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Für mehr Zusammenhalt in der Szene13.05.2026
Interview & Foto: Thea Drexhage
MoX: Solch ein Hip Hop Event ist in Oldenburg ja praktisch ein Novum. Wie war die Reaktion der Acts, als ihr mit der Idee auf sie zugegangen seid?
Kai: Sehr positiv, obwohl wir keine Gage garantieren können. Es ist ungewöhnlich, dass Leute sagen sie kommen, obwohl es als Gewinn vielleicht „nur“ das Publikum gibt. Die Reaktionen waren bombastisch. Wir sind dankbar, dass die Künstler auftreten und die Künstler sind dankbar, dass sie eine Bühne bekommen. Die Tickets sind eben unfassbar günstig, für 6,50˝ wird man kaum noch irgendwo eine Veranstaltung finden mit Live-Musik. Jeder kann aber natürlich so viel geben, wie er möchte. Die Karten, die wir bisher verkauft haben, zeigen auch, dass das wertgeschätzt wird. Junge Leute sollen eben auch herkommen und sich das leisten können.
Hannes: Uns war wichtig, dass es voll wird, nicht dass wir Geld verdienen. Was über bleibt wird zwischen den Künstlern und dem Förderverein vom Cadillac aufgeteilt.
MoX: Ihr steckt mitten in der Planung. Wo liegen die Herausforderungen für so ein Event?
Kai: Die erste Herausforderung, der ich begegnet bin, war es, Leute zu finden. Online ist das sehr schwer. Es gibt viele Leute, die Musik machen, aber nicht jeder hat in seinem Profil einen Bezug zu Oldenburg. Wir wollten in erster Linie schon lokale Künstler. Herauszufinden, wer denn eigentlich noch da ist und noch aktiv Hip-Hop macht, war schwierig. Das sollten auch Leute sein, die schon Erfahrung haben und Qualität liefern. Auch junge Leute zu finden war nicht einfach, aber ich denke, am Ende haben wir das richtig gut geschafft. Wir haben zum Beispiel Leute wie Young Pablo, der ist 22 und hat überhaupt keine Berührungspunkte mit irgendwem von uns. Der hat auch noch nie vorher live was aufgenommen oder live gespielt, aber der brennt total. Dem wollen wir eine Bühne geben.
Mit 413 haben wir sechs Rapper aus dem Umland, die auch noch sehr raw sind, aber eine mega Live-Präsenz haben. Auf der anderen Seite stehen etablierte Künstler von früher wie Stylez Tyson oder DOC, die auch schon vor großem Publikum gestanden haben. Diese Leute zu verbinden und einen ganzen Abend zu füllen finde ich super toll und wir hoffen, dass daraus ein Netzwerk wird, die Leute sich wieder live sehen und was zusammen machen und voneinander lernen. Auch eine geeignete Location zu finden war schwierig und wir sind froh, dass wir das nun im Cadillac machen dürfen, das uns auch enorm entgegenkommt.
MoX: Also gibt es momentan nicht wirklich eine zusammenhängende Hip-Hop-Szene in Oldenburg?
Hannes: Genau. Das hat mich auch sehr überrascht. Man kann auf Social Media zwar total viele Leute finden, aber die produzieren allein zuhause und bekommen ihre Reichweite dann online und das genügt vielen. Zu meiner Zeit ist man bekannt geworden, indem man live gespielt hat. Ich finde, das ist eine ganz andere Atmosphäre und es muss auch nicht alles perfekt sein. Es geht um das Miteinander und darum, sich gegenseitig zu inspirieren und zu unterstützen.
Kai: Was auch wieder besonders ist, dass wir einen Live-DJ und wahrscheinlich noch einen zweiten Jung-DJ dabei haben werden. Das Zusammenspiel war ja früher ganz normal, da hat niemand seinen USB-Stick mitgebracht und eine Boombox angeschlossen. Da sind wir sehr glücklich, dass wir mit Ike da Strike jemanden dabeihaben, der viel Erfahrung hat
MoX: Euer Team ist ja größtenteils Ü35 – War nach eurer Erinnerung die Szene in Oldenburg mal anders?
Kai: Auf jeden Fall. Früher hat man sich entweder im Cadillac oder in der Jugendfreizeitstätte Bürgerfelde getroffen. Da hat man sich, auch wenn einer schon weiter war als der andere, gegenseitig gepusht. Dafür schaut man sich heute Youtubetutorials an, aber dieser kleine Fetzen, dieses Private, dieser eine Tipp, der genau auf dich zugeschnitten ist, den findest du in keinem Video.
MoX: Habt ihr eine Vermutung, warum sich das so verändert hat?
Kai: Das kann damit zusammenhängen, dass Veranstalter was Hip-Hop angeht, sehr kritisch sind. Und damit, dass wir in Oldenburg sind und nicht in Berlin. Künstler werden nach Klickzahlen eingekauft und wer nicht mehr als 30k hat, der hat hier keine Möglichkeit, auf die Bühne zu gehen. Klar gibt’s auch in Oldenburg immer Mal Hip-Hop, zum Beispiel im Gleispark, aber die Acts da haben alle ihre Fanbase.
MoX: Worauf können sich die Leute bei eurer Veranstaltung freuen? Hannes: Ike da Strike übernimmt nicht nur das DJ-Pult, sondern führt auch durch den ganzen Abend. Dazwischen haben wir 11 lokale Acts, fast 20 Künstler, aus unterschiedlichen Altersklassen von 16-60.
Kai: Von Boom-Rap, Hip Hip, Trap, Crossover – und wir haben auch eine Frau dabei, was wir total wertschätzen. Das ist Anna Klatsche, sie ist auch die Einzige, die von weiter weg kommen darf, weil sie unfassbar gut ist.
MoX: Angenommen alles läuft wie geplant und entspricht euren Erwartungen, wie soll es dann mit Street Culture weitergehen?
Hannes: Das wäre ganz super, wenn wir das hier zu einer festen Veranstaltung etablieren könnten und das einmal jährlich stattfinden kann. Aber wir wissen nun auch, wie viel Arbeit das macht und müssen gucken, ob wir da für die Zukunft mehr Unterstützung mit ins Boot holen können. Wenn man so ein Event das erste Mal macht, muss man das Rad selbst erfinden, aber beim zweiten Mal wird es dann ja auch etwas einfacher.
Info: Der Skinny Nochez Jam findet am 20. Juni im Cadillac statt. Mit dabei sind: Anna Klatsche, DOC, 413, Cosh The Rapper, Betavox und viele weitere. Tickets gibt’s unter: www.ticket2go.de
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