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Auch den Himmel muss man sich leisten können11.06.2020



Interview  |  Christian lukas

Greg Daniels ist einer der wenigen Fernseh-Drehbuchautoren mit einer echten Fanbase. Er war das Mastermind hinter der US-Version von „The Office“ („Das Büro“) und er zeichnete sich verantwortlich für „King of the Hill“ sowie „Parks and Recreation“. Seinen ersten von fünf Emmys bekam der 1963 geborene Autor und Serienproduzent bereits 1989 für seine Mitarbeit an „Saturday Night Live“; auch für ein Simpsons-Drehbuch wurde er ausgezeichnet. Nun ist seine neue Serie „Upload“ bei Amazon – stilecht – upgeloaded worden. Darin dreht sich alles um die Geschichte von Nathan (Robbie Amell) und Nora (Andy Allo), die sich langsam näherkommen. Was erst einmal keine besondere Geschichte wäre. Allerdings ist Nathan tot. Bei einem Unfall ums Leben gekommen. Kurz vor seinem Ableben wird seine Persönlichkeit, sein Ich, wie immer man es nennen möchte, allerdings in eine Cloud geladen. Und da seine Freundin (Allegra Edwards) reich ist, kommt er in ein hübsches Ressort. Für technische – und andere – Fragen steht ihm Nora zur Seite. Sie ist sein Angel und sie arbeitet im Rechenzentrum der Firma, die Nathan hochgeladen hat. So kommen sich die beiden Stück für Stück näher.
„Upload“ ist witzig, smart, bizarr, mal laut, aber dann auch wieder leise. Zehn Episoden stehen auf Amazon Prime zum Anschauen bereit. Im Rahmen eines so genannten Roundtable-Interviews standen die Hauptdarsteller und Greg Daniels Serienfreunde aus verschiedenen Ländern Rede und Antwort. DIABOLO war mit dabei und hat aufgeschrieben, was Daniels gesagt hat.    
DIABOLO: Wie bist du auf die Idee zu Upload gekommen?
DANIELS: Technik verändert die Welt. Nimm dieses Interview. Da sitzen gerade einige Journalisten in ihren Büros in verschiedenen Ländern - und führen zusammen dieses Interview mit uns. Die Welt ist online. Wir digitalisieren unsere Welt, wo immer das möglich ist. Es hat mit kleinen Errungenschaften angefangen, wie etwa dem CD-Player. Ich habe meine Musik früher auf Schallplatte gehört. Dann kam die CD. Wir haben das Analoge hinter uns gelassen. Wir treiben die Digitalisierung voran, wo immer das möglich ist. Für mich stand einfach irgendwann die Frage im Raum: Wo hört diese Suche  nach neuen Möglichkeiten auf? Hört sie überhaupt irgendwann auf? Warum sollte der Tod so etwas wie eine unüberwindbare Schranke darstellen? Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen.
Und dann eine ganz andere Beobachtung: Meine Kinder lieben diese Onlinespiele, in denen Menschen virtuelle Räume einrichten. Keine Fantasiewelten. Nein, Wohnungen, Häuser... Sie können sich stundenlang in diesen virtuellen Realitäten bewegen. Was ich nicht verstehe: Warum richte ich in einer virtuellen Realität eine Wohnung ein - statt in meiner fassbaren Realität? Als Vater mag ich das verwirrend finden, als Comedy-Autor aber auch wieder faszinierend. Und da sind dann diese Ideen zusammengekommen: Wenn mein Geist in einer virtuellen Realität weiterleben könnte, wie würde ich mir diese Realität wohl einrichten? Und wenn man in eine solche virtuelle Realität eingespeist wird, was passiert mit der Seele? Gibt es so etwas wie eine Seele? Viele Fragen, die zusammen den Stoff der Serie ergeben haben.
DIABOLO: Du arbeitest zum ersten Mal für einen Streamingdienst. Wie hat dies deine Arbeit verändert?
DANIELS: Amazon hat das Konzept als einen fünfstündigen Spielfilm betrachtet. Das hat die Arbeit an der Geschichte natürlich beeinflusst. Wir haben jetzt einen verbindenden Rahmen. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Sehgewohnheiten. Viele Zuschauer werden „Upload“ an einem oder zwei Abenden gucken. Wobei es heute auch Fans von „The Office“ gibt, die en bloc fünf, sechs, sieben Episoden hintereinander schauen. Was mich überrascht, da es narrativ ja ein klassisches Format darstellt. Ich konnte halt nicht Episode um Episode schreiben, sondern musste tatsächlich einen fünfstündigen Spielfilm planen.
DIABOLO: Du sagst gerade, „Upload“ sei  strukturell ein fünfstündiger Film. Serien erzählen heute eigentlich stets – die große Geschichte. Du hast fürs traditionelle Fernsehen gearbeitet, du bist nun für Amazon tätig. Glaubst du, die Entwicklung geht immer weiter zur großen Geschichte – oder  kommt vielleicht irgendwann der Tag, an dem sich das Publikum am Goldenen Zeitalter satt gegessen hat und möglicherweise die Renaissance des klassischen Serienzeitalters ansteht...
GREG DANIELS: Fernsehen verändert sich, seit ich fürs Fernsehen arbeite. Als ich anfing, da war die Late Night Show heiß und ich schrieb für  Late Night Shows. Dann wurden die Sitcoms ganz groß und ich hatte das Glück, auch hier arbeiten zu dürfen. Ein Game Changer waren seinerzeit die „Die Simpsons“, die nicht nur als Animationsserie eine Ausnahmeerscheinung im Primetime-Television darstellten, sondern auch sehr viele neue narrative Wege beschritt.
DIABOLO: GEEK! Auch eine Serie, an der du mitgearbeitet hast...
DANIELS: Genau. Und irgendwo in dieser Entwicklung, die durch „Die Simpsons“ losgetreten wurde, nämlich etwas böser, sarkastischer zu sein, sich über Genregrenzen hinweg narrativ bewegen zu dürfen, da bekam ich dann eine ganz große Chance, als nun auch die Sitcom als Genre schärfer wurde. Dieser Wunsch kam von den Zuschauern. Sie suchten sich die Formate, die sich wagten, etwas bissiger, dunkler, komplexer zu sein. In gewisser Weise ist die Entwicklung den Serienzuschauern gefolgt. Und die sind heute bei Netflix und Amazon, wo sie genau das bekommen, was sie wollen, diese komplexen Serien. Das ist der Punkt, an dem wir heute stehen. Und ich kann nicht sagen, wohin das führen wird. Der Zuschauer ist ein sich bewegendes Ziel, dem die Serie folgt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich da irgendwann wieder etwas ändern wird.
DIABOLO: Würdest du dich uploaden lassen?
DANIELS: Das weiß ich nicht. Ich glaube, dass wir auch in einer Afterlife-Gesellschaft anfangen würden, klassische Gesellschaftsformen wieder zu errichten. Mit Ausgrenzung verschiedener Gruppen, mit Außenseitern. Das sollte man sich vielleicht vor Augen halten.

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