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Filme im Kino

Familiengeschichte27.02.2020



Text  | Christoph Kienemann
Bild   |  Filmposter

Die Geschichte der Deutsch-Balten ist heute nur noch wenigen bekannt. Über 700 Jahre stellte die deutsche Minderheit in Estland und Lettland die herrschende Schicht und unterdrückte die lettische und estnische Bevölkerung. Nachdem die Privilegien der Deutsch-Balten zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschnitten wurden, gewannen die Nationalsozialisten großen Einfluss im Baltikum. In einem Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt wurde die Umsiedlung der Deutsch-Balten beschlossen, die in das von Nazi-Deutschland annektierte Polen erfolgt.
Die Familie der österreichischen Regisseurin Bettina Henkel stammt aus dem Baltikum. Sie erlebten die mit der Revolution von 1905, der Oktoberrevolution 1917, dem Ersten Weltkrieg und dem Zweiten Weltkrieg verbundenen Umwälzungen hautnah. Bettina Henkel erzählt daher in „Kinder unter Deck“ die persönliche Geschichte dreier Generationen einer Familie: Großmutter, Vater und Tochter. Henkels Vater wurde bereits nicht mehr im Baltikum, sondern im polnischen Inowroclaw geboren. Die Tochter begleitete den Vater während einer Konferenz, die sich mit der Vertreibung der polnischen Bevölkerung aus dem von Deutschland annektierten Großpolen, dem sogenannten Warthegau und der Umsiedlung der Deutsch-Balten aus Lettland und Estland während des Zweiten Weltkriegs befasste. Dieser Reise folgte eine Auseinandersetzung zwischen Vater und Tochter, die die Grundlage für den Film darstellt. Letzterer widmet sich der Frage, wie stark die Traumata der Großeltern bis in die heutige Zeit und die jungen Menschen hineinwirken. Ein Phänomen, für das es heute immer noch kein ausgeprägtes Bewusstsein gibt.
Henkel will mit Kinder unter Deck die emotionale Geschichte dreier Generationen klären und begibt sich dafür auf eine filmische Reise. Die Regisseurin nimmt die Zuschauer*innen mit auf eine Reise durch fünf Länder (Lettland, Schweden, Polen, Deutschland, Österreich) und 14 Orte, die insgesamt 22 Tage dauerte. Als Ergänzung dienen die Super-8-Filme, die Henkels Onkel in den 1970er Jahren drehte und die die Kindheitserinnerungen repräsentieren. Für Henkel stellte der Film in erster Linie eine Reise zu den Wunden Punkten des Familiengedächtnisses dar. Insbesondere die NS-Zeit wurde in der Familie zuvor kaum thematisiert. Vater und Tochter spüren hierfür den Schicksalen der Familienmitglieder nach und suchen Antworten auf nicht gestellte Fragen und versuchen, die Geschichte aus der Verdrängung zu befreien. Dazu gehört auch eine Rollenumkehr. Auf ihrer Reise in die Vergangenheit zeigt die Tochter dem Vater die Orte seiner Kindheit, die er zuvor nicht sehen wollte.
Im Anschluss an die Filmvorführung findet eine Diskussion mit der Regisseurin Bettina Henkel statt, die von der Wissenschaftlerin Silke Pasewalck vom Oldenburger BKGE moderiert werden wird.



Kinder unter Deck
Mi. 11.03., 19.30 Uhr, Cine-K, Ol

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