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Donnerschweer:
Gar nicht so harmlos? Mikroplastik im Kunstrasen19.06.2019





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Christoph Kienemann

Zuletzt ließ eine Studie der Umweltorganisation WWF aufhorchen, im Durchschnitt nehme jeder Mensch 5 Milligramm Mikroplastik in der Woche zu sich, so die Kernaussage der Studie. Diese Menge entspricht ungefähr dem Gewicht einer Kreditkarte. Mikroplastik, so scheint es, wird immer mehr zu einer Gesundheitsgefahr für die Menschen. Dabei gelangen die Partikel nicht nur durch Kosmetika oder Reifenabrieb in die Umwelt, auch Kunstrasenplätze scheinen eine Quelle von Mikroplastik zu sein.
„Feste, wasserunlösliche Kunststoffpartikel, die fünf Millimeter und kleiner sind“ – so lautet die Definition des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und des Umweltbundesamt (UBA) für Mikroplastik. Letzteres kommt heute fast überall in der Natur und im Umfeld von Menschen vor. Zunächst war der Einsatz von Mikroplastik in Kosmetika ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt, inzwischen hat eine Studie des Fraunhofer Institutes aus dem Jahr 2018 gezeigt, ein Drittel des Mikroplastiks in der Bundesrepublik entsteht durch den Reifenabrieb von Autos, Bussen und LKWs. In den Top Ten der Mikroplastik Verursacher haben es aber auch Beläge von Sport- und Spielplätzen geschafft. Sie liegen an fünfter Stelle. Das Problem, Mikroplastik kommt auf diese Weise in die Nahrungskette von Tieren und letztlich auch in die der Menschen, mit negativen Konsequenzen für die Gesundheit. Die Gefahr von Mikroplastik ist zwar länger bekannt, Kunstrasen als Quelle für Letzteres, hatte bisher aber nicht einmal das Umweltbundesamt auf dem Radar.
In Donnerschwee befindet sich neben den EWE-Arenen, dem Nachwuchszentrum der EWE Baskets, auch ein Kunstrasenplatz. Letztere werden immer stärker von Sportvereinen nachgefragt, da sie, anders als Naturrasenplätze, auch bei schlechtem Wetter bespielbar bleiben. Zurzeit plant die Stadt den Bau mehrerer neuer Kunstrasenplätze. Bisher plante die Stadt, für den Bau dieser Plätze, TPE oder EPDM-Granulate zu verwenden, doch diese Vorgehensweise muss nun überdacht werden. Denn die Europäische Chemieagentur hat der EU-Kommission vorgeschlagen, den Einsatz von Kunststoffgranulaten zur Verfüllung von Kunstrasenplätzen zu verbieten. Bisher bestanden die Granulate aus ausrangierten Autoreifen. Geht von diesem Granulat eine Gesundheitsgefahr für die NutzerInnen des Sportplatzes aus?
Die Stadt verwies bei bisherigen Diskussionen darauf, dass die Partikel des Einstreugranulates zu groß sind, um von SportlerInnen eingeatmet zu werden. Einen gesonderten Hinweis auf mögliche Gefahren sehe man daher nicht, hieß es in einer Vorlage für den Umweltausschuss. Das Oldenburger Klärwerk verfüge zudem über eine Schlussfiltration, die bis zu 97% des Mikroplastiks im Abwasser herausfiltern würde. Allerdings zeigt die Studie des Fraunhofer Institutes, dass insbesondere der Abrieb von Mikroplastik problematisch ist. Konkrete Studien zur Auswirkung von Mikroplastik existieren derweil noch nicht. Die WissenschaftlerInnen verweisen aber darauf, dass Mikroplastik ähnliche Wirkungen wie andere chemische Stoffe haben könnte, die von Menschen beispielsweise durch Pestizide aufgenommen werden. So seien Konsequenzen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hormonelle Veränderungen und Fettleibigkeit naheliegend.
Insgesamt geht es dabei nicht um geringe Mengen an Kunststoff. Schon ein einziger Kunstrasenplatz in der Größe eines Fußballfeldes beherbergt 100 Tonnen Kunststoffgranulat. Welche Alternativen gebe es zum Kunstrasen? Neben der Verfüllung mit Sand, könnten Kunstrasenplätze auch mit Kork verfüllt werden. Dieses wäre umweltfreundlicher, für Kork liegt jedoch noch keine Zertifizierung nach einer DIN-Norm vor. Eine andere Alternative wären Hybrid-Rasen. Hier wird Kunst- mit Naturrasen gemischt. Letztere Variante stellt aber in ökologischer, wie in spieltechnischer Sicht einen Kompromiss dar.

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