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Interview: 11 Fragen an … Doris Eickhoff; Künstlerin von hier20.02.2020



Text und Foto  | Karin Eickenberg

Thematisch wie auch verfahrenstechnisch höchst interessant ist die aktuelle Ausstellung von Doris Eickhoff in der STAUBLAU-Galerie Oldenburg. Unter dem Titel „Nimm Platz“ zeigt die Künstlerin noch bis Ende März Druckgrafiken im so genannten Transferlithografie-Verfahren. Anders als bei traditionellen Lithografien, die mit Druckplatten aus Stein oder Metall arbeiten, verwendet diese noch relativ junge Technik Laserkopien von Fotos oder Grafiken als Druckplatten. „Für mich eine wunderbare Entdeckung und ein riesiges Experimentierfeld, um meine Fotografie und meine Malerei miteinander zu verbinden“, schwärmt Eickhoff. „Platz genommen“ haben für diese weibliche Akt-Ausstellung Frauen zwischen 55 und 68 Jahren – keine Models, sondern Frauen, die mutig ihre Fantasien, ihr Inneres und ihren alternden Körper zeigen. „Ich hätte mir das alles nicht so ausdenken können“, so die Künstlerin über die von den Projektteilnehmerinnen selbst inszenierten Motive, „es war ein unglaublich intensives Miteinander.“ Doris Eickhoff lebt und arbeitet in Oldenburg. Nach dem Studium der Kunst- und Musikpädagogik war sie als Lehrerin an verschiedenen Schulen tätig, leitete aber auch zahlreiche Kunstprojekte in Zusammenarbeit mit der Artothek und dem Horst-Janssen-Museum.  Seit 2015 ist sie freischaffend in den Bereichen Malerei, Fotografie und Druckgrafik unterwegs. Nach mehreren Gemeinschaftsausstellungen ist dies ihre erste Einzelausstellung im STAUBLAU.

DIABOLO: Was hat Sie zu Ihrer Kunst gebracht?
Eickhoff: Ich bin in einfachen Verhältnissen im Ruhrgebiet groß geworden. Eigentlich kein Umfeld, in dem man früh an die Kunst herangeführt wird. In Essen gibt es das großartige Folkwangmuseum. Ein einziges Mal war ich als Kind dort. Seitdem wollte ich malen lernen. Während meines Kunststudiums an der Universität Oldenburg habe ich es leider nicht gelernt. Ich lernte und lerne es autodidaktisch. Bis heute.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Eickhoff: Ich möchte mich vor allem ausdrücken. Stimmungen, Dinge, Menschen und Gefühle so darstellen, wie ich sie empfinde. Das Malen, Zeichnen, Drucken ist eine Beschäftigung, die ich schon immer als reinen Luxus empfunden habe. Ich vergesse die Zeit. Die Gedanken schweigen oder kommen zur Ruhe. Eine „Außenwirkung“ beabsichtige ich nicht bewusst. Es freut mich natürlich sehr, wenn ich Resonanz auf meine Arbeit bekomme, deshalb möchte ich meine Malerei auch öffentlich zeigen. Ziele im  Sinne eines künstlerischen „Sendungsbewusstseins“ sind mir aber völlig fremd.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Eickhoff: Lange Zeit habe ich mich mit der Formsprache von Plastiken der Megalithkulturen und anderen ethnischen Kulturräumen beschäftigt. Ihre Einfachheit und starke künstlerische Aussagekraft faszinieren mich. Im Kunststudium waren Kleinplastik und Fotografie meine Haupt- und Prüfungsfächer. Später entstanden Objektkästen und Arbeiten in der Tradition von Judy Chicagos „Diner Party“. Frauen- und feministische Themen waren immer wieder Gegenstand meiner künstlerischen Arbeit. Anfang der 90er Jahre fing ich an, mich mit Ölmalerei zu beschäftigen. Ich habe mich der Malerei anfangs fast technisch-analytisch genähert. Bis heute stelle ich meine Farben und Pigmente und unterschiedlichen Zusätze selbst  her. Thematisch interessieren mich Menschen- und Landschaftsdarstellungen. Auch das Thema „Schrift im Bild“.
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Eickhoff: Ich habe bei uns zuhause ein kleines, helles Atelier in einem Anbau. Ich schaue in unseren Garten. Das ist wunderbar, denn ich höre dort kein Telefon und keine Türklingel. Ich brauche nicht viel Platz zum Arbeiten, da ich weder ausufernd noch sehr expressiv arbeite. Ich bin eher der Typ, der detailverliebt ist und mit der Nase über oder an der Leinwand hängt. Mir reichen ein großer Tisch und zum Drucken eine große Glasplatte. Meine Leinwände hänge ich beim Malen einfach mit einem Nagel an die Wand.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Eickhoff: In den letzten Jahren habe ich die umweltfreundliche Tiefdrucktechnik der Papier- oder Transferlithografie erlernt. So entdeckte ich ein neues, breites Spektrum für Mischtechniken zwischen Druck, Zeichnung und Malerei. Es ist das spielerische und experimentelle Moment dieser Drucktechnik, das ich so liebe. Ich arbeite dabei ausschließlich mit eigenen Fotos.
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Eickhoff: Ich weiß nicht...der Höhepunkt meiner bisherigen Arbeit ist eigentlich die Tatsache, dass ich aufgrund meiner Lebensumstände die Freiheit besitze, täglich so viel Zeit in meinem  Atelier zu verbringen, wie ich möchte.
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Eickhoff: In den letzten zwei Jahren habe ich mich mit dem Thema „Weiblichkeit im Alter“ auseinandergesetzt. Mich störte das Verschwinden oder Unsichtbarwerden von älteren Frauen in den Medien und auch der Bildenden Kunst. Ausgehend von der Erfahrung der eigenen Wechseljahre und den damit verbundenen körperlichen Veränderungen habe ich nach einem Selbstversuch andere Frauen gebeten, sich vor meiner Kamera „im Akt“ zu inszenieren. Es entstanden 13 Fotoserien, weit entfernt von jeglicher Studio-Inszenierung. Bei der Weiterverarbeitung meiner Fotos ging es mir nicht um die Darstellung eines individuellen Aktes im Sinne des Porträts sondern um das Einfangen der unterschiedlichen Körperhaltungen und Stimmungen.  Es sollten „universelle“ Akte von alternden Frauenkörpern werden, die Haltung, Stolz, Sinnlichkeit und Kraft zeigen oder auch deren Sensibilität, Verletzlichkeit und Unsicherheiten sichtbar machen. Durch die Auseinandersetzung mit den fotografischen und künstlerischen Arbeiten ist für die teilnehmenden Frauen – mich eingeschlossen – ein oft überraschender, neuer Blick auf den eigenen alternden Körper entstanden, zu dem JA gesagt wurde.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Eickhoff: Eine kleine Auswahl meiner zweijährigen Werkreihe „Nimm Platz! - Von der Schönheit des Alterns“ ist vom 15. Februar bis 29. März 2020 in der Galerie STAUBLAU in Oldenburg zu sehen.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Eickhoff: Schwere Frage: Erfolgreiche Arbeit ist für mich eigentlich alles, was mich zufrieden macht. Die Dinge tun zu dürfen, die mir entsprechen, für die ich mich nicht verbiegen muss. Auch, wenn ich das weitergeben kann. Wenn ich zum Beispiel in einem Kunstkurs für Migranten Menschen kennenlerne, die es stärkt, sich selbst künstlerisch auszudrücken. Oder wenn meine Schüler bei einer Ausstellung stolz auf sich waren. Das ist erfolgreiche Arbeit. Es macht mich glücklich.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstlerin in Oldenburg?
Eickhoff: Ich lebe sehr gern hier. Oldenburg ist meine Wahlheimat.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Eickhoff: Ich wünsche mir mehr Austausch mit anderen Malern und Malerinnen und denke manchmal über die Mit-Gründung einer Ateliergemeinschaft nach. Außerdem möchte ich mich technisch immer weiter entwickeln. Und dann hoffe ich natürlich, dass viele Menschen die Ausstellung in der Galerie STAUBLAU ansehen. Wege entstehen beim Gehen. So war es bei mir bisher jedenfalls immer.

Kontakt: www.eickido.jimdofree.com

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