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MoX Buchfavorit: 89/90 von Peter Richter
Vorgestellt von Ralf Boche, Sonderpädagoge02.06.2020



Interview und Foto: Dana Hubrich
Der Autor bietet einen Einblick in das Alltagsleben der damaligen DDR und beleuchtet die Besonderheiten jener Zeit. Zudem finden sich darin autobiografische Parallelen wieder. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein sechszehnjähriger Schüler, den wir auf seinem Weg als Heranwachsenden begleiten. Bedingt durch die schwierige Phase der Pubertät, erleben wir ihn in wechselnden Stimmungen. Hin und wieder gibt er sich euphorisch und neugierig, ein anderes Mal resignierend und lakonisch. Er mag gerne Punkmusik und möchte mit seinen Freunden eine Punkband gründen, was sich allerdings als schwieriger herausstellt als gedacht. Peter Richter gewährt uns einen persönlichen Einblick in ein Leben, das sich zwischen Freiheiten, Zwängen und Unsicherheiten abspielt. Sein jugendliches Alter Ego taucht in die linke Szene ein und erlebt anarchistische Zustände. Es kommt zu humorvollen und absurden Momenten. Gleichzeitig bleibt dem Leser aber auch das Lachen im Halse stecken. Denn der Protagonist wird mit dem aufkommenden Rechtsradikalismus konfrontiert. Dabei arten die Kämpfe zwischen Linken und Rechten äußerst brutal aus.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Ralf Boche: Auf dem Papier. Das Buch habe ich zum Geburtstag geschenkt bekommen.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut an dem Buch gefallen?
Ralf Boche: Mir gefiel die Fülle an Informationen, die der Autor sogar in Fußnoten vermittelt und belegt. Neben den wichtigsten historischen Ereignissen – wie beispielsweise dem Rücktritt Erich Honeckers – benennt er auch viele kleinere Erlebnisse, an die man sich nicht mehr erinnern kann. Ebenso die Art und Weise, wie das der Protagonist reflektiert und teilweise auch humorvoll interpretiert, bereitete mir viel Vergnügen beim Lesen, insbesondere wenn man diese Zeit selbst erlebt hat. Das erzeugt nostalgische Momente. Ein weiterer, interessanter Aspekt des Buches ist, dass zahlreiche Bands aus dieser Zeit auftauchen, die eben schon jahrelang nicht mehr existieren. Ansonsten ist noch als Besonderheit zu erwähnen, dass viele Namen der mitwirkenden Privatpersonen lediglich mit ihrem Anfangsbuchstaben abgekürzt sind. Bekannte Menschen aus Politik und Kultur werden hingegen ausgeschrieben. In den ersten Momenten ist das vielleicht etwas anstrengend zu lesen, aber die Geschichte gestaltet sich dadurch ähnlich einem Tagebuch und gewinnt dadurch an Authentizität.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Ralf Boche: Aufgrund der zum Teil brutalen Szenen, sollte man sicherlich erst eine Empfehlung ab  18 Jahren aussprechen. Die Kampfszenen zwischen Rechten und Linken werden teilweise sehr detailreich beschrieben. Generell würde ich es allen Leuten empfehlen, die sich für diese Zeit interessieren. Es gibt einen interessanten Einblick in die Situation der so genannten Wendezeit, wie die Menschen damals lebten und welche Rechtsfreiheit damals existierte. Sicherlich finden sich hierbei auch Parallelen zu den restriktiven Auffassungen von Rechtspopulistischen Strömungen wieder, die in Gestalt von Pegida, AfD etc. in der Gegenwart für Furore sorg(t)en.
MoX: Was wissen Sie über den Autor?
Ralf Boche: Der Publizist und Schriftsteller Peter Richter wurde 1973 in Dresden geboren. Er studierte Kunstgeschichte und arbeitete unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Richter moderierte zeitweilig eine Sendung beim Deutschlandradio. Zu seinen Veröffentlichungen zählen mehrere Sachbücher, Essays sowie Videokolumnen. Bei dem vorliegenden Buch muss man natürlich bedenken, dass das Peter Richter mit einem Abstand von circa fünfundzwanzig Jahren niedergeschrieben hat. Das merkt man der Geschichte hin und wieder auch an:  Wir bekommen eine Reflektion des Protagonisten vorgesetzt, die man mit sechszehn Jahren in diesem Umfang noch nicht hat.

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