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Musik zum Trotz18.03.2026



Text: Thea Drexhage Foto: Sandra Ludewig


Nach der Wende zog die 1986 geborene Sarah Lesch mit ihrer vollzeitarbeitenden Mutter und ihren Großeltern aus Thüringen in den Westen. Ihr Vater war Musiker in der ehemaligen DDR, doch diesen kannte Lesch lange Zeit nur aus dem Fernsehen. Trotzdem wuchs der Wunsch in ihr, genau das auch machen zu wollen. „Ich habe mir dann immer meine Bühnen gesucht“, schaut sie zurück. Und je mehr Widerstand ihr begegnete, desto mehr Antrieb gab ihr das. Mit 18 zog die frisch gebackene Mutter von zuhause aus und fand sich durch eine neue Partnerschaft unter vielen kreativen Menschen am Theater wieder. Sie arbeitete zudem als Erzieherin und entdeckte Liedermacher wie Gerhard Schöne für sich und fand einen Weg, Musik, Beruf und Familie miteinander zu verbinden, bis sie sich nach einem schweren familiären Schicksalsfall entschied, nun all ihre Energie in ihre Kreativität zu legen. „Ich schrieb Texte, Reime, Essays, Gedichte und wollte einfach nur noch Musik machen“, erzählt Lesch. Kleine Bühnen wurden bespielt, erste Platten aufgenommen, doch der kommerzielle Erfolg ließ auf sich warten. „Aber ich war beharrlich, obwohl ich oft gegen Wände gerannt bin. Ich habe mich überall beworben, bei jedem Wettbewerb“, so Lesch, die mittlerweile frisch getrennt und pleite mit ihrem Sohn zurück in den Osten, nach Leipzig gezogen war. Und dann war es auf einmal so weit: ihr Song „Testament“ gewann den Protestsong-Contest in Wien und erlangte große öffentliche Aufmerksamkeit. Zum einen ein schönes Gefühl, endlich für die Kunst wertgeschätzt zu werden. Zum anderen aber auch eine ermüdende Erfahrung, denn Lesch war immer noch eine Frau in einer von Männern dominierten Branche. Auch in eigentlich unangepassten Kreisen wie bei den Punkern oder Hippies begegneten ihr patriarchale Muster, Übergriffigkeiten oder verbale Gewalt und sie musste lernen, sich zu behaupten, ihren eigenen Wert festzulegen und diese Kreise zu durchbrechen. „Ich bin wie so ein Bock, ein Haudegen und habe auch so etwas gender-bender-mäßiges in mir. Ich lasse mich nicht zum Mädchen machen, darauf habe ich keine Lust. Und das zeige ich dann auch. Aber ich habe auch oft nicht darauf geachtet, wie ich das dann mache. So wird man, wie es dann oft bei Flinta* ist, zur Diva gemacht, wenn man für sich einsteht“, reflektiert sie. Was wiederum dazu führte, dass sie irgendwann die eigenen Bedürfnisse wieder hinten anstellte. Die Musik auf die Bühne zu bringen, zu lernen, was man von sich preisgibt und wie man mit belastenden Situationen umgeht, ist ein stetiger Lernprozess, bei dem es bis heute gilt, die richtige Balance zu finden. Der initiale Durchbruch geschah also 2016. Heute, gut 10 Jahre später, befindet sich die gestandene Musikerin kurz vor der Veröffentlichung ihrer siebten Platte „Poesie & Widerstand“ (Vö: 17.4. auf Listenrecords). Darauf hält sie, neben ganz persönlichen Themen, der Gesellschaft wieder einen Spiegel vor, mal ganz vorsichtig und zart, mal bestimmt und ohne große Umschweife. In diesen letzten 10 Jahren hat sich für die Musikerin viel verändert. Während es früher noch reichte, sich mit Gitarre und Lautsprecher ins Auto zu setzen, um von Gig zu Gig zu tingeln, wuchsen mit dem zunehmenden Erfolg auch die Anforderungen. Ein Management und Label mussten her. Die stetigen Konzerte forderten zudem einen gesundheitlichen Preis, welcher Sarah Lesch bis heute das Gitarre spielen erschwert, deshalb ist sie nun auch mit musikalischer Unterstützung unterwegs. Ihre neuen Mitmusiker*innen bindet sie auch in ihrem intimen Songwritingprozess mit ein. „Ich würde sagen, dass ich auf diesem Album sehr zu meinen Wurzeln zurük- kgegangen bin, zu meinem Kern, zu meiner ersten Platte, aber natürlich als vierzigjährige Person, die mit einer ganz anderen Bewusstheit versucht, eine Adlerperspektive auf unsere Welt einzunehmen, aber gleichzeitig auch eine sehr geerdete Perspektive“, so Lesch.Wie das klingt, können interessierte am 17.4. herausfinden - oder auf Tour .



Sarah Lesch live in der Region:
26.3. im Musikzentrm, Hannover
30.3. im Hot Jazz Club, Münster
8.10. im Zollhaus, Leer

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