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Vollgas nach vorne! Interview mit Dario Fossi, Trainer des VfB Oldenburg28.09.2021



MoX: Sie kommen ja eigentlich aus der Rhein/Main-Gegend und ihre fußballerische Karriere begann in Offenbach, genauer gesagt bei Kickers Offenbach. Was hat Sie nach Oldenburg/Wilhelmshaven verschlagen?
Dario Fossi: Nun, das lag daran, dass mein Trainer in Offenbach nach Neumünster in Schleswig-Holstein wechselte. Der rief mich dann eines Tages an und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, beim dortigen VfR zu spielen. So kam ich also in den Norden. Eine Saison später bekam ich dann Angebote aus Meppen und Wilhelmshaven und entschied mich für die Nordseestadt, wo ich bis heute lebe.

MoX: Neben Ihrer Berufung als Trainer sind Sie Sozialpädagoge. Wie kam es zu diesem Beruf?
Dario Fossi: Mein erster Beruf war allerdings Bürokaufmann. Doch merkte ich schnell, dass das nicht wirklich gut zu mir passte. Und da man mit Fußball in der Regionalliga nicht besonders viel verdient, musste etwas anderes her. In Wilhelmshaven war ich bereits mit Jugendlichen ehrenamtlich tätig, habe dort Streetsoccer- und Bolzplatzturniere veranstaltet. Also habe ich Sozialpädagogik studiert und arbeite jetzt an einer Wilhelmshavener Grundschule.

MoX: Wer Sie am Spielfeldrand erlebt, lernt einen sehr impulsiven Trainer kennen. Sind Sie so etwas wie der 12. Mann am Spielfeldrand?
Dario Fossi: Ich brenne einfach für den Fußball und will jedes Spiel gewinnen. Und klar, dann zeige ich meine impulsive Seite, werde auch mal laut und greife in das Spiel ein. So kann ich mitunter auch ein paar Dinge im Spiel korrigieren. Speziell wenn sich nach einigen Erfolgen so etwas wie Gewöhnung einstellt, fehlt manchmal der letzte Kick bei den Spielern, was schnell zu einer Niederlage führen kann. Diese Form ins Spiel einzugreifen, funktioniert noch in der Ober- und Regionalliga, wo nicht so die Zuschauermassen im Stadion sind. Wenn aber 10.000 Leute in der Arena sind, dann geht das so natürlich nicht mehr.

MoX: Als Sie 2020 die Mannschaft übernahmen, mussten Sie erst einmal lange pausieren. In die neue Saison ist die Mannschaft sehr gut gestartet. Ist sie also perfekt, wie sie ist?
Dario Fossi: Die Coronapause war sehr lang und auch negativ für das Team. In den letzten 12 Monaten haben wir gerade mal 3 Monate zusammen trainiert. Ich persönlich habe die Zeit genutzt, um mich weiter zu bilden, habe viel zum Thema Fußball gelesen, Sachbücher wie auch Biografien. Die Erkenntnis daraus war für mich, dass ich keine Zeit habe. Keine Zeit in dem Sinne, dass eine Fußballkarriere eher kurz ist, und dass wir keine Zeit zu verschenken haben. Konkret für ein Fußballspiel bedeutet das, dass wir alles raushauen müssen, was wir können. Nicht warten, sondern gleich versuchen, das Spiel dynamisch zu bestimmen, also von Beginn an Vollgas nach vorne. Und momentan macht die Mannschaft es richtig gut. Wer so spielt, muss natürlich körperlich fit sein, was bei uns auch der Fall ist. Außerdem zeige ich jedem Spieler, dass er für uns wichtig ist, und versuche niemanden im Team zurück zulassen. So ist die Mannschaft hoch motiviert, eine wichtige Voraussetzung für Erfolg.

MoX: Wenn der VfB weiter so erfolgreich spielt, müssen wir über die 3. Liga reden.
Dario Fossi: Wir sind gerade bei der Vorspeise, da sollte man nicht schon über den Nachtisch reden. Außerdem wollen wir ja realistisch bleiben, und da muss man einfach feststellen, dass wir noch nicht reif für den Aufstieg sind. Allerdings, was ist heute schon realistisch. Wenn wir am Ende Erster sind, werden wir uns nicht wehren aufzusteigen. Doch wenn ich uns z.B. mit Weiche Flensburg vergleiche, dann sind wir weder sportlich noch finanziell auf deren Niveau.

MoX: Ist die Südstaffel der Regionalliga die schwächere Staffel?

Dario Fossi: Nein, das würde ich nicht sagen. In unserer Staffel sind Werder Bremen II, Hannover 96 II und auch der BSV Rehden stellt eine tolle Mannschaft. Man sollte ebenso Atlas Delmenhorst erwähnen, und ich kann zur Zeit nicht beurteilen, ob z.B. der VfB Lübeck eine stärkere Mannschaft hat, nur weil der Name bekannter ist.

MoX: Wer ist in Ihren Augen, neben dem VfB Aufstiegskandidat?
Dario Fossi: Weiche Flensburg und Ottensen sind auf jeden Fall ganz weit oben. Beide haben sehr gute Mannschaften und könnten Dritte Liga spielen. Daneben sind auch der VfB Lübeck, Holstein Kiel II, BSV Rehden und Norderstedt zu nennen.

MoX: Kein Flutlicht am Marschweg, kein neues Stadion in Sicht – Was ist Ihr dringlichster Wunsch in Sachen Infrastruktur?
Dario Fossi: Ich empfinde schon, dass der VfB von der Stadt nicht wirklich ernst genommen wird. Wir haben jetzt fünf mal hintereinander gewonnen, was aber nur schwach wahrgenommen wird. Das ist das eine. Das andere ist die Erkenntnis, dass beim VfB in den letzten Jahren nicht immer alles optimal lief. Trotzdem ist der Verein das Aushängeschild für Fußball in Oldenburg. Daher sollten sich alle Betroffenen, Politik, Verein und Förderer hinsetzen und klären, ob wir in der Stadt  höherklassigen Fußball wollen oder nicht. Klar, der Verein muss offener und transparenter werden, damit sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Aber wenn man höherklassigen Fußball in der Stadt will, dann geht das nicht im Marschweg, dann brauchen wir ein neues Stadion. Das muß jetzt in der Stadt geklärt werden.

MoX: Sie haben 122 Spiele mit dem VfL Oldenburg gemacht. Wie grün ist da noch ihr Fußballherz?
Dario Fossi: Ich bin dem VfL Oldenburg sehr dankbar, dass ich dort 4 Jahre arbeiten konnte. Ich hatte eine tolle Zeit und habe denen sehr viel zu verdanken. Sie haben mir als jungen Trainer Vertrauen geschenkt, was schon außergewöhnlich war, und speziell die Zusammenarbeit mit Detlef Blancke gab mir sehr viel Freiraum. Ich war sehr gerne beim VfL, bin jetzt aber auch sehr gerne beim VfB.

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