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MoX Buchfavorit: Vom Leben gezeichnet: Tagebuch eines Endverbrauchers26.07.2022



MoX: Wovon handelt der Roman?
Lennart Wähnke: Das ist gar nicht so leicht zusammenzufassen, denn es ist kein zusammenhängendes Buch. Es besteht aus ganz vielen kleineren Kolumnen oder kolumnenartigen Kurzgeschichten, die einfach die deutsche Gesellschaft und den Alltag in Deutschland sowie die sozialen Strukturen mit Witz darstellen. Es ist so ein bisschen das Buch, das man liest, wenn man einen schlechten Tag hat. Man sucht sich ein Kapitel aus, über irgendwas, das einen gerade interessiert und kann sich 10 Minuten herzlich kaputtlachen, weil es so sinnbildlich geschrieben ist. Beispielsweise gibt es ein Kapitel über Drogen, das ist ganz herrlich geschrieben. Darin geht es darum, dass der Autor schreibt: „Jeder kennt jemanden, der Drogen konsumiert.“ Aber wie kommt man da dran? Martenstein kommt aus Berlin und beschreibt, wie einfach es ist, an diverse Substanzen zu kommen, während man für andere ein Insider sein muss. Er als Journalist mit Jackett und Co. wird im Park nie angesprochen, also erzählt er ganz bildlich, wie er sich einen alten Trainingsanzug aus den 90ern zulegt und dann mit heruntergekommener Alditüte in den Park geht, um zu schauen, welche Drogen einem dann angeboten werden. Daraus schließt er ein Fazit, was nach einer Stunde im Park angeboten und was gar nicht und wie sich Drogen dabei anscheinend auch innerhalb der gesellschaftlichen Schichten unterscheiden. Ansonsten reichen die Themen über die Kirchentage, Doppelkorn, Hitler, Examensarbeiten, Scientology, Theater oder Praxisgebühren.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Lennart Wähnke:  Wenn man das Buch liest, ist das erstmal geschriebenes Fremdschämen. Besonders gut hat mir das selbstironische Besserwissertum gefallen. Martenstein arbeitet ja eigentlich für „Die Zeit“ und ist immer derjenige, der, wenn es irgendwelche obskuren Themen gibt, diese wahnsinnig gut verpackt. Dies hier ist eines der Bücher, das ich auch nach dem Durchlesen einfach nicht mehr abgelegt habe.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Lennart Wähnke: In Papierform. Ich war, das muss 2007 gewesen sein, mit meinen Eltern im Urlaub und dort hatte meine Mutter das Buch dabei und ich selbst hatte nix zum Lesen mit. Sie hat mir dann das Buch gegeben und nach knapp 2 Stunden war ich durch. Seitdem habe ich das Buch bestimmt 4-5 Mal gelesen und krame es immer wieder heraus, wenn es mir nicht so gut geht.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Lennart Wähnke: Tatsächlich Menschen, denen es vielleicht nicht so gut geht und die mal was zum Lachen brauchen und vielleicht auch über sich selbst schmunzeln können. Es ist ein Buch für Menschen, die selbst sehr im Alltag versacken und mal eine kurze, 190-Seiten umfassende, Ablenkung wollen, um mit stereotypisierten Augen einen kleinen Blick auf Deutschland wagen wollen. Das Buch hält uns auf eine wahnsinnig witzige Art den Spiegel vor und zeigt, was wir doch teilweise für eine wahnsinnig verkorkste Gesellschaft sind.
MoX: Was wissen Sie über den Autor?
Lennart Wähnke: Harald Martenstein ist Kolumnist bei der Zeit und Chefreporter beim Berliner Tagesspiegel und Buchautor. Außerdem ist er mit seinen Kolumnen auch bei radioeins zu hören.
Interview und Foto: Thea Drexhage

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