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Vielfältig aktiv: Regieassistentin und Kulturaktivistin Mathilda Kochan13.10.2020



„Ich bin jetzt ungefähr seit zwei Jahren in Oldenburg. Zunächst hatte ich einen Jahresvertrag für den Ring und das war ein super Einstieg für mich“, erinnert sich Mathilda Kochan. Die Stadt habe ihr sofort gefallen, die Atmosphäre und die Menschen seien etwas besonderes. „Die Stadt ist einfach eine schöne Mischung aus entspannt und trotzdem aktiv“, sagt sie. Der positive erste Eindruck wurde auch durch den Theaterhafen befördert, der gerade in voller Blüte stand, als Mathilda Kochan nach Oldenburg zog. Inzwischen ist sie mit einer festen Stelle am Staatstheater vertreten und widmet sich gerade der Regie des Stückes „Die letzten fünf Jahre“. Studiert hat Mathilda Kochan dabei nicht etwa Regie, sondern Operngesang: „Es gibt wenige Studienplätze für Theaterregie an den Hochschulen, vielleicht ist es aber auch nicht nötig, das zu studieren, denn es gibt viele Quereinsteiger*innen in diesem Feld.“
Ihr war zumindest schnell klar, dass sie sich nicht lange als Opernsängerin austoben, sondern doch lieber vor, als auf der Bühne aktiv sein wollte. Um diesen Weg zu beschreiten, kontaktiert sie den berühmten Opernregisseur Stefan Herheim – letzterer hat immerhin schon am Royal Opera House in London inszeniert – und daraufhin begleitet sie den Norweger für ein Jahr bei seinen Arbeiten in Amsterdam, Kopenhagen und Düsseldorf. Eine intensive Zeit, in der Mathilda Kochan natürlich viel gelernt hat.
Was ist aber das eigentlich faszinierende an der Oper? „Viele Theaterwissenschaftler*innen behaupten, die Oper sei tot. Wagner oder Mozart kann man nicht wirklich neu fassen und das begrenzt einen. Ich glaube das aber nicht“, erklärt Kochan. Man müsse mit viel Leidenschaft in der Musik nach Begründungen suchen, warum etwas passiert. „Ein gutes Stück wie La Bohème z. B., das heißt auch, dass sich jemand dabei etwas gedacht hat und dies klingt in der Musik.“ Als Opernregisseure müsse man also Gründe in der Musik finden, um etwas szenisch zu zeigen und wenn etwas nicht begründet ist. Die Liebe zur Oper wurde Mathilda Kochan schon im Elternhaus mitgegeben. Ihre Mutter ist selber Opernsängern und ihr Vater hat Stücke für das Theater geschrieben und auch komponiert. „Ich war schon als kleines Kind bei meiner Mutter in der Garderobe und das war für mich das Größte“, erinnert sie sich. Das Eintauchen in eine andere Welt auf der Bühne bleibt bis heute etwas Faszinierendes. „Man vergisst leicht, woher das Theater eigentlich kommt. Die Griechen hatten den Begriff der Katharsis und das bedeutete auch, durch das Miterleben der Emotionen im Theater, ein besseres Mitglied der Gesellschaft zu werden“, erklärt Kochan. Im Theater kann man noch heute beobachten, wie das Publikum die erlebten Emotionen mit nach Hause nimmt.
Doch neben ihrer Arbeit am Theater, ist die junge Regisseurin auch stark involviert in die Oldenburger Kulturszene. „Ich hatte eine Theaterwohnung in der Blumenstraße und bin in diesem Viertel spazierengegangen und es gab Ateliers, man hörte Musik, ich kam am Theater Laboratorium vorbei. Es war unglaublich, wie aktiv die Szene ist“, erinnert sie sich. Irgendwann führte ihr Weg dann zur Creative Mass, wo sie auch inzwischen Teil des Vorstandes ist.
„Als Creative Mass haben wir zuletzt sehr unter Corona gelitten, denn wir hatten sehr viele Aktionen geplant, die wir nicht durchführen konnten.“ Hinzu kommt, dass sich Creative Mass natürlich als Austauschplattform sieht, die Menschen zusammenbringen will und genau dieser Aspekt war in den letzten Monaten fast unmöglich. Dennoch initiiert Mathilda Kochan die Charing is Caring-Demo auf dem Schlossplatz. „Es gab eine Regelung, dass man 250 Menschen draußen versammeln darf, aber bestuhlt. Aber wo sind die Stühle?“ So war dann die Idee, ein Zeichen zu setzen und sich mit eigenen Stühlen auf dem Schlossplatz einzufinden. Die Stadt reagiert und nun hat Oldenburg einen eigenen Stühlepool.
Text und Foto: Christoph Kienemann

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