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Hauptsache Gesellschaft23.09.2026
Text und Foto: Thea Drexhage
Kommend aus der Metropolregion Thessa-loniki wurde das Leben hier plötzlich bedeutend ruhiger. „Ich war schon alt, als ich herkam. Ich war anderes gewohnt. Die Sozialisierung in Griechenland ist eine ganz andere. Man begegnet sich offen. Die Norddeutschen sind eher verschlossen. Bestimmt wegen dem Wetter, da ist man mehr zuhause“, lacht er schelmisch. Im Erwachsenenalter ist es längst nicht mehr so einfach wie in der Schulzeit, neue Freundschaften zu schließen - alle haben ihre Routinen, ihre Jobs, ihre Hobbys und Vereine. Dennoch, oder gerade deswegen, ist er schon immer sehr bemüht, seine Mitmenschen trotzdem kennenzulernen, Ver-bindungen zu schaffen und ganz verschiedene Kulturen zu verknüpfen. So engagierte er sich in der Vergangenheit unter anderem bei Radio Globale und mischt in verschiedenen Vereinen und Initiativen mit. Die neuste Idee: die Kulturkarawane. Alle zwei Jahre findet in Oldenburg Global Lokal statt, eine gute Sache, aber was ist in den Jahren dazwischen? Da ist auf jeden Fall Raum für mehr Begegnung. So möchte Tziros gern in den Zwischenjahren an ganz verschiedenen Orten in der Stadt neue Begegnungsstätten schaffen, am liebsten draußen und bei gutem Wetter, für jeden und jede zugänglich. Auf Grund des fortgeschrittenen Jahres kann die erste Kulturkarawane noch nicht wie gewünscht im Freien stattfinden, dafür aber im Kulturzentrum Rennplatz, wo Griechenland, Polen und die Türkei aufeinandertreffen und mit einem gemischten Programm die Oldenburger *innen in ihre bunten Kulturkreise einladen. Musik, Kunst, Essen, Spiele, Gemeinsamkeiten entdecken, Vorurteile abbauen und vor allem eine gute Zeit miteinander verbringen, sollen im Fokus stehen. Es soll nicht darum gehen, Land für Land vorzustellen, sondern eben gemeinsam zu agieren. Thomas Tziros wünscht sich, dass diese Veranstaltung fruchtet und über die Jahre immer mehr wachsen wird. Seine Pläne sind vielfältig und groß, aber die Bürokratie manchmal einfach größer, wie er eingestehen muss. Hinzu kommt, das Menschen verschiedener Nationalitäten ihre ganz eigenen Arbeitsweisen und Zeitpläne mitbringen - die einen strikt, die anderen etwas liberaler was zum Beispiel Pünktlichkeit angeht, aber genau das macht es ja auch spannend! Thomas Tziros ist vielfältig interessiert, vor allem für Geschichte. So dürften viele überrascht sein, wie viele historische Figuren beispielsweise Oldenburg und Griechenland verbinden - so war die Oldenburger Herzogin Amalia vier Jahre Königin von Griechenland, bis sie und ihr Mann Otto Friedrich Ludwig vor dem politischen Widerstand fliehen mussten.
In seiner Jugend wollte er sogar Astrophysiker werden, doch seine Mathematikleistungen sprachen dagegen. Also studierte er Elektronik an der Fachhochschule und arbeitet heute in der IT-Branche. Abseits der Arbeit sind es vor allem Begegnungen, die seinen Alltag bereichern. Mezze, also vielfältige kleine Gerichte aus dem mediterranen Raum zubereiten und diese in kleiner oder großer Runde gemeinsam genießen und stundenlang erzählen, mehr braucht es für ihn nicht, um eine gute Zeit zu haben. Denn was bringt es schon, allein zuhause zu hocken? Die Gründung von Eutopia - Verein der Hellenen und Hellasfreunde Oldenburg e.V. ermöglichte es nun auch , sich auf verschiedenen Weisen kulturell in Oldenburg einzubringen. Sei es bei Osterfesten oder einer Ausstellung, die das Schaffen des Komponisten und Schriftstellers Mikis Theodorakis feiern sollte. Auch die enge Zusammenarbeit mit Freund und Künstler Georgios Kolios, beispielsweise bekannt durch seine Arbeit am Staatstheater, bereitete Thomas Tziros in der Vergangenheit viel Freude. Und wenn doch einmal das lebendige Treiben seiner griechischen Heimatstadt fehlt, ist es in das etwas lebendigere Bremen ja auch nicht weit. Dieses sei Thessaloniki gar nicht so unähnlich.












