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Künstler von Hier: 11 Fragen an … Anke Ibe12.08.2019



text und Foto  |  Karin Eickenberg
Fast schon zwanzig Jahre lang arbeitet die in Schleswig-Holstein geborene Anke Ibe als freischaffende Malerin in Oldenburg.  Wie ein roter Faden zieht sich die Kunst durch ihren Lebenslauf.  Bereits mit 17 wurde sie „wegen Begabung“ an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg aufgenommen, wo sie Textil- und Interieur-Design studierte. Es folgte ein Lehramtsstudium an der PH und Hochschule für Künste, Berlin. Beruflich war sie viele Jahre lang sehr erfolgreich als Textildesignerin in der Möbelindustrie unterwegs. Eine Zeit, so Ibe, die ihr unter anderem auch das nötige Selbstbewusstsein für den Schritt ins freie Künstlertum verschafft habe. Im Berufsverband BBK ist sie seit 2001 aktiv.
 
DIABOLO: Wie sind Sie zu Ihrer Kunst gekommen?
Ibe: Schon immer ist kreatives Tun das Wichtigste in meinem Leben. Der Wille, mit den Händen aus so simplen Materialien wie Pinsel, Farben, Leinwand – oder aktuell aus  Papier, Schere und Klebstoff – etwas komplett Neues zu erschaffen, ist elementar für mich: Ein Objekt mit meinem ‚fingerprint‘, das auch ohne meine Anwesenheit Bestand hat.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Ibe: Dass die Betrachter spüren, dass alle meine Arbeiten den unbedingten Kontrast zu der optischen Dauerüberflutung darstellen. Schon die Räume, in denen Kunst gezeigt wird, signalisieren: Ruhe, Stille, entschleunigen, ankommen, sich einlassen, was sehe ich da eigentlich? Mehrfaches Hinschauen lohnt sich unbedingt bei meinen Arbeiten.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Ibe: Weder mit politischen noch mit psychologisch-selbsttherapeutischen Themen. Hauptsächlich mit ungegenständlichen Bildinhalten, die sich beim Arbeiten entwickeln. Farbe, Form, Bildkomposition, die klassischen Themen,  beschäftigen mich immer. Materialexperimente, die unterschiedliche Strukturen ergeben, lassen sich zum Beispiel mit Farbschüttungen weiter bearbeiten. Das neue Bild ergibt sich aus dem fertiggestellten...
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Ibe: Im eigenen Atelier und allein. Das Bild entsteht ohne feste Themenidee. Es entwickelt sich dialogisch zwischen Spontanität und Analyse. Farbe wird aufgetragen, wieder übermalt, abgekratzt, ausgewaschen, vielleicht mit Wachs überzogen.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Ibe: Unterschiedliche künstlerische Techniken wie selbst angerührte Eitemperafarben, Japantuschen, Pastellkreiden, Kohlezeichnungen, auch mal Blattgold finden sich in meiner Arbeit wieder. Typisch ist die Farbpalette des Nordens: sand, grau, bläulich, wenig Kontraste, fein nuancierte Farbwahl.
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Ibe: Meine Einzelausstellung 2018 in der Galerie Staublau in Oldenburg. Dort habe ich den optimalen Raum für meine Collagen gefunden! Das Besondere sind die Wände dort: sie wurden von alten Farbschichten freigelegt, sodass die wunderbare Patina des alten Gemäuers sichtbar ist. Ich habe dort meine Arbeiten so gehängt, das sie in einen Dialog mit den Wänden treten. Passenderweise war der Titel der Ausstellung MIMIKRY.
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Ibe: Ich spreche lieber von Werkphasen. Weiterhin beschäftigt mich das Thema Collage. Papier mit all seinen Möglichkeiten ausloten! Gerade habe ich eine kleine Serie von 9 Arbeiten auf 30 x 30 Zentimeter Wellpappeblöcken collagiert. Auch Decollage ist ein wichtiges Stilmittel: Abgerissenes, Zerstörtes, Gealtertes interessiert mich. Auch Monotypiedruck findet seinen Einsatz, ebenso Bienenwachs.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Ibe: Noch bis 1. März 2020 in den Fluren des Rehazentrums, Brandenburger Straße 31, in Oldenburg. Dort sind 20 Arbeiten zu sehen, alle mit Eitempera-Farben gemalt, in warmen Terrakottatönen, einer für meine frühen Werke typischen Farbwahl. In der Staublau-PARADE-Ausstellung, die noch bis zum 22. September 2019 läuft, bin ich mit einer Collage vertreten. Ebenso mit zwei Arbeiten in der diesjährigen BBK-Jahresausstellung „WALD und WASSER“ in der Galerie, Peterstraße 1.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Ibe: Die langjährige Berufserfahrung mit allen Höhen und Tiefen bildet einen Bodensatz, der nicht nur meine Arbeit prägt sondern auch meine Persönlichkeit. Ich kann mich auf mein Können verlassen. Alleine zu arbeiten erfüllt mich mit Zufriedenheit, ich mag die ruhige Stimmung im Atelier.  Ich arbeite mich so lange an dem Bild ab, bis es meine Qualitätskriterien erfüllt. Wenn das erreicht ist, spüre ich ein Erfolgsgefühl. Das stellt sich auch ein, wenn ich meinen Bilderbestand durchschaue und daran meine malerische Entwicklung nachvollziehen kann. Natürlich freut es mich auch, wenn ich höre: Deine Werke lösen auf einer ganz tiefen Ebene etwas aus, was ich noch gar nicht fassen kann.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstler in Oldenburg?
Ibe: Persönlich gut, der Austausch mit Kollegen ist möglich, im BBK-Berufsgruppenverband bin ich aktiv. Der Prozentsatz der Kunstinteressierten in der Bevölkerung ist sehr gering und das Interesse und die Offenheit für regionale Künstler ist wenig entwickelt – was sich ja aktuell auch in der Diskussion über die Nutzung des Stadtmuseum-Neubaus zeigt. Erfreulicherweise zeigen die Offenen ARTEliers, die alle zwei Jahre stattfinden, ein durchaus positives Bild mit vielen interessierten Besuchern. Kritisierenswert finde ich auch die zunehmende Verwässerung von Hobbykünstlern und Berufskünstlern. Es ist keinesfalls gute Kunst, nur, weil keine deutliche Kritik geäußert wird.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Ibe: Bitte den Kunstunterricht von Fachkräften abhalten lassen, frühzeitig Kinder an Kunst heranführen, spielerischen Umgang fördern. Was sicherlich auch wichtig ist: Geduld, Ausdauer und Willenskraft zu schulen, kann man im Leben immer  brauchen!
Kontakt: www.anke-ibe.de

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