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Ein irrer Ritt - Der Künstler und Filmemacher Mochu im Edith-Russ-Haus20.05.2022



Es ist ein irrer Ritt durch Kultur und Gegenkultur, durch östliche und westliche Bilderflashs, Bollywood trifft auf Hollywood, Comics auf Mangas, Horror begegnet Hedonismus. Es ist eine atemlose Reise durch die Zeit und die grotesken Galaxien des Internet. Die Ausstellung „Sentient Picnic“ (Picknick mit Gefühl) des indischen Künstlers und Filmemachers Mochu im Edith-Russ-Haus ist nicht gemütlich. Sie strapaziert die Sinne, regt an und stößt ab. Wer hineingeht, kommt mit Bildern und Sounds geflutet heraus. Das schüttelt sich so leicht nicht ab. Soll es auch nicht. Denn hinter Parodie und Provokation steht, so sagen die Ausstellungsmacher, eine klare Absicht. Mochu, der in Delhi und Istanbul lebt, „geht den Wirkmechanismen globaler, neo-reaktionärer Bewegungen im Internet nach“. Sein komplexer Kosmos aus Bildern, Texten und Tönen ist also richtungsgelenkt. Und erschließt sich nur schwer. Wer es schafft, sich daheim des jederzeit drohenden Internet-Overkills zu entziehen, könnte beim gefühlvollen Picknick mit Mochu dann doch ins digitale Delirium fallen, in ein Retro-Gefühl also, denn: „Die Online-Subkulturen tragen eine starke imperialistische Kultur-Nostalgie in sich.“ Hm, und was genau soll das sein? Der Künstler fasst es so zusammen: „Das Internet ist nicht einfach ein Medium, das Wissen überträgt, ich denke, dass es seine eigene Agenda hat.“ In jedem Fall verfügt Mochu über einen großen Instrumentenkasten, Spiritualität und Science-Fiction, Kunstgeschichte und Philosophie gehören zu seinen souverän eingesetzten Werkzeugen.
Mochus Agenda ist ebenso schrill wie ästhetisch. Etwa in der Collage asiatischer Reiterfiguren, die von Rabenvögeln umwabert werden (Gathering at the Carnival Show) – Hitchcock lässt grüßen. Eine Horroranleihe ist auch die Riesenraupe aus Männerköpfen, eine andere der Torso, um dessen Haupt sich nicht Haare, sondern Würmer schlingen (Mineral Mixtape). Das Video „Cool Memories of Remote Gods“ spielt auf den letzten Hippie-Pfaden in Indien, wo in den 1960er Jahren junge Menschen aus aller Welt ihren Guru suchten (und meist nicht fanden). Damals galt die Sinnsuche als Ansage gegen das Establishment, heute trüge sie wohl das Stigma kultureller Aneignung.
Die Ausstellung im Edith-Russ-Haus ist die erste Werkschau Mochus in Deutschland. Im Zentrum der Schau, die von Edit Molnár und Marcel Schwierin kuratiert wurde, steht die Videoinstallation „Groteskkbasiliskk! Mineral Mixtape“, die auf vier Leinwänden präsentiert wird.
Der Titel „Sentient Picnic“ bezieht sich übrigens auf die absurde Einöde im sowjetischen Science-Fiction-Roman „Picknick am Wegesrand“ (1972) von Arkadi und Boris Strugazki und stellt einen veritablen Gegensatz zum Gezeigten dar, denn Mochus Bilderwelten sind alles andere als öde.
Text: Britta Lübbers

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