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Buch-Tipps

Buchvorstellung: „Winterbergs letzte Reise“25.02.2020



MoX: Wovon handelt das Buch?
Christoph Marquardt: Das Buch ist gar nicht so einfach einzuordnen. Wir finden hier zwei Handlungsstränge vor. Zum einen ist es ein Reiseroman, in der sich ein junger Krankenpfleger und ein alter, betagter Herr auf eine Eisenbahnreise begeben. Beide lernen sich in einem Altenpflegeheim in Berlin kennen, wo der Altenpfleger Jan Kraus den fast hundertjährigen Wenzel Winterberg betreut. Dieser hat schon drei Schlaganfälle erlitten und bereitet sich allmählich auf den Tod vor. Jan Kraus geboren im früheren Winterberg, im Böhmerwald, birgt selbst einige Geheimnisse und verschweigt, warum er die Tschechoslowakei verlassen musste. Durch die Geschichten seiner alten Heimat reanimiert er den alten Wenzel Winterberg, der als Sudetendeutscher nach dem Krieg aus der Tschechoslowakei vertrieben wurde. Der alte Mann fasst den Entschluss, sich auf die Spuren seiner Vergangenheit zu begeben. Zusammen mit Jan Kraus unternimmt er eine Reise von Berlin nach Sarajewo. Sie hangeln sich damit an den Stationen von Winterbergs Leben ab. Dabei erfahren wir viel über die persönliche Geschichte Winterbergs, so auch Details über seinen Vater, der in einem Krematorium arbeitete und von einem Faschisten erschlagen wurde.
Zum anderen gibt das Buch viel über die europäische Geschichte preis. Viele Orte und Städte, die Kraus und Winterberg auf ihrer Reise durchqueren, spielen sowohl in der persönlichen Geschichte des alten Mannes als auch in der europäischen Geschichte eine bedeutende Rolle. In vielen Rückblenden blicken wir auf Erlebnisse, die sich beispielsweise während der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, dem Nationalsozialismus und zur Zeit des Eisernen Vorhangs ereigneten.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Christoph Marquardt: Klassisch auf dem Papier, wie immer. Es wurde mir von einem bekannten Verkehrsplaner aus Berlin empfohlen. E-Books habe ich noch nie gelesen. Das Buch habe ich zum Teil auch auf einer Zugfahrt gelesen. Das ist für mich immer eine passende Gelegenheit, bei der die Muße für das Lesen vorhanden ist.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut an dem Buch gefallen?
Christoph Marquardt: Der Roman ist mit einer besonderen Art von Humor gespickt, der zum Schmunzeln einlädt, wobei das Buch streckenweise eher melancholisch ist. Aber zwischendurch fallen so merkwürdige Formulierungen, wie zum Beispiel Winterbergs „historische Anfälle“, bei denen er sich in die Vergangenheit zurückversetzt fühlt. Zudem geht der Autor sehr sorgfältig mit der europäischen Geschichte um. Für unsere jetzige Zeit markiert das einen wichtigen Punkt, da Europa immer wieder in Frage gestellt wird und der Nationalismus in unserer Gesellschaft wieder vermehrt greift. Der Autor spricht in diesem Zusammenhang von einer „Geschichtsvergessenheit“. An einer Stelle des Buches heißt es etwa: „Die Menschen lassen sich eher von einem stummen Eisbären im Zoo berühren, als von der Geschichte.“ Ich finde, das trifft es sehr gut. Zudem arbeitet Jaroslav Rudis mit Wiederholungen, das hilft den Lesern, das Ganze auch besser zu verstehen und einzuordnen zu können.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Christoph Marquardt: Ich denke, das Buch ist für geschichts- als auch für europainteressierte Leser zu empfehlen, gerade für diejenigen, die sich bei südosteuropäischer Geschichte auskennen. Ebenso mag es für Leute spannend sein, die sich mit dem Thema Eisenbahn beschäftigen, immerhin ist die Geschichte eine Art „Railmovie“.
MoX: Was wissen Sie über den Autor?
Christoph Marquardt: Der tschechische Schriftsteller und Drehbuchautor Jaroslav Rudis wurde 1972 in Turnov geboren. Er studierte Germanistik, Geschichte und Journalistik. Seine Werke verfasst er sowohl auf Tschechisch als auch auf Deutsch.“  

Text und Foto: Dana Hubrich

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