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Goodbye, Buchstabei!07.10.2026
Text und Foto: Thea Drexhage
Durch eine Tante, die Bibliothekarin in Bremerhaven war, wurde die Liebe zu Büchern des jungen Deblitz früh geweckt, doch eine Karriere daraus zu machen stand lange nicht auf dem Plan. So absolvierte er eine handwerkliche Ausbildung auf der Werft in Wilhelmshaven. „Aber dort hat mir der Mensch etwas gefehlt, also habe ich die Hochschulreife erworben und nach dem Zivildienst in einer Lebenshilfeeinrichtung Sozialpäda-gogik studiert“, erzählt er. Nun waren es aber auch die späten 60er Jahre, Zeiten beispielsweise von Brokdorf, sodass sich an der Uni viele Menschen mit alternativen Lebensmodellen und Ideen für neue Wirtschaftsformen befassten – auch viele neue Antiquariats-gründungen gehörten dazu. „Das haben viele im Kollektiv gemacht und zum Beispiel Entrümpe-lungsfirmen gegründet“, so Deblitz. Da seine damalige Freundin von der Küste kam und er seine Familie um Bremen herum hatte, wurde Oldenburg als Lebensmittelpunkt gewählt. „Ich kannte Oldenburg nicht besonders, aber fand es irgendwie in Ordnung“, lacht er. Zu dieser Zeit gab es kein Antiquariat in Oldenburg, wie er sie beispielsweise aus Hamburg kannte. Nicht so verstaubt, sondern gut sortiert und einladend. Eine Räumlichkeit im Dobbenviertel war schließlich gefunden, ein Partner, um das Geschäft aufzuziehen leider nicht. Also startete er das Projekt allein. Erstmal den Laden renovieren, in dem zuvor Glücksspielautomaten gewartet wurden. „Es gab nur eine Ofenheizung und wir hatten einen ziemlich kaputten Fußboden. Regale mussten gebaut werden, dies geschah mit Hilfe von Pu Schröder, der ja im letzten Jahr leider verstorben ist - und natür-lich mussten Bücher beschafft werden“, blickt er zurück. Nun geschah dies alles vor Zeiten des Internets. Sich all das Wissen über Bücher, Sammlerstücke und Werte anzueignen, stellte eine Menge Arbeit neben dem normalen Betrieb dar. Andere Antiquariate in Norddeutschland wurden studiert. „Ich habe nach und nach die Autoren rausgefunden, die meiner politischen Einstellung und meinem Lebensentwurf ent-sprachen. Egal wie schön die Bücher waren, die ich in die Hände bekam, das Wichtigste waren immer die Texte und dass es Bücher sind, die uns irgendwie gesellschaftlich weiterbringen“, erklärt der 72-Jährige. Natürlich gab es auch Krimis oder mal einen Liebesroman, aber auch viele Klassiker. Eine Autorin, die dabei über die Jahre stetig sehr gefragt war, ist zum Beispiel Mascha Kaléko. Nun hat sich das Buchgeschäft aber stetig verändert. Fernsehen, Internet, Smartphones wurden populärer und machten dem klassischen Buch den Rang um eine gute Freizeitbeschäftigung streitig. Das merkte Michael Deblitz auch im Geschäft. Während über die Jahre immer wieder ganz verschiedene Menschen in seinem Laden arbeiteten, schmiss er diesen in den letzten Jahren doch gänzlich allein. Gerade zum Ende hin schuldenfrei zu bleiben hatte für ihn immer höchste Priorität. Deshalb verkleinerte er sich auch vor fünf Jahren und zog aus der ‚Hundehütte‘ an der Ofener Straße in sein gemütliches Ladengeschäft an die Nadorster. Doch nach 5 Jahren ist auch hier nun endgültig Schluss. Eine Entscheidung, die er am 24. März um 19:15 Uhr in der Sauna fällte. „Damit habe ich mich dann sehr wohl gefühlt. Nicht nur weil ich in der Sauna war“, lacht er. Aber so richtig leicht fällt es dem Antiquar trotzdem nicht. Wohin mit all der kommenden Freizeit, bestimmte der Laden doch in der Vergangenheit sein ganzes Leben? Frau, Garten, Freunde, Urlaube sind das eine, eine eventuelle Rückbesinnung auf seinen damaligen Studiengang das andere. So möchte Michael Deblitz im kommenden Jahr Vorbereitungs-kurse absolvieren, um dann Hospizarbeit zu leisten. „Ich gehe dort im nächsten Jahr hin und schaue mal, ob das passt und dann wird man sehen, ob sich was ergibt. Ich möchte aber auch zuhause noch ein paar Sachen verschönern und Dinge machen, die man so vor sich herschiebt. Und zuhause auch räumen, denn dort habe ich auch eine Menge Bücher!












