LzOLzO
OLDENBURG
Sonntag

21

April

Foto:
Über den Dächern von Oldenburg

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Veranstaltungen

Datum

bis

Kategorie

Ort

Location

Festival

Kleinanzeigen

Menschen

MoX - Veranstaltungsjournal
Beistand in der Trauer
Cornelia Welp, geprüfte Bestatterin21.06.2018

<i>MoX - Veranstaltungsjournal</i><br />Beistand in der Trauer<br />Cornelia Welp, geprüfte Bestatterin

„Im Tod gibt es kein Zeitgefühl. Für Viele bleibt die Uhr einfach stehen.“ Cornelia Welp spricht ruhig und wählt ihre Worte mit Bedacht. Durch ihre Arbeit als Bestatterin weiß sie, worauf es in einem Trauerfall ankommt. „Vor allem sollte man den Menschen als ein guter Berater zur Seite stehen. Ich bin mit Menschen in einer Ausnahmesituation zusammen, hierfür ist viel Feingefühl gefragt.“ 1991 stieg Cornelia Welp in das Bestattungsinstitut ihres Vaters ein. Damals fühlte sie sich von ihrem ursprünglich erlernten Beruf nicht mehr ausgefüllt und war auf der Suche nach etwas Anderem. Auf Anraten des Vaters versuchte sie es im elterlichen Betrieb. „Ich wollte immer etwas mit Menschen machen, aber den Beruf des Bestatters hatte ich als junges Mädchen noch nicht vor Augen. Indes vermittelten mir meine Eltern, dass der Tod stets zum Leben dazu gehört.“ Nach dem Tod des Vaters und des Bruders übernahm sie schließlich die Führung des Familienunternehmens, das sich nun in dritter Generation befindet. In ihrem Büro spiegelt sich die Traditionsgeschichte des Bestattungsinstituts wieder; die hier befindlichen Möbel wirken wie kostbare Erbstücke. „Eigentlich sind wir gerade am Renovieren. Die alten Schränke als solche hat mein Vater seiner Zeit immer noch restauriert und aufgearbeitet.  Ich mag die Kombination von Alt und Neu.“ So kommt es auch, dass statt der schwarzen – konventionellen - Leichenwagen, champagnerfarbene in den Garagen des Instituts stehen.
Cornelia Welp will nicht nur in beratenden Gesprächen in Trauerfällen über alles Notwendige aufklären, sondern die Menschen auch im Vorfeld informieren. „Ich finde es wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, wann der Bestatter wirklich kommen muss oder wie die Erstversorgung eines verstorbenen Menschen funktioniert. Der Verstorbene darf bis zu 36 Stunden ohne Genehmigung zu Hause bleiben, danach muss das Ordnungsamt informiert werden.“ Ein Umstand, mit dem die Trauernden auch nicht gerade rechnen, ist die Tatsache, dass die Angehörigen nach dem Tod eines Verstorbenen mit vielen bürokratischen Angelegenheiten konfrontiert werden. „Das erschreckt natürlich viele. Das hängt unter anderem mit dem seit Mai existierenden Datenschutzgesetz zusammen. Zahlreiche Dokumente müssen in einem Trauerfall beglaubigt und unterschrieben werden.“ Diese zunehmende Bürokratisierung des Todes spiegelt sich auch in speziellen Fällen wieder: „Wir haben es hier in Deutschland mit vielen Kulturen zu tun. Auch hier muss erst einmal, wie in anderen Fällen,  geklärt werden, wer als Ansprechpartner beziehungsweise Kostenträger für den Verstorbenen in Frage käme.“ Nicht nur Fragen nach der Aufenthaltsgenehmigung, sondern auch nach der Konfession und den damit verbundenen Riten tauchen auf. Auf den städtischen Friedhöfen Oldenburgs existieren beispielsweise seit einiger Zeit eigene Gräberfelder für Mitbürger*innen muslimischen Glaubens. Die Tendenz ist steigend, so Cornelia Welp, dass die Menschen immigrieren. „Wir als Bestattungsinstitut sind ein fachgeprüftes und qualifiziertes Haus. Wir wissen, was bei den jeweiligen Riten, sei es bei dem muslimischen, jüdischen, buddhistischen oder christlichen Glauben, beachtet werden muss.“ Es können diesbezüglich aber auch Fragen einer Rücküberführung in das Heimatland auftauchen. Dafür muss mit Konsulaten gesprochen und Genehmigungen eingeholt werden, wie Cornelia Welp berichtet. Neben der bürokratischen Bewältigung macht sie auf eine weitere, einschneidende Veränderung zum Thema Tod aufmerksam. „Seit 2004 erhalten Krankenkassenmitglieder kein Sterbegeld mehr. Seitdem befindet sich jeder Mensch in der Situation, selbst Vorsorge treffen zu müssen.“ Wenn keine Vorsorge des Verstorbenen getroffen wurde und die Familie nicht die nötigen Kosten tragen kann, tritt das Sozialamt der Stadt Oldenburg in Kraft. Das Ordnungsamt nimmt sich des Trauerfalles an, wenn keine Angehörigen auffindbar sind. Bei allen Rechtsfragen will sie auch den menschlichen, den emotionalen Zugang wahren. „Natürlich sagen viele, ich sei ja ständig von traurigen Menschen umgeben. Das ist schon richtig, aber ich sehe das etwas anders; ich kann versuchen, diesen Menschen zu helfen und ihnen in der Trauer die nötige Unterstützung zukommen lassen. Für mich gibt es keinen anderen Beruf.“

Text und Foto: Dana Hubrich

X-Cut
EXB Handwerk
MoX-DIABOLO Ratgeber
FZO Elektra