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MoX - Veranstaltungsjournal
Kunst auf der Haut
Tim Felsmann, Tätowierer21.02.2019

<i>MoX - Veranstaltungsjournal</i><br />Kunst auf der Haut<br />Tim Felsmann, Tätowierer

„Es ist jedes Mal eine unglaubliche Ehre, wenn jemand sagt ‚Ich finde deinen Stil toll, ich vertrau dir voll und ganz in deiner Arbeit‘“, gibt der gerade mal 23 Jahre junge Tätowierer Tim Felsmann voller Stolz zu Protokoll. Seine Kunstwerke befinden sich nicht nur auf den herkömmlichen Materialien, wo sich Künstler*innen für gewöhnlich austoben. Er verschönert sozusagen den menschlichen Körper, die Haut fungiert für ihn als Leinwand.
Der mit lockigen Haaren und runder Brille versehene Oldenburger arbeitet als Selbstständiger im frisch eröffneten Tattoo Salon „Big Girls Don’t Cry“, der von zwei erfahrenen Tätowiererinnen angeleitet wird. Als Künstler probiert sich Tim in vielen Stilrichtungen aus, sein Hauptaugenmerk gilt aber der traditionellen Stilrichtung  ‚Bright and Bold‘. „Die Ursprünge des ‚Tradtional Tattooing’ lassen sich bis nach Japan zurück verfolgen. Anfang des 20. Jahrhunderts fingen amerikanische Tätowierer damit an, den japanischen Tattoo-Stil sowie dessen Bildwelt aus definierten, geschwungenen Linien und klaren Motiven zu imitieren.“ Ein weiteres prägnantes Kennzeichen dieses, von Tim präferierten, traditionellen Stils ist die Verwendung von knalligen Farben und einer minimalistischen Struktur. Ansonsten wendet er sich in seiner Arbeit aber auch dem klassischen grafischen Blackwork oder eben dem westlichen, amerikanischen Stil mit sehr fetten Outlines zu. Auf seiner eigenen, aus Amerika importierten Tattoomaschine, die gerade mal einen kleinen Teil seiner Handfläche einnimmt, prangt, neben einem kleinen blauen Spielwürfel, ein vom Maschinenbauer eingraviertes Spinnennetz. Eine besondere Note darf also auch hier nicht fehlen. Apropos. Dass Tims Haut ebenfalls mit grafischer Kunst bestückt ist, versteht sich von selbst. Dass ihn seine künstlerische Ader schon in viele kreative Bereiche wie dem Grafikdesign gebracht hat, mag nicht sonderlich überraschen, aber dass er sich dann ausgerechnet für so eine heikle und kostbare „Arbeitsfläche“ wie die der menschlichen Haut entschieden hat, bedarf einer Erklärung: „Eigentlich spielte ich schon mit 16 oder 17 Jahren mit dem Gedanken, Tätowierer zu werden. Nach meiner Grafikdesignausbildung habe ich gemerkt, dass Büroarbeit nicht unbedingt das ist, was ich mir für meine Zukunft vorstelle. Zwar überlegte ich noch in Richtung Gamedesign zu gehen, doch kehrte ich wieder zu meiner ursprünglichen Idee des Tätowierens zurück.“ Da Tims Schwerpunkt schon vor und während der Ausbildungszeit auf der Illustration lag, besaß er somit eine gute und solide Basis für die graphische Arbeit auf der Haut, indes gibt er an: „Der eigene Stil entwickelt sich erst im Laufe der Zeit.“ In Braunschweig erlernte er das Tätowiererhandwerk in einem eigens ausgewählten Studio. „Dort profitierte ich vor allem durch den enormen Input der Gasttätowierer und ihrer spezifischen Techniken.“ Allerdings verlief die dortige Ausbildung nicht immer so wie erhofft. „Ein Phänomen, das leider recht häufig in einer Tätowiererausbildung anzutreffen ist, ist das der Ausbeutung. Man verdient in der Regel kein Geld für seine Arbeit. Ich bekam immerhin Trinkgelder für meine Tattoos. Am Anfang der Ausbildung muss man zumeist Shopmanagment mit allem, was dazu gehört, betreiben. Zum Glück haben mich damals meine Eltern unterstützt.“ Doch zurück zu der besonderen Ausgangslage, dass Tim Felsmann die menschliche Haut mit Kunstwerken versieht. „Jede Haut ist individuell. Es ist eine ganz andere Sache, wenn man sich beispielsweise den Ellenbogen oder aber am Rippenbogen tätowieren lassen will. Ein Faktor, den man immer wieder beachten muss, ist, wie tief und robust die Haut ist. Dafür ein Auge zu entwickeln, ist Übungssache.“ Im Zuge seines stetig wachsenden Interesses für Kunst setzte er sich auch schon früh mit der menschlichen Anatomie auseinander. Durch und durch hilfreich, wenn es darum geht, die Tattooentwürfe auf die Hautflächen zu übertragen. „Wenn ich ein Stencil aufklebe, achte ich darauf, wie sich die Muskeln und insgesamt der Körper an entsprechender Stelle verhalten.“

Text und Foto: Dana Hubrich

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