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Für eine freie Gesellschaft13.05.2026
Text: Britta Lübbers Foto: Jesco Denzel
Sie warnt gleichermaßen vor der Gefahr einer sich zunehmend nach Rechts orientierenden Gesellschaft als auch vor den Risiken falscher Toleranz gegenüber Integrationsverweigerung. Sie problematisiert, wie sich ihr Kiez durch den Zuzug arabischer Großfamilien verändert hat, benennt Parallelkulturen und geht mit den konservativen Islamverbänden scharf ins Gericht. Dafür wird sie immer wieder in der antirassistischen Community angegangen. Mit „Heimatland“ stärke sie unbeabsichtigt rechte Narrative, schreibt auch die taz.
Balci steht nicht alleine im woken Kreuzfeuer. Die Frauenrechtlerin Seyran Ates wird ebenfalls gebasht. Sie hat in Berlin die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gegründet, in der Frauen und Männer zusammen beten und queere Menschen willkommen sind. Weil sie sich klar gegen den radikalen Islamismus positioniert, ist sie zur Zielscheibe von Angriffen geworden – auch aus progressiven Kreisen. Nicht anders ergeht es dem Psychologen und Autor Ahmad Mansour, der eine selbstkritische Auseinandersetzung mit patriarchalen Strukturen fordert – und zwar in jeder Kultur. Beide erhalten Morddrohungen von Islamisten und stehen unter Polizeischutz, Solidarität erfahren sie wenig. Ates beklagt schon lange, dass sie sich von der linken Szene alleine gelassen fühlt.
Getarnter Hochmut
Güner Yasemin Balci wirbt nicht nur vehement für die demokratische Grundordnung, sie verweist auch auf die selbstgefällige Doppelmoral, die darin liege, das Eigene zu kritisieren und die Verwerfungen des „Fremden“ zu beschönigen. Im Deutschlandradio spricht sie von „einer weit verbreiteten postkolonialen Haltung“, von einem als Toleranz getarnten Hochmut, „der das vermeintlich Andere unter Artenschutz stellt“. Diese Haltung mache es in Wahrheit „gut meinenden Versöhnern unmöglich, Einwanderer als ebenbürtig zu akzeptieren“. Kritik an menschenfeindlichen Ideen werde nur dann laut, wenn weiße Rassisten ohne offensichtliche Zuwanderungsgeschichte sie in politische Forderungen à la AfD packten. „Dabei haben christliche AfD-Politiker und streng konservative organisierte Muslime mehr gemeinsam, als ihnen lieb sein dürfte. Nur wahrnehmen möchte das kaum jemand.“
Am 21. Mai erhält Güner Yasemin Balci den Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg. Ihr Plädoyer für Freiheit und gegen Fundamentalismen und Rassismen jeglicher Art sei zugleich ein Bekenntnis zu Frauenrechten, Selbstbestimmung, Toleranz und universellen Menschenrechten, so die unabhängige Jury. „Damit steht sie in der Tradition von Carl von Ossietzky, der sich für ein demokratisches, freies und sozial gerechtes Deutschland einsetzte und sich gegen einen autokratischen Nationalismus wandte.“
Die Laudatio hält eine der gewichtigsten Stimmen der deutschen Geisteswissenschaften, Jan Philipp Reemtsma, Gründer und Vorstand der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Reemtsma schätzt an Balci ihren „scharfen Blick“ auf die gesellschaftliche Wirklichkeit und ihren Mut, unbequeme Themen wie religiösen Extremismus ungeschönt auszusprechen. Ihr Werk sei ein „leidenschaftliches Lob auf die freie Gesellschaft“.
Der Carl-von-Ossietzky-Preis wird seit 1984 alle zwei Jahre von der Stadt Oldenburg verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung sei heute relevanter denn je, sagt die Leiterin des städtischen Kulturbüros, Paula von Sydow.
Die Entscheidung, den Preis an Güner Yasemin Balci zu geben, ist starkes, wichtiges Zeichen an die Zivilgesellschaft.
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