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Serie: Künstler von Hier – 11 Fragen an … Anne Sudbrack11.12.2019



Text und Foto  | Karin Eickenberg

Ob Märchen, inszenierte Kinderliteratur, skurrile Krimiabende oder selbst geschriebene Stücke, die rund hundert Aufführungen im Jahr sind fast immer ausverkauft. Schon mit 24 Jahren tourte sie als Puppenspielerin mit ihrem VW-Bus durch die Lande. 1993 erfüllte sie sich dann in Augustfehn den Traum von einer festen Spielstätte in einer alten Tischlerei. Ihre Puppen fertigt sie in der Regel selbst: ausdrucksstarke Marionetten, Handpuppen, Tischpuppen, Klappmaulfiguren, Stabfiguren, geschnitzt, genäht, aus Papier geschnitten oder Knete geformt. Dazu natürlich auch das Bühnenbild. Bei der Inszenierung arbeitet Sudbrack mit professionellen Musikern und Regisseuren zusammen. „Ich nehme mein Publikum ernst und möchte, dass jeder das Theater mit einem guten Gefühl verlässt.“ Ein Leben ohne Puppen? - „Möglich aber nicht sinnvoll“, so die leidenschaftliche Künstlerin in Anlehnung an ein Loriot-Zitat.      

DIABOLO: Wie sind Sie zur Puppenspielerei gekommen?
Sudbrack: Es war eine Berührung mit dem Puppenspiel 2 Jahre nach dem Abitur. Ich machte gerade eine Tischlerlehre, wusste aber noch nicht wirklich, wohin mich meine Berufslaufbahn führen würde, da ich zwei Schwerpunkte hatte: Auf der einen Seite Kunst und Musik und auf der anderen Seite Mathe und Physik. Es war sozusagen eine Begegnung, die geradewegs in meinen Kopf und mein Herz gefallen ist. Ich dachte, in diesem Beruf kann ich alles ausleben: das Handwerk, meine Leidenschaft zur Kunst und zum Nähen, den Umgang mit Menschen, Organisation.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Sudbrack: Ich möchte Menschen erreichen, sie mit meinem Theaterspiel berühren, etwas zum Klingen bringen, sie für eine kurze Zeit in eine andere Welt entführen, sie in Geschichten eintauchen lassen und ihre Phantasie anregen. Ich möchte aber auch aufzeigen, dass zu unserem Leben Theater gehört und es wichtig ist, schon Kinder im Kindergartenalter langsam heranzuführen. Und dazu gehört auch, dass ich Kulturpolitik auf dem Land betreibe, sprich aufzeige, wie wichtig es ist, dass Kultur – in diesem Fall Figurentheater – anerkannt und gefördert wird.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Sudbrack: Mit allen Themen, die das Leben für große und kleine Menschen so mit sich bringt, wie zum Beispiel: Die Freuden und Sorgen des Alltags, die Liebe, das Abschied nehmen, Sterben, Probleme, die es zu bewältigen gibt…
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Sudbrack: Vorwiegend arbeite ich im Männeken-Theater, bin aber auch im Tourneetheater geblieben. Meine Werkstätten für die Anfertigung der Bühnen und Puppen sind bei mir zu Hause untergebracht.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Sudbrack: Ich liebe es, mit wenigen Mitteln Theater zu machen. Ein Kleiderständer wird zum Baum, ein Hut zum Nest, ein Leporello ist mal der Schlossturm, der Dachboden oder die Brotkammer, ein Konzertflügel die Bühne für Peter und der Wolf. In einem Kinderstück zum Beispiel brauche ich einen Keller. Da die Kinder nichts sehen würden, wenn der Keller tief liegt, wird er kurzerhand auf den Tisch verlagert und für alle ist es klar: Der Keller ist heute mal auf dem Tisch.
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Sudbrack: Es war vor über 20 Jahren eine Begegnung mit einem Mädchen, die mich sehr berührt hat. Es ging in meinem Theaterstück „Eltern gesucht“ um das Thema Sterben und das Stück ging, wie im Märchen, gut und hoffnungsvoll aus. Das Mädchen fragte mich nach der Schulaufführung, wann sie mit ihrer Oma das Stück sehen könnte und sie kamen gemeinsam. Die Großmutter, bei der das Mädchen aufwuchs, hatte immer Sorge, dass sie sterben könnte. Nach der Aufführung sprach sie mich an und sagte mir, dass ich ihr mit dem Stück klar gemacht hätte, dass diese Sorgen unnütz seien. Und sie und ihre Enkelin gingen vergnügt aus dem Theater. Diese Begegnung war für mich der Auslöser, eine Ausbildung zur therapeutischen Puppenspielerin zu beginnen.
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Sudbrack: Aktuell sind der Förderverein und ich damit beschäftigt, einen neuen Standort für mein Theater zu finden, um auch weiterhin öffentliche Aufführungen anbieten zu können, denn die jetzige Spielstätte schließe ich im Mai 2020.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Sudbrack: Aktuell fast täglich im Männeken-Theater in Apen-Hengstforde. Ferner bin ich in Osterholz-Scharmbeck, Hatten, Hude, in einem Kindergarten in Rastede, in der Grundschule Emstekerfeld, in Ochtrup mit meinem Theater unterwegs, um nur einige Termine zu nennen.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Sudbrack: Wenn große und kleine Zuschauer nach der Aufführung beglückt aus meinem Theater gehen.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstlerin in Oldenburg?
Sudbrack: Es lebt sich für mich sehr gut auf dem Land und vor allem in der Gemeinde Apen und dem Landkreis Ammerland. Ich bekomme von allen Seiten, auch von den vielen Firmen vor Ort,  seit Jahrzehnten große Unterstützung und Zuspruch. Und für den künstlerischen Austausch engagiere ich mit dem Förderverein Gastbühnen. Zudem inszeniere ich meine Stücke immer in Zusammenarbeit mit wechselnden RegisseurInnen und Musikern und von daher fehlt mir nichts. Neugierig bin ich immer auf kulturelle Veranstaltungen auf dem Land und in den Städten rings herum.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Sudbrack: Ich wünsche mir, dass ich noch einige Jahre Kinder und Erwachsene mit meinem Theaterspiel erfreuen kann. Dass es immer ein Treffpunkt bleibt für alle Menschen, egal mit welchem Hintergrund sie zu mir in meine Aufführungen kommen, welcher Nationalität oder Religion sie angehören, ob sie Beeinträchtigungen haben, arm oder reich sind.
Ich bin von Natur aus neugierig und interessiert und bin selber gespannt, wo es mich noch hintragen wird.
 
Kontakt: www.maenneken-theater.de

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