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Wer ist eigentlich...Thomas Lichtenstein?28.05.2024



Text und Foto: Thea Drexhage

Seit nunmehr 31 Jahren ist Thomas Lichtenstein nicht von der Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters wegzudenken. In jüngsten Stücken wie „Vater“ oder „Radziwill oder der Riss durch die Zeit“begeisterte er die Oldenburger*innen einmal mehr mit seinem mitreißenden Schauspiel – doch nun ist Schluss, also eigentlich. Während der Coronazeit hieß es für Thomas Lichtenstein vor allem eines: warten auf die nächste Rolle. „Das hat mich ziemlich frustriert und ich habe mir gesagt, dann gehe ich in Rente. Kaum habe ich das ausgesprochen kamen dann doch wieder diese super Rollen.“, erzählt er. Doch gesagt ist gesagt.. Nun sucht er nach neuen Möglichkeiten, schauspielerisch oder auch lehrend, aktiv zu werden. Wirklich verwunderlich ist es nicht, dass der 65-Jährige nicht zur Ruhe kommt, denn das Schauspiel lag ihm schon immer im Blut. So erinnert er sich, schon in jüngster Kindheit gern in andere Rollen geschlüpft zu sein und die Menschen um ihn herum, die mussten mitspielen. Dass der Junge einmal Schauspieler wird, war irgendwann jede*m in der westfälischen Provinz, in der er lebte, klar. In Schule und Freizeit wurden direkt mehrere Schauspiel AGs belegt und sehr schnell sogar geleitet. „So habe ich dann auch die Schule geschafft, weil die Lehrer kaum große Ansprüche an mich gestellt haben. Die wussten, dass ich niemandem den Studienplatz wegnehmen würde. So habe ich mein Abitur gemacht und bin dann an die westfälische Schauspielschule in Bochum gegangen.“, blickt Lichtenstein zurück. Weiter ging es im Anschluss mit einem großen Engagement in Düsseldorf und einem folgeschweren Faux-Pas. Da er gerade erst seinen Arbeitsvertrag unterschrieben hatte, lehnte er eine Rolle beim ZDF ab, wodurch er aus zahlreichen Karteien gestrichen wurde: „Dadurch habe ich dann auch Düsseldorf verlassen, denn der Intendant hatte gern Leute in seinem  Nächster Halt: die alternative Theaterszene in Hamburg. Erst mitwirkend am Sommertheaterfestival des Kampnagel, später helfend beim Aufbau des Schmidt Theaters. Dabei arbeitete er viel hinter den Kulissen. Und während Kolleg*innen wie Corny Littmann, Jutta Wübbe oder Lilo Wanders im Rampenlicht standen, fehlte ihm irgendwann die Zeit auf der Bühne. Bis es dann nach ein paar Jahren auf Tournee mit Martin Lüttke 1993 nach Oldenburg ging, wo Lichtenstein sofort die friedliche Atmosphäre, gerade im Kontrast zum schroffen Leben auf dem Hamburger Kiez, genoss. Als er sich mit seiner Frau, die Erzieherin ist, entschloss, Pflegekinder aufzunehmen, war dann auch klar, dass die Huntestadt noch lange Zeit ein fester Wohnsitz bleiben würde. Dass die beiden direkt vier Kinder auf einmal aufnehmen würden, kam hingegen als Überraschung. Im bunten Familienleben, mittlerweile auf einem Resthof in Edewecht mit zwei weiteren Pflegekindern, findet Lichtenstein immer seinen Ausgleich zur Arbeit am Theater, wo es in den letzten 31 Jahren zahlreiche herausfordernde Produktionen gab. Obwohl er die Ansicht vertritt, dass man als Schauspieler an schwierigen Aufgaben wächst, würde er heute vielleicht die ein oder andere Rolle ablehnen. „Nicht wegen der Rolle selbst. Aber wenn bei Stücken die Arbeitsbedingungen künstlich verschlechtert werden, um bestimmte Effekte zu erzielen und diese vielleicht teuer mit der eigenen Gesundheit bezahlt werden, dann würde ich das ablehnen.“, so Lichtenstein. Aber die positiven Stücke und Erinnerungen überwiegen bei weitem. Besonderen Gefallen findet Thomas Lichtenstein an dokumentarischem Theater mit authentischem Material. So realisierte er mit der Werkgruppe 2 Projekte über den Klinikmörder oder über das Dominikanerkloster Blankenburg, die für mediales Aufsehen sorgten. Doch am Ensemble, die auch im Fernsehen zu sehen waren.“ liebsten mag er die Soli. Was auf bühnenfremde vielleicht besonders einschüchternd wirkt, genießt der 2016 zu Kammerschauspieler ernannte Lichtenberg besonders: „Auch wenn ich nicht direkt mit dem Publikum rede, stehen wir in intensivem Kontakt. Wenn ich spüre, dass ich die Gäste gepakkt habe, ist das ein tolles Gefühl, genau wie die Herausforderung, sie wieder zu kriegen, wenn ich merke, dass sie abgelenkt sind. Das liebe ich sehr.“. Eines dieser Stücke war „Du bist meine Mutter“ in dem er einen Mann verkörperte, der regelmäßig seine demenzkranke Mutter besuchte. Passend dazu schloss er in der letzten Spielzeit den Kreis mit seiner bewegenden Rolle in „Vater“, wo er selbst den Demenzkranken spielte. Nicht nur auf der Bühne des Staatstheaters konnte man Lichtenstein in den letzten Jahren sehen, auch an eher ungewöhnlichen Orten der Stadt mit der Reihe „Lichtenstein liest“ - der Name ist Programm, denn gelesen wird, was ihm vom Publikum vor die Nase gelegt wird. Ob finnische Gebrauchsanweisungen, Listen japanischer Bahnhöfe, alte Liebesbriefe oder selbstverfasste Lyrik - gerade letzteres ein heimlicher Favorit des Kammerschauspielers. Und während er noch nicht ganz weiß, wie das Bühnenleben weitergehen wird, steht eines fest: Lichtenstein liest weiter! Und nimmt gern Vorschläge für ungewöhnliche Locations entgegen.

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