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Praktisch und Passend: Mara Klötzing, Schuhmachermeisterin und Modelltechnikerin17.04.2019



Solche Illusionen möchte die Oldenburgerin aus dem Weg räumen. „Altes Handwerk klingt immer viel romantischer als es in Wirklichkeit ist. Manche Menschen stellen sich vor,  mein Chef und ich würden bei Kerzenschein sitzen und die Schuhe klöppeln.“ Und das ist definitiv nicht der Fall. Stattdessen befindet sich Mara Klötzing in einem normalen, wirtschaftlichen Betrieb und arbeitet bei klaren und hellen Lichtverhältnissen. Pragmatisch eben. Na ja, ein bisschen fernab des Normalen spielt sich das Ganze dann doch ab: „Ich höre auch mal gerne Helge Schneider dabei“, merkt die gutgelaunte Mara an, die mit Mikropony, Vintagebrille, allerlei Piercings im Gesicht und Tattoos an den Armen sicherlich auch nicht dem gängigen Bild einer Schuhmachermeisterin entspricht. Zumindest was das Bild anbelangt, was in den Vorstellungen der Menschen existiert. „Irgendwann gewöhnten sich unsere Kunden an mich. Anfangs waren sie sicherlich noch etwas überrascht, wenn ich vor ihnen stand: Eine gepiercte, tätowierte Schuhmacherin?! Und dann auch noch eine junge Frau in diesem Beruf. Ich kann auf jeden Fall nur betonen, dass ich eine sehr freundliche Handwerkerin bin.“ Exakt den einen Arbeitsalltag gibt es für Mara nicht. Zumeist stehen verschiedene Reparaturen im Vordergrund. Neben Schuhen bearbeitet sie - und das mag so manch eine*n erstaunen - auch Taschen, Trensen, Rücksäcke oder sogar Hundeleinen. „Da es heutzutage kaum noch Täschnereien oder Sattlereien gibt, sind wir als Schuhmacher die naheliegende Alternative und Anlaufstelle für so eine Art von Arbeit. Das verleiht meinem Berufsalltag viele Variationsmöglichkeiten und das bereitet mir wiederum viel Spaß.“ Und dann gibt es eben noch die Herstellung von maßangefertigten Schuhen. „Ungefähr 30 Paar Schuhe bearbeiten Mara Klötzing und ihr Chef pro Jahr. Das hört sich erst einmal wenig an, doch dahinter verbirgt sich eben ein sehr zeitaufwendiger Prozess.“ Doch weit gefehlt, wer denkt, dass Mara und ihr Chef ausschließlich hochwertige Schuhe reparieren würden. „Wir reparieren, alles, was wir können, zum Beispiel auch Turnschuhe. Ich möchte alles reparieren, was geht, weil es sonst weggeschmissen wird.“
Weit weniger romantisch fällt im Übrigen auch Maras Erklärung für ihre Berufswahl aus. „Ich habe nicht von der Kindergartenzeit an geträumt, Schuhmacherin zu werden, ich wusste nicht einmal, dass so etwas existiert. Denn ich bin nicht damit aufgewachsen, dass wir unsere Schuhe regelmäßig zur Reparatur bringen, das gab es einfach nicht.“ Eher über Umwege gelangte die Oldenburgerin zu der finalen Idee des Schuhmacherhandwerks. Für ein freiwilliges ökologisches Jahr auf einem Bio-Bauernhof benötigte sie festes Schuhwerk, das ruhig in Mitleidenschaft gezogen werden konnte. „Bei Mama im Schuhschrank habe ich irgendwelche ‚ollen‘ Schuhe herausgezogen, wo ich im Nachhinein erfahren habe, dass sie in Großbritannien handgefertigt worden sind.“ Später kam Mara wieder gedanklich auf diese Schuhe zurück, als die Ideen, Erzieherin oder Floristin zu werden, ad acta gelegt waren. Wie wäre es Schuhmacherin zu sein und eben solche Schuhe selbst herstellen zu können? Praktika in den entsprechenden Betrieben motivierten letztendlich die aus Schleswig Holstein stammende Handwerkerin, eine Ausbildung in dem Bereich zu beginnen. An die Ausbildung schloss Mara auch noch ein Schuhdesign-Studium an, dass sie aber dazu bewog, dem eigentlichen Handwerk des Schuhmachens treu zu bleiben. „Letztendlich geht es als es staatlich geprüfte Modelltechnikerin darum – so der abschließende Titel des Studiums - für große Firmen Kollektionen zu designen und Modelle zu entwickeln. In der Regel wird so ein Modell nach China geschickt, wo die Schuhe dann gefertigt werden. Mit der Arbeit des Schuhmachens hat das nichts mehr tun.  Mara bevorzugt eher die schnelle und einfache Arbeitsweise, praktisch müssen ihre Ergebnisse sein und bloß nicht zu viel ‚Schnick Schnack‘ vorweisen.

Text und Foto: Dana Hubrich

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