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„Die Zeit im Sommerlicht“ von Ann-Helén Laestadius30.04.2024



Interview und Foto: Thea Drexhage


MoX: Wovon handelt der Roman?
Hiltrud Schäpker: Es geht um Jon-Ante, Else-Maj, Anne-Risten, Marge, Nilsa und viele andere samische Kinder, die mit sieben Jahren ihr Elternhaus verlassen müssen, um in ein schwedisches Nomadeninternat zu gehen. Sie dürfen nur zwei Mal im Jahr nach Hause fahren, was schon etwas traurig ist. In diesem Internat ist es so, dass Schläge und seelische Gewalt an der Tagesordnung sind. Es gibt eine Hausmutter, die heißt Rita. Sie führt ein sehr strenges Regiment. Es gibt aber auch eine samische Betreuerin, Anna, sie mag die Kinder, ist der Lichtblick für diese Kinder und versucht, sie so gut es geht zu schützen.
In Rückblicken wird erzählt, wie die samischen Kinder in den 1950er Jahren in dem Internat leben und auch, wie sie später in den 1980er Jahren das dort Erlebte mitgenommen hat. Wie sie als Erwachsene leben, was sie machen etc. Die meisten der ehemaligen Internatskinder verdrängen ihre Vergangenheit, kommen damit nicht so gut zurecht und flüchten sich in Alkohol oder Tabletten. Einige verschweigen ihr samisches Erbe, da sie sonst verspottet werden. Niemand spricht über das erlebte, bis irgendwann Anna, die schwer krank ist und weiß, dass sie stirbt, sich wünscht, dass alle Kinder aus dieser ehemaligen Nomadenschule an ihrem Begräbnis teilnehmen und miteinander sprechen. Und das ist total gut für sie und sie merken, wie lange das überfällig war.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Hiltrud Schäpker: Ich finde schön, dass es auf zwei Zeitebenen spielt und man sehen kann, aus welchen Gründen die Kinder handeln und was aus ihnen im Erwachsenenalter wird. Ich finde außerdem die Geschichte als solche gut und dass die Samen darin ein Forum bekommen, einen ähnlichen Umgang mit indigenen Völkern kann man schließlich an vielen Orten auf der Welt beobachten. Außerdem gefällt mir die Art und Weise, wie das Buch geschrieben ist. Die Sprache ist sehr gut eingesetzt worden. Die Autorin schreibt dabei sehr feinfühlig und wertschätzend. Es sind ganz viele sehr drastisch geschilderte Szenen enthalten, aber mit diesen geht sie so toll um, dass man nicht das Gefühl bekommt, erstmal davon weggehen zu müssen. Außerdem ist es eine Geschichte, die lange bleibt. Man legt das Buch weg und muss noch lange darüber nachdenken – es ist eines, das man innerlich mitnimmt.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Hiltrud Schäpker: Allen glaube ich. Sowohl Männern als auch Frauen, die ein Interesse an gut geschriebener Literatur haben, in welcher Randgruppen in einen Fokus gerückt werden.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Hiltrud Schäpker: Ich wollte schon das erste Buch der Autorin lesen und bin aus irgendwelchen Gründen nicht dazu gekommen. Dann kam dieses ganz neu raus und als neue Buchhändlerin muss ich hier natürlich immer gucken, was es neu gibt. Gelesen habe ich es als E-Book, einfach da ich so viel lesen muss. Als es dann aber hier in der Papierausgabe ankam, habe ich mich total gefreut.
MoX: Was wissen Sie über die Autorin?
Hiltrud Schäpker: Ann-Helén Laestadius ist eine schwedische Journalistin und Autorin mit samischem Hintergrund. Die Samen sind eine indigene Gruppe aus dem Norden Europas. Es ist ihr zweiter Roman für Erwachsene, sie hat zuvor Bücher für Kinder und Jugendliche geschrieben. Ihre Mutter war selbst in so einem Nomadeninternat und konnte davon aus erster Hand berichten.

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