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Rückblick: 8. Festival der Illustration09.09.2026





Text und Foto: Christina Makonnen



An einem Mittwoch, kurz nachdem sich die Türen täglich um 14 Uhr zur Ausstellung öffnen, betrete auch ich die Räume und stelle zu meiner Überraschung fest, dass vor mir bereits zwei Gruppen und weitere Besucher in die Ausstellung geströmt sind. Wer die kuratierte Werkschau besucht, bekommt aber auch eine Vielfalt an Disziplinen zu erleben: von Grafikdesign bis zu allen Spektren der freien Illustration über Buch- und Produktillustration, Cartoon-Kunst bis hin zum Entstehungsprozess des ersten Gedankens zur Skizze in Bleistift, Tusche oder Aquarell, zum fertigen Motiv.
Echte Freunde der Illustration kommen mit Künstlern, wie Bettina Bexte, der bekanntesten Cartoonistin im deutschsprachigen Raum und Preisträgerin des Deutschen Karikaturenpreises, oder Kai Flemming, bekannt durch regelmäßige Veröffentlichungen in der Frankfurter Rundschau und dem Satiremagazin Eulenspiegel auf ihre Kosten.
Lennart Gäbel, einer der Ehrengäste des Festivals, dürfte auch uns Nichtwissenden ein Begriff sein. Von dem gebürtigen Hannoveraner stammt das Motiv Donald Trump greift der Freiheitsstatue in den Schritt. Ein Motiv, das um die Welt ging und sein Leben veränderte, wie er selbst bei einer Abendveranstaltung des Festivals formidabel nacherzählte.
Um mehr über das Festival der Illustration zu erfahren, treffe ich Mechthild Oetjen, Illustratorin, und Norbert Egdorf, Grafiker und Illustrator, zum Gespräch. Mechthild und Norbert engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich im Illustratoren Oldenburg e.V. und bilden mit Carsten Fuhrmann, Jinke Fanselau und Ulli Bohmann das diesjährige, nur fünfköpfige Orgateam des Festivals.
„Das erste Festival 2012 entstand aus dem Gedanken heraus, dass wir zum 10-jährigen Bestehen der Illustratoren Organisation e.V. (der Berufsverband der Illustrator:innen) etwas Besonderes auf die Beine stellen müssen“, berichtet Norbert Egdorf, der mit Arbeiten unter anderem für AEG, Mercedes-Benz und Berentzen sowie für renommierte Printmedien seit vielen Jahren in der Branche etabliert ist. Seitdem ist das Festival durch viel persönlichen Einsatz, vor allem aber mit viel Herzblut, von Jahr zu  Jahr bekannter geworden und hat immer mehr Besucherinnen und Besucher angezogen.
„Das Festival ist mehr als eine Fach-Veranstaltung für Illustratoren - es ist wichtiger Teil der Kulturstadt Oldenburg und strahlt über die Region hinaus. Ich würde sagen es gibt in Deutschland etwa vier bis fünf wichtige Festivals für Illustration, da spielen wir in der oberen Liga mit“, ordnet Mechthild die Bedeutung im deutschsprachigen Raum und seine Grenzregionen für mich ein.


Programm
Dass wir als Oldenburger hier ein richtig gutes Angebot um die Ecke haben, zeigt ein Blick ins Festivalprogramm. Fast täglich findet um 20 Uhr eine Veranstaltung statt, die das Verständnis für Illustration und Bildsprache über das Sichtbare hinaus erweitern soll: der oben bereits erwähnte Lennart Gäbel erzählte eindrucksvoll von der harten Arbeit eines freien Künstlers und den manchmal schwer zumutbaren Arbeitsbedingungen und Zwängen, denen man sich trotz Erfolgs aussetzt. Ein Momentum, welches man in Künstlerbiographien oft findet: man ist bereits etabliert, aber nur so lange man arbeitet. In einer seiner Anekdoten rief die Redaktion eines der größten deutschen Print-Magazine an, mit der Bitte ihnen nun doch seine Ideen zur Covergestaltung der nächsten Publikation zu präsentieren - binnen drei Stunden. Obwohl Gäbel genau für diese Ausgabe bereits abgesagt wurde. Da auch freischaffende Künstler teils ein normales Familienleben mit Kindern führen, blieb Gäbel nichts anderes übrig, als während der Arbeit am Laptop gleichzeitig Schlaflieder zu singen und seine Idee auf jeden Fall innerhalb der drei Stunden abzuschicken. Mit Erfolg.
Ein weiteres Highlight des Festivalprogramms, fernab von Weltpolitik und großen Medien, ist das erstmalig durchgeführte Schulprogramm des Festivals. „Wir haben ein Angebot gezielt für Schüler entwickelt und sind damit auf jede Oldenburger Schule zugegangen. Auf jede“, erzählt mir Mechthild Oetjen mit Überzeugung, deren Werke ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Ich staune, woher das Orgateam die Ideen und die Energie hernimmt. Aus diesem Aufruf an alle Oldenburger Schulen resultierten zahlreiche interessierte Anfragen. Allein 10 Schulklassen erhielten eine exklusive Führung durch die Ausstellung mit einem oder einer der ausstellenden KünstlerInnen. Hinzu kamen Aktionen an den Schulen, wie Workshops zum breiten Spektrum und den vielen Techniken der Illustration, des Grafikdesigns und Cartoonzeichnens. „Dieses Angebot behalten wir beim nächsten Festival auf jeden Fall bei“, sagt Norbert Egdorf. „Ich sehe, dass Kunstunterricht vielerorts ausfällt, weil Kunst einfach nicht wichtig genommen wird.“ Also nimmt das der Illustratoren Oldenburg e.V. in die Hand. Die große Resonanz von Schulen und Schülern zeigt nämlich, dass kreative, also schöpferische, Kompetenz, sei es um Gefühle auszudrücken, auf eine Doppelmoral hinzuweisen, oder einfach um seine Mitmenschen zu unterhalten, ein unterversorgtes Bedürfnis zu sein scheint.
Nach meinen Erlebnissen lege ich jedem Leser ans Herz, sich den Besuch des 9. Festivals der Illustration im Kalender zu notieren. Das Festival findet allerdings zweijährlich statt, es ist also Geduld geboten. Ausstellung und Spielort des Festivals werden dann aber voraussichtlich nicht in der Heiligengeiststraße beheimatet sein. Wie es schon fast zur Kunst dazu gehört, sich in einem ständigen Kampf um Raum zu befinden, traf es in den letzten drei Jahren auch das Festival der Illustration. Viele Jahre hintereinander fand das Festival in der Alten Maschinenhalle am Pferdemarkt statt, doch dieses Jahr musste abermals auf eine künstlerische Zwischennutzung ausgewichen werden. Nur mit Hilfe des Kulturmanagements von Raum auf Zeit (raz-ol.de) konnte die Heiligengeiststraße sehr kurzfristig und zu hohen Kosten für das diesjährige Festival gesichert werden. Wir sind gespannt, wo wir uns das nächste Mal wiedersehen.


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