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Kultur und Handwerk28.10.2020



Trotz Selbstständigkeit immer da, wo etwas los ist. Dieter Ahlers aus Oldenburg hat die Sache mit der Work-Life Balance gut gemeistert. Nach über 40 Jahren im Job als Zahntechnikermeister mit zahlreichen Veränderungen ist 2020 jedoch ein ganz besonderes Jahr, denn die Interessen, die Dieter Ahlers pflegt, sind momentan nur schlecht mit der Situation vereinbar.
Neben seinem Job und dem allgemeinen Interesse für Musik geht der 60Jährige liebend gern auf Konzerte, so trifft man ihn an Orten wie den Jazzclubs in Rotterdam oder dem Watt En Schlick Fest am Dangaster Nordseestrand. „Ich habe für mich herausgefunden, dass Konzerte ein guter Ausgleich sind. Man kann natürlich Musik aus der Konserve hören, das hat auch seinen Reiz, aber ich mag das Live-Erlebnis und das Eintauchen in diese einmalige Situation. Man erlebt schöne Konzerte, aber auch blöde. Eine Platte hingegen ist immer gleich. Konzerte erfordern, dass man präsent ist. Da kann ich dann komplett abschalten.“ Nur ist das mit den Konzerten eben so eine Sache im Moment. Auch die zweite große Leidenschaft von Dieter Ahlers, das Reisen, ist derzeit nur bedingt möglich. „Ich habe Glück gehabt, dass wir im letzten Jahr noch in Thailand waren, weil Freunde dort geheiratet haben. Und zu meinem 60. Geburtstag habe ich mir das „Rock Boat“ gegönnt - eine Musikkreuzfahrt in Florida. Das war vor Corona, so dass ich vom Urlaub erstmal gesättigt war. Allerdings waren wir jetzt auch gerade auf Rügen. Eigentlich wollte ich in die Pfalz, zur Weinernte, aber das habe ich dann wegen des Risikos für meine Umgebung und meinen Betrieb nicht gemacht.“ Letzterer besteht nun seit 31 Jahren, aber der Weg dorthin war lang. Dass Dieter Ahlers Zahntechniker wurde, war ein großer Zufall. „Damals war das ja eine Zeit, da war das mit den Jobs noch nicht so einfach. Ich komme aus einer Familie, wo es in erster Linie wichtig war, überhaupt einen Job zu haben.“ Aber welcher das werden sollte, das wusste er eine ganze Weile nicht.  „Ich wusste immer, dass ich nichts im Büro machen wollte, oder im Anzug durch die Gegend laufen. Irgendwas Handwerkliches sollte es schon sein.“ Und in Oldenburg wollte Dieter Ahlers auch bleiben. Nach seinen Gesprächen bei der Berufsberatung kristallisierten sich dann zwei Berufe heraus: Zahntechniker und Büromaschinenmechaniker. Ersteres zu seiner Zeit heiß begehrt. „Ich habe mich zuerst als Büromaschinentechniker beworben, zum Glück ist daraus nichts geworden, den Beruf gibt es ja heute gar nicht mehr“, erzählt er lachend. Durch einen Freund erfuhr er dann von einer Stelle im Dentallabor Lippitsch. „Dort habe ich mich dann beworben und einen Test gemacht. Vermutlich habe ich die Stelle bekommen, weil ich sehr auf Ordnung geachtet habe – vom Typ her war ich ja eher der Freak mit meinen langen Haaren.“ Nach einigen Jahren im Beruf kamen aber doch die ersten Zweifel, ob der gewählte Lebensweg so der richtige ist. Dieter Ahlers beobachtete Freunde im Umfeld, die studierten, politisch aktiv waren und einen ganz anderen Lebensrhythmus hatten, als er selbst. Doch er entschied, dass sein Beruf der richtige ist, nur die Form, wie er ihn ausübte, sich verändern sollte. „Ich habe dann meine Meisterschule gemacht und das Ding selbst durchgezogen. 1979 habe ich mich mit drei Kollegen selbstständig gemacht. Wir wollten uns selbst mit Arbeit versorgen. Das Wachstum kam dann von allein.“ Und das funktioniert bis heute. „Ich bin damit zufrieden und jetzt in einer Phase, wo ich mir Gedanken mache, wie ich diese Idee an die nächste Generation weitergeben kann. Wie kriegt man es hin, dass man nicht von irgendeinem Investor geschluckt wird. Das sehe ich als meine Aufgabe.“
Text und Foto: Thea Drexhage

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