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MoX - Veranstaltungsjournal
Austausch zweier Länder
Sachiko Szyszka, Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in OL05.06.2018

<i>MoX - Veranstaltungsjournal</i><br />Austausch zweier Länder<br />Sachiko Szyszka, Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in OL

Sachiko Szyszka muss sich zwar momentan auf einer ‘Krücke’ abstützen, doch ihrer besonnenen, freundlichen Ader schadet das keineswegs. So oft wie möglich fügt sie einem Satz ein Lächeln hinzu. „Von Januar bis April war ich sehr krank und konnte nicht viel machen. Die Arbeit für den Verein stagnierte etwas, aber jetzt bin ich wieder da“. Bei diesem Ausruf lacht die kleine, schier unerschütterliche Frau herzlich. In ihrer Vereinsarbeit als Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Nordwest zu Oldenburg e.V versucht sie, diese Motivation zu übertragen. „Steifheit ist nicht mein Fall, deswegen versuche ich alle Leute anzusprechen. Von dieser offenen Atmosphäre profitiert auch der Verein.“ Der Verein, der 1989 gegründet wurde, hat es sich zur Hauptaufgabe gemacht, den Kulturaustausch zwischen Deutschland und Japan zu fördern und zu bereichern. Bei den monatlichen Treffen werden in diversen Vorträgen historische als auch aktuelle Einblicke in beide Kulturen gewährt. Auch Japanreisen und verschiedene Workshop-Angebote stehen auf der Vereinsagenda. Sachiko Szyszka selbst lebt seit 1973 in Deutschland. Ihre ersten Eindrücke verharren noch deutlich in ihrer Erinnerung. „Alles war anders in Deutschland. Von der Schlafgelegenheit, dem Essen bis zur Arbeitsmoral. Dabei muss man aber bedenken, dass das Deutschland vor über 40 Jahren nicht mit dem heutigen zu vergleichen ist.“ Die staunende Irritation über die damaligen prägnanten Unterschiede sind Sachiko Szyszka noch in das Gesicht geschrieben. Doch woher rührte überhaupt der Entschluss, von Japan nach Deutschland zu ziehen? Das begründet sie zunächst –etwas geheimnisvoll- mit einer japanischen Lebensweisheit: „In Japan sagt man, wenn ein Frosch in einem kleinen Teich lebt, dann interessiert er sich für das, was außerhalb des kleinen Teiches vor sich geht.“ Doch erst einmal war die deutsche Sprache durch die berufliche Ausbildung präsent. Denn Sachiko Szyszka ist eigentlich ausgebildete Krankenschwester, Hebamme und allgemeine Gesundheitsschwester. In ihrer damaligen Ausbildung war die deutsche Sprache ein Pflichtfach. Und die Gründe hierfür haben eine historische Bewandtnis. „Bis 1868 war Japan ein geschlossenes Land. Nach einer gewissermaßen notwendigen Öffnung waren viele jüngere, fähige Leute wissbegierig darauf, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Deutschland war damals eine Hochburg für Mediziner, und die Kapazitäten waren da, um den Japanern dort eine Ausbildung – sei es nun staatlich oder privat - zu ermöglichen. So kam es auch, dass ein Japaner in der „Meji-Zeit“ des 19. Jahrhunderts die deutsche Medizin mit in seine Heimat brachte.“ Hingegen ist die jetzige Medizin, die in Japan praktiziert wird, anders. Sie orientiere sich, wie Sachiko Szyszka betont, stark an der Englischen und entnehme dementsprechend auch viele Fachausdrücke aus ihr. Das Interesse an der deutschen Kultur wurde bei Sachiko Szyszka nicht ausschließlich durch die berufliche Verbindung geweckt und aufrecht erhalten. „Gleichzeitig hatte ich eine deutsche Freundin, die mit einem Japaner verheiratet und Ärztin war.“ Zudem las die damals noch junge Japanerin viel deutsche Literatur. Ein Hobby, das sie bis heute weiterführt. Das spiegelt sich auch in der Themenauswahl für die monatlichen Vereinstreffen wieder. Einmal lud Sachiko Szyszka die deutsche Übersetzerin von den Romanen des japanischen Schriftstellers Haruki Murikama ein. In den vielen Jahren, in denen sie nun in Deutschland lebt, blickt sie da eigentlich mit anderen Augen auf ihr Heimatland? „In Japan haben auch viele Veränderungen stattgefunden, aber ich muss auch sagen, dass in diesem Land nach wie vor noch ein bestimmtes Phänomen anzutreffen ist. Komischerweise können die uralte Tradition und das Neuartige, das Moderne parallel koexistieren.“ Wenn Sachiko Szyszka nach Japan reist, um unter anderem ihre dort ansässige Familie zu besuchen, ist sie jedes Mal aufs Neue darüber erstaunt. „Man kann Japan keinen Stempel aufsetzen.“ Das gleiche ließe sich auch auf den Alltag der Vereinspräsidentin münzen. Wenn sie morgens die Nachrichten liest, geschieht das einmal auf Deutsch und dann auf Japanisch. Dementsprechend wechselt auch die Sprachfunktion auf ihrem Smartphone. Da will sie sich nicht festlegen, sondern doppelt - und sozusagen bilingual- informiert bleiben.

Text und Foto: Dana Hubrich

Foto:
Oldenburger Kultursommer

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