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Wie geht Genug?12.03.2020



Text | Christoph Kienemann

Kann es ein unendliches Wirtschaftswachstum geben und wie können wir Wohlstand und Nachhaltigkeit in Einklang bringen? Mit diesen Fragen befasst sich die Wirtschaftswissenschaft spätestens in den vergangenen zehn Jahren verstärkt. Der Club of Rome hat das Thema bereits seit 1972 auf der Agenda. Paech und Folkers wählen nun „All you need is less“ einen Ansatz, der Ökonomie und ganzheitliche Denkweisen zusammenführen soll. Sie wollen eine Suffizienz-Bewegung, eine Kultur des Genug anstelle einer Wirtschaft der Gier.
Achtsamkeit und Nachhaltigkeit sind seit Jahrzehnten in aller Munde. Warum gelingt es der Menschheit aber nicht, wirklich nachhaltig zu wirtschaften, die Ressourcen des Planeten zu schonen und letztlich auch das Klima zu retten? Wirkliche Nachhaltigkeit sei nur durch einen radikalen Wandel des Wirtschaftssystems möglich. Eingeleitet wird das Buch durch ein Interview, das Folkers und Paech mit Barthel Pester geführt haben. Insbesondere Niko Paech nimmt bereits hier einige wichtige Abgrenzungen und Definitionen vor. Paech glaubt beispielsweise nicht an ein grünes Wachstum, also die Weiterführung der bisherigen kapitalistischen Ordnung, ausgerichtet auf Nachhaltigkeit. Allein die Reduktion des Wachstums und die Konzentration auf eine Suffizienzwirtschaft könne die Lösung sein. Da die westliche Wirtschaftsweise auf der Ausbeutung und dem Konsum billiger Waren basiere, trete er für eine ersatzlose Reduktion des Wachstums ein. Auch Folkers setzt sich für eine Kultur des Genugs ein, die Wirtschaftsweise müsse dazu dienen, das Leben zu bewahren. Während Paech  hier vor allem die Individuen gefragt sieht, sieht Folkers gerade auch die Politik gefragt.Nach der Einleitung gliedert sich das Buch in zwei Teile. Zunächst gleicht Folkers die Lehren Buddhas mit der Suffizienz-Bewegung von Paech ab. Letzteres ist natürlich keine wissenschaftliche Studie, sondern stellt vielmehr philosophische Überlegungen dar, die Auswege aus der derzeitigen Wirtschaftsweise aufzeigen sollen. Folkers ist seit 2004 Dharma-Lehrer und damit Experte für die Lehren Buddhas. Folkers sucht und zeigt Wege auf, wie die Abkehr von der „Wirtschaft der Gier“ zu einer Kultur des Genugs gelingen kann. Die Lehren Buddhas sind hierfür zentral und der Ausgangspunkt. Die Denkanstöße bieten mit Sicherheit einiges Neues, aber zu oft werden Antworten auf Fragen gegeben, die wenig konkret formuliert werden. Was bedeutet es denn konkret, dass viele Menschen mit den herrschenden Verhältnissen unzufrieden sind und auf welche Weise handelt das Wirtschaftssystem? Der radikale Wandel, den Folkers und Paech im Sinn haben, lässt sich auch daher nur schwer fassen, weil die Widersprüche des Systems jeden einzelnen betreffen (S. 97), was eine Beschäftigung mit einem Kulturwandel nach Buddha durchaus sinnvoll erscheinen lässt. Der Postwachstums-Ökonom Niko Paech legt im zweiten Teil des Buches dar, was unter Suffizienz zu verstehen sei, bringt diesen auch mit dem Freiheitsbegriff in Verbindung. Gerade die Diskussion über den Freiheitsbegriff ist von großer Relevanz. Paech stellt fest, dass die Konsumgesellschaft unter anderem dadurch gekennzeichnet ist, dass die physische leistbare Arbeit des Einzelnen  entkoppelt ist von dem Anspruch auf konsumierbare Güter. Es gibt keine Obergrenze des Begehrens mehr (S. 136). Dieses Phänomen ist dann auch ursächlich für das Scheitern aller bisherigen Versuche, die Wirtschaft nachhaltig auszurichten. Als Gegenbewegung müsse die Suffizienz als radikale Gegenbewegung zum Konsum verstanden werden. Nur so könne die Doppelmoral der Gesellschaft, sich einerseits nachhaltig zu geben, andererseits ökologisch verantwortungslos zu leben, überwunden werden. Daher ist „All you need is less“ gerade deshalb lesenswert, weil es jedem einzelnen den Spiegel vorhält.

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