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Makroplastik in der südlichen Nordsee25.05.2023



Text: Tom Bruns


Dieses Thema hat nun das Forschungsprojekt „Makroplastik in der südlichen Nordsee – Quellen, Senken und Vermeidungsstrategien“ der Universität Oldenburg umfassend mit einem interdisziplinären Team untersucht.
Bereits seit 2016 und mit über vierjähriger Unterstützung in Höhe von 1,4 Millionen Euro vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium, wird der interdisziplinäre Ansatz der Forschenden, bestehend aus Meereswissenschaftlern, Geografen und Umweltplanern, wie sich Plastikobjekte mit einem Durchmesser von mehr als fünf Millimetern in der Nordsee verbreiten, untersucht. Egal ob Plastikmüll an der Küste, in Flussmündungen oder auf dem Meeresboden – sie alle standen auf der Erfassungsliste. Um Verteilung und Beförderungssysteme besser zu begreifen, wurden Feldstudien herangezogen und ebenso die Berechnung der Streckenverläufe von virtuellen Müllteilchen mit numerischen Modellen. So kamen auch Driftkörper mit Satellitensendern und knapp 63.000 Holztäfelchen ins Spiel, welche auf offener See ausgeworfen wurden.

Das 15-köpfige Team konnte anhand seiner Beobachtungen und Modellrechnungen Aufschluss über die räumliche Verteilung der Müllquellen und das Zusammenspiel von verschiedenen Interessenssektoren wie Tourismus, Fischerei oder auch Industrie erhalten. Ganz deutlich kristallisieren sich Fischerei und kommunaler Müll als die wichtigsten Quellen heraus. Ein bedeutender Anteil des Plastikmülls stammt aus den größeren Kommunen an der Nordseeküste und an den Mündungen von Elbe, Weser und Ems. Auch ein Großteil des an den Küsten angeschwemmten Mülls stammt demnach aus nahegelegenen Quellen.  Ein Hauptanteil der Holztäfelchen gelangte noch innerhalb der Wasserwege wieder ans Ufer - knapp die Hälfte in der Elbe und fast 90 % in der Ems. Die Differenz der Streckenverläufe der Holztäfelchen an den Küsten und auf offener See war dabei immens. An Küsten ausgesetzt landeten zwei Drittel nach 25 Kilometern wieder dort, während 30 % auf offener See ausgesetzte Täfelchen erst nach 250 Kilometern wieder Land trafen. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Müllpartikel können länger an ozeanografischen Fronten gefangen bleiben. „Das sind Zonen, in denen beispielsweise Süßwasser aus einem Fluss auf salziges Meerwasser trifft. Dort geht es oft sehr turbulent zu“, erläutert der Ozeanograph Dr. Jens Meyerjürgens vom Oldenburger Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM).  Auswertungen der Satellitensender der Drifter zeigten, dass diese oft mehrere Tage oder sogar mehrere Wochen an diesen Fronten festgehalten wurden, bis Winde stark genug waren, um diese zu beflügeln.  Am Meeresboden unterhalb der Fronten fanden sich dementsprechend mehr Plastikpartikel als anderswo. Einen permanenten Müllstrudel, wie er im Pazifik oder Atlantik existiert, konnten die Forschenden in der Nordsee jedoch nicht nachweisen.  
Die Forschenden heben hervor, dass Deutschland und die Niederlande die wichtigsten Rollen der Müllquellen in küstennahen Teilen der Nordsee spielten, wobei im offenen Meer die Mehrheit der Plastikpartikel aus Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden entsprang.
Doch wie können wir als Gemeinschaft diese Probleme, diese Herausforderung bewältigen?
Anhand der Studie empfehlen die Forschenden bei größeren Veranstaltungen von Gemeinden auf Einweg-Plastik zu verzichten. Strengere Lagerbedingungen in Häfen seien ebenso naheliegend, da allein der Hafenbetrieb für etwa acht Prozent der Kunststoffabfälle in der Nordsee leidtragend ist. Kampagnen zur Stärkung des allgemeinen Bewusstseins für das Müllproblem seien ebenso absolut sinnig. Nach Meinung der Forschenden sollte gerade hierbei die Fischerei stärker mit einbezogen werden.
Insgesamt könne man aber ein positives Gesamtergebnis mitteilen, nicht nur durch die erhaltenen Daten, sondern auch durch die festgestellte, erhöhte Aufmerksamkeit in der Bevölkerung für das Problem, so Dr. Thomas Badewien vom ICBM, einer der Hauptverantwortlichen im Projekt. Das alles lässt einen kleinen Hoffnungsstrahl für die Zukunft offen.
Dem fachübergreifenden Projektteam gehörten Forschende des ICBM und des Instituts für Biologie und Umweltwissenschaften (IBU) der Universität Oldenburg an. Zu den wissenschaftlichen Kooperationspartnern zählte unter anderem das Helmholtz-Zentrum Hereon. Projektleiter war der Oldenburger Ozeanograph Prof. Dr. Jörg-Olaf Wolff.  

Foto: Universität

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