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Neue Hamburger Schule?21.10.2026

Neue Hamburger Schule?

Interview: Thea Drexhage Foto: Penelope Garner


 MoX: Euer Debütalbum „Heulen am Wasser“ umfasst ganze 16 Songs. Sehr ungewöhnlich für die heutige Zeit. Woran liegt es? Entscheidungsschwierigkeiten?
Lenny: Ich glaube, es liegt eher daran, 45 Minuten vollmachen zu wollen und 1:30 Min Songs zu spielen. Es war zwar kein Problem, das Album vollzubekommen, aber uns ist aufgefallen, dass die meisten Songs wirklich sehr kurz sind. Wir haben die meisten Sachen schon fertig gehabt und das waren dann einfach 16 Nummern. Das war kein kalkuliertes „wir machen 16 kurze Songs“, sondern ich und Peter haben einfach angefangen zu machen und wenn ein Song fertig war, dann war er fertig und wir hatten nicht das Gefühl, da noch einen Part dranhängen zu müssen oder so. Wir konnten uns also sogar sehr gut entscheiden, wann Schluss ist, bei den einzelnen Stücken.
MoX: Ihr klingt u.a. wie die frühen Tocotronic, das ist nicht von der Hand zu weisen. Man findet aber auch die Abgeschlagenheit einer Ilgen-Nur. Gibt es Einflüsse, die man nicht direkt hört?
Lenny: Ich glaube, da kann ich vor allem über mich sprechen, die gibt es bei den Texten der Band Swutscher, die ich total viel höre und die mir beim Schreiben sehr viel Inspiration gegeben hat. Und ich höre auch viel 2010er Sprayer-Hip-Hop. So ein bisschen Conscious Rap, wie Lord Folter oder AzudemSK und das sind natürlich ganz andere Texte, aber das Texten läuft ja irgendwie in jedem Genre ähnlich und das inspiriert mich auf jeden Fall sehr.
MoX: Und der „Uni Mensa Schwerverbrecher“ hat genauso viele Silben wie der „Universal Tellerwäscher’ von Die Sterne...
Lenny: Das ist tatsächlich reiner Zufall und uns kürzlich das erste Mal aufgefallen, auch, wenn wir natürlich Die Sterne hören!
MoX: Ihr kommt alle von der Uni. Was haben Musikclub und Hörsaal gemeinsam?
Lenny: Oh Gott... es gibt glaube ich immer ein paar Leute, die desinteressiert rumstehen und sehr kritisch gucken. Ich glaube das ist die größte Sache. Und ein paar übermotivierte Leute sind auch immer dabei.
MoX: Hätte der Slacker aus euren Songs gedacht, dass ihr so schnell beim Grand Hotel van Cleef landet?
Lenny: Auf gar keinen Fall. Das war mega absurd und hat uns alle überrumpelt. Peter hat das aus Jux gemacht und uns dann gesagt: „Ah übrigens, ich hab unsere Demos eingeschickt und die haben direkt geantwortet.“ Wir haben glaube ich eine Woche damit verbracht uns Musikbegriffe zu erklären und zu verstehen, was Labels eigentlich machen, weil wir so gar keine Ahnung hatten. Linus und Pola mussten wir auch erstmal erklären, wer Kettcar ist (lacht). Es war eine absurde Situation und dann haben wir geschaut, ob das für uns Sinn ergibt und darüber gesprochen, wo wir hinwollen und was wir machen wollen. Für uns war es ganz wichtig, dass wir ganz viel live spielen wollen und richtig Bock haben, viel rumzukommen. Und da ist das GHVC eine super Adresse gewesen. Also haben wir alle dort kennengelernt und das waren super liebe Leute und wir waren sehr froh, dass das so schnell ging. Wir sind seit einem Jahr bei denen, haben unser erstes Album veröffentlicht und gehen nun auf Tour. Das hätte man sicher auch in irgendeiner Art selbst machen können, aber es ist toll, dass wir nun diese Unterstützung haben, da wir das auch alle nicht hauptberuflich machen.
MoX: Ihr wurdet auch schon gut umhergeschickt. Ihr wart Support von Fjørt oder auch Madsen. Wie bleibt man cool, wenn man die Musik die ihr macht plötzlich vor einem Post-Hardcore-Publikum spielen muss?
Lenny: Ich bin immer froh, wenn wenig Leute zum Bier holen gehen (lacht). Also bei einer Fjørt Show oder wenn man Vorband ist, misst man ein gutes Konzert nicht daran, dass die Leute viel getanzt haben oder glücklich aussahen, sondern wie viele Leute wirklich stehen bleiben. Tatsächlich hat das bisher aber richtig gut funktioniert. Wir machen unser Ding, das haben wir uns auch vor Madsen gesagt. „Wie will man denn mit dem Publikum interagieren, wenn da irgendwie 3800 Leute sind?“ und dann haben wir einfach gemacht und geguckt, ob jemand reagiert. Und es haben Leute reagiert. Wir stellen uns manchmal einfach vor, dass wir gerade proben und nicht auftreten.
MoX: Nun steht die erste eigene Tour an. Was erwartet ihr von Shows in Metropolen wie Oldenburg?
Lenny: Jugendzentrumvibes! Und semi-interessierte 10 Leute im Publikum. Darauf stellen wir uns ein. Aber wir haben einfach echt Bock unterwegs zu sein und die Musikszenen in den verschiedenen Städten kennenzulernen und auch etwas Zeit zu haben, in den Orten zu sein und dort auch abends noch abzuhängen. Wir haben gerade den Vorverkauf gecheckt und der ist manchmal gut und manchmal echt schlecht, aber ich hoffe, wir können trotzdem alle Shows spielen. Es macht gerade einfach nur Bock, vor neuen Leuten zu spielen. Wir haben sehr viel in Hamburg gespielt und jetzt wird es Zeit, das auch woanders zu machen. Wir freuen uns auch auf das Tourleben und darauf, Billo-Kaffees an irgendwelchen Raststätten zu trinken und von der einen Stadt in die nächste zu ziehen. Das klingt einfach traumhaft, bis wir dann die ersten Bettwanzen haben oder so…
MoX: Und was dürfen die Oldenburger*innen von euch erwarten?
Lenny: Auf jeden Fall viel dummes Rumgelaber. Man wird integriert. Bei einer Schluma-Show kommt man nicht drum herum uns zuzuhören. Natürlich spielen wir auch Musik – relativ gute und abwechslungsreiche sogar. Man kann zu unserer Show kommen, wenn man einen abschütteln möchte. Man kann aber auch kommen, wenn man gerade Schluss gemacht hat und kann ein bisschen heulen zu unserer Musik. Ich glaube, wir greifen recht viele Sparten ab, wenn es um Konzerte geht.

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