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Filme im Kino

Filmfest-Eröffnungsfilm: Lara28.08.2019



Text | Dieter Oßwald
Foto: STUDIOCANAL / Frederic Batiervić

Keine leichte Hypothek, nach einem Coup wie „Oh Boy“ den nächsten Film zu wagen. Sieben Jahre ließ Jan-Ole Gerster sich Zeit, bevor er mit diesem Mutter-Sohn-Drama seinen Zweitling präsentiert. Just an ihrem 60-sten Geburtstag, gibt Laras Sohn Viktor ein großes Klavierkonzert.
Um für ein volles Haus zu sorgen, kauft die Mama die Karten kurzerhand auf, die sie an Freunde und Fremde verschenken wird. Die Karriere ihres Kindes war Lara schon immer wichtig. Vielleicht zu wichtig, weil sie selbst ihren Traum der gefeierten Pianistin einst aufgeben musste. Umso mehr will sie den Erfolg für Viktor um jeden Preis. Der krankhafte Ehrgeiz hat Spuren hinterlassen. Die vielen falsche gestellten Weichen in ihrem Leben rächen sich mit voller Wucht an diesem Geburtstag. Ähnlich à la „Oh Boy“, setzt Jan-Ole Gerster auf diverse Episoden an einem einzigen Tag, die wie ein Kaleidoskop das überraschende Bild ergeben. Auch hier wird die melancholische Grundierung regelmäßig mit etlichen Komik-Farbtupfern versehen, sorgen absurder Humor und feinsinnige Situationskomik für die notwendige Entspannung. Tom Tykwers vielfach preisgekrönter Haus-Kameramann Frank Griebe zeigt mit visueller Originalität einmal mehr, dass er zu den besten seines Faches gehört. Die Besetzung fällt bis in kleine Nebenrollen mit großartigen Darstellern aus. Der Part von Tom Schilling ist diesmal kleiner geraten, gleichwohl überzeugt er charismatisch als Sensibelchen mit Trotzpotenzial. Die Hauptlast trägt klar Corinna Harfouch, die diese Traumrolle mit scheinbarer Mühelosigkeit regelrecht zelebriert. Bisweilen erinnert die Harfouch mit ihrem eiskalten Auftreten, der eleganten Kleidung und der minimalistischen Mimik an die Huppert in „Die Klavierspielerin“. Hier wie dort gelingt das schwierige Kunststück, eine wenig sympathische Figur für das Publikum interessant werden zu lassen, fast Empathie zu entwickeln. „Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten. Dass einer alles hat: das ist selten“, wusste schon Tucholsky. Lara wusste das wohl lange nicht. Nun bekommt sie diese Lerneinheit vielleicht als Geburtstagsgeschenk. Erfreulich, dass Jan-Ole Gerster mit dem Erwartungsdruck besser umgehen konnte als seine Protagonisten. Da sollte es bis zum dritten Streich nicht ganz so lange dauern.

Lara
D ´19: R: Jan-Ole Gerster; D: Corinna Harfouch, Tom Schilling, André Jung, Volkmar Kleinert, Rainer Bock, Gudrun Ritter
Wertung: + + + + +
Kongresshalle, Mi, 11.9.2019

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