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Serie: Künstler von Hier; 11 Fragen an … Iris Michaela Schmidtmann23.01.2020



Text und Foto  | Karin Eickenberg

Ihre große Leidenschaft gilt dem Barocktanz. Diese Tanzform wurde insbesondere am Hofe Ludwigs XIV. kultiviert und gilt als Vorläuferin des klassischen Balletts.  Bei ihren öffentlichen Auftritten legt Schmidtmann viel Wert auf eine kulturhistorisch stimmige Darbietung. Dazu gehören neben Choreografien aus dem 17. und 18. Jahrhundert auch originalgetreue Bekleidungen,  die sie für sich und ihren Tanzpartner Kenichi Ikei in aufwändiger Handarbeit selber schneidert. „Ich finde es wichtig, dass man sich ein bisschen in die Zeit hineinversetzen kann“, so die in Hude lebende Künstlerin. Als diplomierte Tanztherapeutin schätzt sie zudem die mit dem Barocktanz verbundene intensive Körperarbeit. Neben eigenen Vorführungen im Rahmen kultureller Veranstaltungen bietet Schmidtmann regelmäßig Workshops im Oldenburger Schloss an. Hier haben Teilnehmer Gelegenheit, sich selbst mal mit einem „Menuett auf dem Z“ oder anderen Gesellschaftstänzen jener Epoche auf das historische Parkett zu wagen.  

DIABOLO: Wie sind Sie zum Barocktanz gekommen?
Schmidtmann: In den 80er Jahren habe ich in Duisburg Glastechnik und Keramik studiert. Gleichzeitig ging ich meinem Steckenpferd nach und nahm Ballettunterricht. In einer Reihe von Wochenendkursen an der Folkwang-Hochschule fand ich einen Einstieg in den historischen Tanz. Mein Lehrer war Jürgen Schrape, Dozent an der Akademie für Alte Musik in Bremen. Die Akademie hatte in der aufstrebenden Forschung im Bereich der alten Musik international einen sehr guten Ruf. Nach meinem Abschluss in Duisburg habe ich mich beruflich in den Bremer Raum orientiert und ein berufsbegleitendes Kontaktstudium an der Akademie begonnen.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Schmidtmann: Im Jahr 1661 gründete Ludwig XIV. die Academie royale de danse. In der Gründungsurkunde bezeichnete er die Kunst des Tanzens als „eine der rechtschaffensten und notwendigsten, um den Körper heranzubilden und ihn zuerst und auf natürlichste Weise auf alle Formen der Bewegung vorzubereiten“. Ich möchte den Teilnehmern an meinen Workshops diese Form von Körperarbeit nahebringen. In einer Aufführung möchte ich den Zuschauern den Stellenwert und die Aussagekraft des Tanzes in Renaissance und Barock vermitteln.  
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Schmidtmann: Barocktanz bezeichnet den Beginn der klassischen Balletttechnik, wie wir sie heute kennen. Diese Technik zu erarbeiten steht im Vordergrund. Daneben ist der Tanz aber auch immer Ausdruck des kulturellen Selbstverständnisses einer Epoche oder Gemeinschaft. Entsprechend bedingt die Rekonstruktion von historischem Tanz auch Kenntnisse der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umstände, unter denen sich diese Art der Selbstdarstellung entwickelt hat.
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Schmidtmann: Im Moment arbeite ich hauptsächlich im Oldenburger Schloss. Eine schöne und fruchtbare Zusammenarbeit ergab sich auch mit der Musikschule der Stadt Oldenburg und allgemeinbildenden Schulen in der näheren Umgebung sowie der LAG Tanz.  
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Schmidtmann: In Renaissance und Barock wurde Tanz als Körpersprache verstanden. Gottfried Taubert, ein deutscher Tanzmeister des 18. Jahrhunderts, bezeichnet den Umgang in der Gesellschaft als „prosaischen Tanz“ - im Gegensatz zum „poetischen Tanz“, der zur Musik ausgeführt wurde. Für mich ist es im Unterricht und in der Aufführung wichtig, die Bewegung nicht als „tote Sprache“ zu rekonstruieren sondern als Aussage zu verstehen.  
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Schmidtmann: Die umfassende Arbeit im Bereich des historischen Tanzes führt für mich immer wieder zu perfekten Momenten ganz unterschiedlicher Art. Zu nennen sind ambitionierte Konzerte, die Teilnahme an spannenden internationalen Symposien und Kursen oder einfach die Möglichkeit, einem interessierten Publikum das gesammelte Wissen zu vermitteln.  
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Schmidtmann: Historisch beschäftige ich mich zurzeit mit Gottfried Taubert. Ein Konzert in Zusammenhang mit einer Ausstellung im Landesmuseum wird für den Herbst 2020 angedacht.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Schmidtmann: Informationen zu Veranstaltungen im Bereich des historischen Tanzes können im Veranstaltungskalender des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und auf der Webseite unter www.landesmuseum-ol.de eingesehen werden.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Schmidtmann: Der Weg ist das Ziel. Natürlich bedeutet die Durchführung eines Projektes, wie zum Beispiel einer Aufführung oder Veröffentlichung, immer einen Erfolg. Aber die umfassenden Themenbereiche in Zusammenhang mit dem historischen Tanz bedingen, dass man sich praktisch ständig interessiert, informiert und weiterentwickelt. Ich betrachte das als einen ganz wesentlichen Erfolg im Leben.  
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstlerin im Oldenburger Land?
Schmidtmann: Ich habe meine beruflichen und künstlerischen Interessen immer sehr gut miteinander vereinbaren können. Die Möglichkeit, gerade in den historischen Räumen des Oldenburger Schlosses tätig zu werden, war ein besonderer Glücksgriff. Ich bin sehr dankbar, dass die erst einmal etwas ungewöhnliche Idee von Tanzveranstaltungen im Museum von der pädagogischen Abteilung von Anfang an begrüßt und unterstützt wurde.  
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Schmidtmann: Ich wünsche mir viele schöne Aufführungen von barockem Musiktheater in Oldenburg.

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