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Filme im Kino

Wochenzeitung DIABOLO:
Augenblicke
Gesichter einer Reise31.05.2018

Text | Martin Schlickert

Mit ihren 90 Jahren will es die Filmregisseurin, Fotografin und „Großmutter der Novelle Vague“ Agnès Varda noch einmal wissen. Gemeinsam mit dem Street-Art-Künstler JR begibt sie sich auf eine Reise kreuz und quer durch Frankreich, um sich im besten Sinne des Wortes ein Bild von den Menschen zu machen.

Die kleine, alte Dame und der schlacksige, junge Mann, der nie Sonnenbrille und Hut abzusetzen scheint, geben schon rein optisch ein wunderbares Gegensatzpaar ab. Gemeinsam ist den beiden jedoch die Freude am direkten Zugang zu Menschen. JR hat einen Kleinbus, der aussieht wie ein fahrender Fotoapparat. In dessen Inneren ist eine Fotokabine, nur dass hier keine kleinen Passbilder, sondern großformatige Poster aus dem Schlitz herauskommen. Das Fotomobil wird zur fahrenden Begegnungsstätte. Im Norden Frankreichs soll eine ganze Bergarbeitersiedlung abgerissen werden. Aber eine letzte alte Bewohnerin will sich nicht vertreiben lassen. Zu viele und zu schmerzhafte Erinnerungen steckten in diesen Gemäuern, um das Haus verlassen zu können. Varda und JR verwandeln das Abrissviertel in eine Ausstellung, indem sie die Fassaden der Häuser mit großformatigen Bildern von Minenarbeitern bekleben. Mit ihren riesigen Fotos erschaffen die beiden Denkmäler für Menschen, die normalerweise keine Denkmäler bekommen. Ein Abbild des Bauern, der mit seinen Maschinen 800 Hektar Land allein bewirtschaftet, wird überlebensgroß auf das Scheunentor geklebt. Vom Gruppenbild der Belegschaft einer Chlorfabrik auf der Lagerhalle über das Foto einer jungen Kellnerin auf der Kneipenfassade bis hin zu den totem-ähnlichen Aufnahmen dreier Ehefrauen von Hafenarbeitern, die auf über hundert gestapelten Containern aufgeklebt werden – die Kunst entsteht hier immer direkt aus der alltäglichen Begegnung. Dabei berührt der Film vor allem durch die Zugänglichkeit, mit der die Menschen auf die Angebote der beiden Künstler reagieren, und umgekehrt durch die neugierige Offenheit, mit der Varda und JR auf diese Menschen zugehen. Belohnt werden sie und auch das Publikum mit Geschichten und Gesichtern, die ganz unaufdringlich von der Vielfältigkeit des menschlichen Daseins erzählen und gerade im Einfachen das Besondere entdecken.

Frankreich´17: R: Agnès Varda.
Ab dem 31.5. im Cine k, OL

Foto:
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