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„Die Rechtschaffenden Mörder“  Vorgestellt von Zwantine Lübbers25.11.2020



MoX: Wovon handelt das Buch?
Zwantine Lübbers: Es geht um einen fiktiven Dresdener Antiquar Paulini, dessen Lebensgeschichte schon bei den Großeltern anfängt. Es geht über die verstorbene Mutter bis in die Gegenwart hinein. Es spielt zu DDR-Zeiten und umfasst die Wende und die Zeit danach. Von der Mutter erbt er sehr viele literarische Klassiker. Auch in der Schule ist er schon ein sehr gebildeter Leser, der überall herausragt. Schon als Kind hat er beschlossen, nur eines im Leben werden zu wollen: ein Leser. Er wird schließlich Antiquar und kann sich seiner Leidenschaft gänzlich hingeben und nebenbei noch gut dabei Geld verdienen. Es werden auch die Beziehungen zu den Frauen geschildert, die sind nicht ganz so geglückt bei ihm und wechseln des Öfteren Mal. Er bekommt einen Sohn, welchen er großzieht, aber keine Beziehung zu ihm aufbauen kann. Dann geht es weiter bis zur Wende, bis das Antiquariat Pleite geht. Er muss sich um andere Jobs kümmern, was er auch macht. Irgendwann wird er dann Nachtportier, wobei er wieder Zeit hat zu lesen. Politik hat ihn eigentlich nie interessiert, auch in der Zeit der Wende nicht. Er hat sich nie an Protesten beteiligt. Eher lebte er in seiner eigenen Bücherwelt. Im zweiten Teil des Buches erzählt dann ein Autor diese Geschichte nochmal neu, er nennt sich Schultze. Und schaut nochmal zurück auf das, was geschrieben wurde und bewertet die Figur in bestimmten Punkten wieder ganz anders. Bei den Rückblicken war er dann nicht mehr der Antiquar der ein fröhliches Leben führte. Da kamen dann die ersten Brüche zum Vorschein, denn im Laufe der Zeit hatten sich sowohl Paulini als auch sein Sohn radikalisiert. Im ersten Teil der Geschichte befindet man sich in so einem Zeitreservoir. Man erlebt die Literatur der Vergangenheit und damit einen Kurs, der sich auf die deutsche Sprache bezieht, ein Indiz für Deutschtümelei, die er auch nach der Wende behält. Und dann kommt ein dritter Teil, der noch komplizierter wird. Es kommt eine Lektorin hinzu, die mit dem Autor über diese Geschichte spricht. Es passiert dann etwas ganz Spannendes, was viele Fragen aufwirft, denn das Buch heißt ja „Die rechtschaffenden Mörder – ein Wenderoman“, aber es wird eben keine Schuld zugewiesen, sondern es werden sehr sehr viele Fragen aufgeworfen. Einmal sagt Paulini als die Polizei kommt, das sei das erste Mal, dass der Staat sich um ihn kümmert. Er hatte alles verloren. Ein Verlierer, dem nur noch das Radikale bleibt? Aber, lesen sie selbst!
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Zwantine Lübbers: Als gebundenes Buch in Papierform mit Lesebändchen.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Zwantine Lübbers: Der erste Teil war toll zu lesen, beim zweiten muss man schon etwas nachdenken und beim dritten wird es dann noch komplizierter. Es ist sehr facettenreich geschildert und hat mich sehr in den Bann gezogen. Ich konnte überhaupt nicht aufhören zu lesen. Der Autor schreibt so, dass man ihn sofort versteht, aber er hat auch sehr viele Literaturdetails hineingepackt, die man nur als belesener Mensch kennt. Und natürlich, wir Buchhändlerinnen kommen auch vor und das schmeichelt natürlich sehr. Und die Beschreibung eines Antiquars in der DDR klingt sehr authentisch. Das der Autor dort seine Jugend verbracht hat merkt man.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Zwantine Lübbers: Dem erwachsenen Leser, der eine verschachtelte Geschichte lesen will und sich über die zahlreichen Literaturanspielungen freut und nicht nur so einen glatt geschriebenen Roman oder Krimi lesen möchte.
MoX: Was wissen Sie über den Autor?
Zwantine Lübbers: Ingo Schulze wurde 1962 in Dresden geboren und lebt in Berlin. Er  ist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021 nominiert.
Interview und Foto: Thea Drexhage

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