
USA ´22: R: James Gray. Ab 24.11. Wertung: ****
New York City im Spätsommer 1980: Für Paul Graff (Repeta) beginnt das sechste Schuljahr auf einer öffentlichen Schule in Queens. Dass er sich ausgerechnet mit dem neu in die Klasse kommenden Sitzenbleiber Jonathan (Webb) anfreundet, versuchen seine Eltern (Hathaway, Strong) umgehend zu unterbinden. Ihrer Meinung nach gilt es auf jene unüberbrückbaren Standesunterschiede zwischen einer gut situierten weißen jüdischen Einwandererfamilie und dem allein mit seiner bettlägerigen Großmutter in ärmlichen Verhältnissen lebenden farbigen Bengel Jonathan zu achten, wahrt man selbst in der vorgeblich liberalen Ostküstenmetropole die größtmögliche Distanz zwischen Weißen und Schwarzen. Während sich Paul unverstanden von seiner viel beschäftigten Mutter, dem überstrengen Vater und seinem streitsüchtigen älteren Bruder empfindet, fühlt er sich immerhin zu seinem Großvater Aaron (Hopkins) hingezogen. Denn dieser nimmt nicht nur die Träume des Jungen von einer Zukunft als Künstler ernst, sondern versucht dem Enkel Werte und Moral zu vermitteln. Auch Pauls Klassenkamerad Jonathan entpuppt sich als jemand, der sich von niemandem etwas gefallen lässt und sich notfalls sogar mit dem Lehrer anlegt, andererseits allen Problemen zum Trotz an Ehrlichkeit und Loyalität glaubt. Dennoch zeigt es sich immer wieder, wie sehr es in den USA auf die richtige Hautfarbe und das Vorhandensein von belastbaren Beziehungen ankommt – dass Jonathans Traum, irgendwann einmal bei der NASA arbeiten zu können, pures Wunschdenken bleiben dürfte, ist sonnenklar. Und so kann Paul sich´s leisten, im Unterricht Blödsinn zu machen – mit Konsequenzen, die einzig und allein sein Kumpel Jonathan zu tragen hat. In letzter Konsequenz lässt Pauls Großvater dann seine Beziehungen spielen, um dem Enkel eine Verlegung auf eine weiße Privatschule zu ermöglichen – während Pauls Busenfreund im Elend stecken bleiben wird. Für „Zeiten des Umbruchs“ ließ sich James Gray von Begebenheiten aus der eigenen Kindheit inspirieren, verarbeitet der von ukrainisch-jüdischen Emigranten abstammende, in New York geborene Drehbuchautor und Regisseur seine lange verdrängten Schuldgefühle, die ihm aus einer Freundschaft zu einem farbigen Mitschüler erwuchsen, den er nach einem Zwischenfall mit der Polizei nie wieder zu Gesicht bekam. Eingebettet in den vorherrschenden Rassismus der weißen US-amerikanischen Gesellschaft unter dem designierten Präsident Ronald Reagan und Donald Trumps Vater Fred, der sich im New York der 1980er-Jahre als Immobilienhai einen Namen machte, zerlegt Grays hervorragend besetztes Familiendrama stimmig-kenntnisreich jenen amerikanischen Mythos, dass es für jedermann nur darauf ankommt, sich zu bemühen und auf die eigenen Talente zu vertrauen. Denkste – wer weiß ist und auf die richtigen Kontakte vertrauen kann, hatte schon damals bessere Chancen. Sensationell: die schauspielerische Leistung des Elfjährigen Banks Repeta, der sich selbst neben Starmime Hopkins zu behaupten weiß.  
D: Banks Repeta, Anne Hathaway, Jeremy Strong, Anthony Hopkins, Jaylin Webb, Jessica Chastain, Ryan Sell.
Bild: [font=Arial, sans-serif]2022 Focus Features, LLC.[/font]
Strange World
USA ´22: R: Don Hall. Ab 24.11. Vorankündigung.
Die weithin bekannte Abenteuerlust seines verschollenen Vaters geht dem hasenfüßigen Sprössling Searcher Clade ab. Nur lässt sich das Desinteresse an gefährlichen Expeditionen nicht ewig für den Junior ausblenden. Als sich´s abzeichnet, dass die Existenz der gesamten Menschheit bedroht sein könnte, muss Searcher wohl oder übel das verhasste Papa Jaeger-Gen in sich freilegen – und zum fantastischsten Trip seines Lebens durchstarten…Ein gut zehnminütiger filmischer Appetithappen, der Filmjournalisten hierzulande kürzlich vorgesetzt wurde, lässt einen zumindest Wetten darauf abschließen, dass Hollywoods Trickprofis wissen, wie man Emotionen bei jung und alt weckt.
Animationsfilm
Bild: [font=Arial, sans-serif]The Walt Disney Company[/font]
Grump
Finnland/ Deutschland ´22: R: Mika Kaurismäki. Ab 24.11. Wertung: ***

Nur ein paar Sekunden lang nicht richtig reagiert – und schon endet Witwer Grump (Kinnunen) mit seinem Wagen im Straßengraben. Als man den Alten dann aus dem Krankenhaus entlässt, muss der sich von seinen beiden Söhnen anhören, dass seine Uralt-Karre bei einem Schrotthändler gelandet ist. Für den 72-Jährigen, dessen Haus und Hof jwd in der finnischen Einsamkeit liegt, ist´s allerdings undenkbar, fortan ohne einen fahrbaren Untersatz dazustehen. Andererseits kommt ihm ein neues Fahrzeug erst recht nicht in den Sinn – wenn er schon Ersatz braucht, dann sollte das wieder ein roter Ford Escort, Baujahr 1972 werden. Als Grumps Nachbar im Internet solch ein Modell entdeckt, reist der Eigenbrötler mit dem erforderlichen Kaufpreis in Bar in seinem Koffer von Finnland nach Hamburg. Dort angekommen kutschiert ihn ein das Wörtchen Escort missverstehender Taxifahrer prompt zu einem einschlägigen Etablissement. Grump wird Opfer eines Raubüberfalls und kommt erst im Krankenhaus wieder zu sich -  am Krankenbett des Pechvogels wartet dessen vor Jahrzehnten ohne ein Wort des Abschieds gen Deutschland entschwundener Bruder Tarmo (Vaänänen) aufs Aufwachen des Miesepeters. Finnlands Vorzeigeregisseur Mika Kaurismäki nutzt das Wiedersehen, um die beiden Brüder einerseits auf einen Roadtrip durch Deutschland zu schicken, und andererseits immer wieder zu einem parallelen Handlungsstrang umzuschalten, der einem den Alltagsstress von Grumps ungleichen Söhnen in Helsinki  näher bringen soll. So sehr uns deren Schicksal eher einerlei ist, zum Finale versammelt die Regie alle um einen langen Tisch, darf endlich eitel Sonnenschein herrschen! Die Vorlage fürs finale Kapitel seiner finnischen Trilogie über den kauzigen Grantler mit der Pelzmütze lieferte dem älteren Bruder von Aki Kaurismäki erneut ein Erfolgsroman des populären finnischen Comic-Autoren Tuomas Kyro; der Film badet in Lakonie, Wortwitz, skurrilen Begegnungen – und lebt vor allem dank seiner miesepetrigen Hauptfigur Grump.  
D: Häkki Kinnunen, Likka Forsa, Kari Vaänänen, Samu Haber, Rosalie Thomass, Tom Chun.
Bild: Arsenal Filmverleih

Nelly & Nadine
Schweden/Belgien/Norwegen ´22: R: Magnus Gertten. Ab 24.11. Wertung: ****
PunkteWeihnachten 1944 in der französischen Baracke des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück: Die aus Belgien stammende Opernsängerin Nelly Mousset-Vos, seit dem Frühjahr ´43 Lagerinsassin  aufgrund ihrer Aktivitäten in der Résistance,  singt zunächst Weihnachtslieder, dann eine Arie aus „Madame Butterfly“ – und eine ihrer Schicksalsgenossinnen, Nadine Hwang, Tochter eines chinesischen Diplomaten, verliebt sich in die Sängerin. Nicht nur, dass die beiden Frauen ihre Liebe an diesem grauenvollsten aller vorstellbaren Ort zu leben versuchen, ihnen ist obendrein das Überleben möglich. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bauen sich die beiden Frauen ein neues Leben in Venezuela auf, bevor sie in den frühen 1970er-Jahren nach Europa heimkehren. Und lange nach ihrem Tod erinnert die filmische Doku „Nelly & Nadine“ jetzt an deren Liebes- und Lebens-Geschichte. Der Film schaltet hin und her zwischen den Erlebnissen der beiden Frauen vor dem Krieg und jenen Momenten, in denen Nellys Enkelin Sylvie Bianchi gemeinsam mit ihrer Schwester die Dokumente aus dem Nachlass ihrer verstorbenen Großmutter sichtet; da Nadines Leidenschaft dem Filmen galt, kann die Doku überdies auf Home-Videos des Liebespaares in Caracas zugreifen. Das Ergebnis: So bemerkens- wie sehenswert.
Doku.
Bild: [font=Arial, sans-serif]Rise and Shine Cinema[/font]
Neil Young: Harvest Time
USA ´22: R: Bernard Shakey. Ab 1.12. Wertung: ****
Mit seinem 1972 veröffentlichten Album „Harvest“ gelang es der Folk- und Country-Größe Neil Young, das kalifornische Lebensgefühl der frühen 1970er-Jahre einzufangen – und Songs wie „Heart of Gold“ oder „Old Man“ haben selbst gut fünfzig Jahre später kein bisschen Staub an gesetzt. Dass sie frisch und unverbraucht wie eh und je klingen, rechtfertigt allein schon die jetzt kurz vorm Weihnachtsfest avisierte Veröffentlichung einer Jubiläums-Box mit der Musik. Höchst erfreulich für all die Kinogänger unter den Young-Fans rund um den Globus: Jene Erstaufführung der seinerzeit gedrehten und bislang nie gezeigten filmischen Dokumentation, die uns auf einen erinnerungsseligen Trip zu Neil Youngs Farm in Nordkalifornien zwischen Januar und September 1971 einlädt, wo damals zunächst die Harvest Barn Sessions stattfanden, ergänzt um einen sich anschließenden Zwischenstopp in London, wo ein ikonisches Konzert im Kreise des London Symphony Orchestra über die Bühne gehen sollte, um dann seinen Abschluss in den Aufnahmestudios von Nashville zu finden, während man dem „Harvest“-Strippenzieher Young beim Arbeiten an verschiedenen Titeln seines Albums zuschauen und –hören darf. Das Ergebnis: Ein Augen- und Ohrenschmaus für Cineasten und Musikliebhaber gleichermaßen.
Dokumentarfilm.
Der kleine Nick erzählt vom Glück
Frankreich/ Luxemburg ´22: R: Amandine Fredon, Benjamin Massoubre. Ab 1.12. Wertung: ****
Die Erfindung ihrer berühmten Zeichentrickfigur, des kleinen Nick, hat dessen geistige Väter Jean-Jacques Sempé und René Goscinny in aller Welt berühmt gemacht. Es erscheint also nur gerecht, dass die Dokumentarfilmer Amandine Fredon und Benjamin Massoubre diese lausbübische Kreation des Zeichners Sempé und des Comicautoren Goscinny in einer Rahmenhandlung endlich einmal mit ihren Schöpfern zusammenbringt, um so einerseits in deren Werk, Leben und ihre Freundschaft zueinander einzutauchen und sich zudem für die Karriere ihres kleinen Nick zu interessieren, die bis heute jung und alt gleichermaßen anspricht. Fredons und Massoubres genialer Kunstgriff: Während man den schelmischen Jungen ab den 1950er-Jahren in Zeichentrickabenteuern zur Schule gehen lässt, er Freunde findet, sich für Mädchen interessiert, in den Ferien ans Meer fährt, kurzum eine glückliche Kindheit erlebt, darf Nick immer mal wieder in die reale Welt seiner Väter hinüberwechseln, wo er es sich auf der Schreibmaschinentastatur Goscinnys gemütlich macht oder Sempé beim Zeichnen zuschaut und seine Schöpfer mit Fragen löchert. Unterm Strich erhält man eine höchst informative filmische Hommage an die beiden Künstler und ihre Zeichentrickfigur; ein Programmkinojuwel.
Dokumentation.
Bild: Onix Films

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