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Unverschämt feiern, gemeinsam kämpfen21.10.2026



Text: Annika Müller



 Entstanden ist Unverschämt Anfang des Jahres aus dem Töchter-Kollektiv, das im Rahmen des bundesweiten Frauenstreiks aktiv war. Die Gruppe organisierte sich anschließend eigenständig, um in Oldenburg weitere Demonstrationen, Aktionen und Unterstützungsangebote auf die Beine zu stellen. Mittlerweile besteht die Kerngruppe aus rund 15 Personen. Hinzu kommt eine Helfer*innen-Gruppe mit etwa 50 Ehrenamtlichen, die je nach zeitlichen Möglichkeiten bei einzelnen Aktionen unterstützen, wie etwa beim Verteilen von Flyern oder als Ordnerinnen und Ordner bei Demonstrationen.
Die Scham muss die Seite wechseln
Der Name des Kollektivs ist dabei Programm. Nach mehreren Abstimmungsrunden fiel die Wahl auf „Unverschämt“. Der Name knüpft an den bekannten Slogan „Die Scham muss die Seite wechseln“ an, der durch den Fall der Französin Gisèle Pelicot große Aufmerksamkeit erlangte. Für das Kollektiv geht es darum, Themen sichtbar zu machen, über die häufig geschwiegen wird: sexualisierte Gewalt, Misogynie, Sexualität und queeres Leben. Die Mitglieder wollen Tabus aufbrechen, Aufklärung fördern und gesellschaftlichen Entwicklungen entgegentreten, die sie als Bedrohung für feministische und queere Errungenschaften wahrnehmen. Dabei versteht sich Unverschämt als intersektional-feministisches Kollektiv. Unterschiedliche Diskriminierungserfahrungen sollen mitgedacht werden, etwa wenn Menschen von Sexismus, Rassismus oder Queerfeindlichkeit betroffen sind. Solidarität bedeutet für die Gruppe, Menschen nicht nur anzusprechen, sondern sie einzubeziehen und zu unterstützen. Das gilt ausdrücklich auch für sogenannte Allies, also Menschen, die sich solidarisch für eine Sache einsetzen, auch wenn sie selbst nicht unmittelbar von der jeweiligen Diskriminierung betroffen sind.
Politischer Einsatz braucht auch Raum für Freude
Demonstrationen, Aufklärungsarbeit und politische Aktionen kosten Zeit, Kraft und Geld. Die Mitglieder des Kollektivs arbeiten ehrenamtlich und finanzieren viele Ausgaben zunächst selbst. Da Unverschämt kein eingetragener Verein ist, werden die Einnahmen als Spenden gesammelt. Das Geld soll unter anderem in Materialien, Merchandise sowie die Organisation weiterer Demonstrationen und Aktionen fließen.
Doch die Party soll mehr sein als eine Möglichkeit, Geld einzunehmen. Sonja vom Unverschämt-Kollektiv erklärt, warum neben Demonstrationen und politischer Bildungsarbeit auch Räume zum gemeinsamen Feiern wichtig sind: „Wir müssen Sichtbarkeit haben. Aber es darf auch mal Spaß machen, dass man auch loslassen kann.“ Nach Demonstrationen und Veranstaltungen, bei denen Missstände angeprangert werden, soll es auch Gelegenheit geben, Freude zu teilen, zu tanzen und Gemeinschaft zu erleben.
Vernetzen, mitmachen, Banden bilden
Wer sich bei Unverschämt engagieren möchte, muss nicht gleich jede Woche Zeit für die Organisation aufbringen. Das Kollektiv trifft sich alle zwei Wochen zu einem Plenum in Präsenz. Im Wechsel finden auch digitale Treffen über Zoom statt. Interessierte können sich über den Instagram-Auftritt der Gruppe melden und erfahren, wie sie sich entsprechend ihrer zeitlichen Möglichkeiten einbringen können. Die Botschaft der Gruppe lautet klar: Menschen sollen sich vernetzen, Räume suchen und gemeinsam aktiv werden. Denn feministische Arbeit findet nicht nur auf Demonstrationen statt, sondern ebenso in kulturellen Projekten, im Alltag und im Aufbau solidarischer Gemeinschaften.

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