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Einer von Wenigen10.07.2024



Text und Foto: Thea Drexhage


Gelernt hat der gebürtige Münsteraner nach seinem Abitur nämlich etwas anderes: Tischler. Die Arbeit mit Holz lernte er zuvor durch seinen Großvater kennen. Im Anschluss ging es für ein Jahr nach Neuseeland, bevor er dann schließlich nach Oldenburg kam, um auch noch zu Geografie zu studieren. Das ist mittlerweile 35 Jahre her. Während des Studiums stellte er fest, dass es doch eher in seiner Natur liegt, etwas mit den Händen zu machen. Umgeben von Menschen, die beruflich mit Büchern zu tun hatten, kam die Idee der Buchbinderei auf und von heute auf morgen begann er bei der Buchbinderei Henckus zu lernen und sitzt seit über 7 Jahren mit seiner eigenen kleinen Werkstatt im KreativQuadrat Oldenburg. Doch der Weg dorthin war lang. Zwar hat ihn die Buchbinderei nie ganz verlassen, doch spielte sie für 20 Jahre seines Lebens eine eher nebensächliche Rolle, denn in dieser Zeit übernahm Eberhard Gaumer die Aufgabe des Hausmanns für seine Frau, die als Lehrerin arbeitet, und Vaters für seine drei Kinder. Als diese jedoch nach und nach erwachsen wurden, war es an der Zeit aktiver zu werden und so war der Weg in die Selbstständigkeit die natürliche Konsequenz.
„Seit Neuestem gibt es einen wunderbaren Bogen in meinem Leben. Ende letzten Jahres fand ich im Nachlass meiner Eltern eine Musikkassette, datiert mit 1976. Als ich sie einlegte, hörte ich darauf meinen Patenonkel Gitarre spielen und danach kam ein Interview mit mir, in dem ich über meine Ferienwoche bei ihm berichtete. Danach hat er wieder Gitarre gespielt. Es war sehr schön, ihn wieder zu hören, weil er verstorben ist vor vielen Jahren. Und dann kommt plötzlich seine Stimme und er liest ein Gedicht vor: Der Buchbinder. Und da ist mir alles weggesackt.“, erzählt der Buchbinder. Das Gedicht verfasste sein Patenonkel selbst und Eberhard Gaumer findet darin vieles wieder, was ihn persönlich und seinen Beruf ausmacht. Erinnern konnte er sich an diese Begebenheit geschweige denn an die Kassette jedoch nicht: „Das war nach so vielen Jahren eine schöne Bestätigung.“ Im KreativQuadrat arbeitet er nun an eigenen Schreibbüchern oder widmet sich Buchschätzen von Kund*innen, die vielleicht eine Reparatur nötig haben oder durch handgemachte Futterale geschützt werden sollen. Während es natürlich immer auch ein wenig aufregend ist, mit privaten, eventuell wertvollen Büchern zu arbeiten, liebt Gaumer diese zeitaufwändige und teils auch sehr fummelige Aufgabe besonders. „Ein Buch auseinanderzunehmen, jede einzelne Seite zu säubern und abzufegen, auch bei vielleicht 500 Seiten, damit habe ich kein Problem. Das hat etwas Meditatives.“, erklärt er und betont dabei auch, dass er Bücher nur repariert, nicht jedoch restauriert – dafür gibt es jedoch andere spezialisierte Menschen in der Region, auch, wenn dieses Handwerk immer mehr abnimmt. Noch lieber als sich Büchern in ihren Einzelteilen zu widmen, gibt der Buchbinder sein Wissen weiter. Beispielsweise an Gesell*innen auf Wanderschaft, an Studierende kreativer Studiengänge, oder in Workshops in seiner Werkstatt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Die eigene Leidenschaft mit anderen teilen zu können ist eines der Highlights in seinem Beruf, weshalb er sich auch im KreativQuadrat so wohl fühlt. Während dort alle ganz individuellen Handwerken nachgehen, die vielleicht im ersten Moment gar nicht so viel miteinander zu tun haben, lebt die kreative Gemeinschaft dort vom gegenseitigen Austausch und von der Begeisterung für das Schaffen des bzw. der jeweils anderen.

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