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Wochenzeitung DIABOLO:
Serie: Künstler von Hier: 11 Fragen an … Meike Dismer20.03.2019



interview und foto  |  Karin Peters

Gerade auch in der Trauerarbeit könne Kunst Unglaubliches bewirken, so ihre langjährige Erfahrung, „wo Worte fehlen, sprechen Bilder.“ Dismer ist 1965 in Gehrden bei Hannover geboren und zog 1992 nach Oldenburg. Hier begann die studierte Dipl. Chemie-Ingenieurin auch mit der Entwicklung von Naturfarben und Putzen, die sie später für Wandgestaltungen und  Bautenkunst nutzte. Für ihre eigenen Arbeiten verwendet sie am liebsten Eitempera, natürlich selbst angemischt aus Ei, Leinöl, Wasser, Baumharz und Farbpigmenten. Nach Ateliergemeinschaften am Waffenplatz und am Pferdemarkt ist die BBK-Künstlerin nun seit zwei Jahren superglücklich mit einem eigenen, fast 200 qm großen Atelier in der Bürgerstraße – zumal es auch genügend Raum für ihre Therapiearbeit und Workshops bietet. Ihre Bilder sind so vielgestaltig wie ihre Gefühle, „durch meine Malerei habe ich die Möglichkeit, mich auch mit sehr verletzlichen Anteilen der Welt zu zeigen.“

DIABOLO: Wie sind Sie zu Ihrer Kunst gekommen?
Dismer: Der künstlerische Zugang und das Talent sind mir gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. Meine Mutter betreibt Kunsthandwerk und Malerei seit ich denken kann. Mein eigener künstlerischer Werdegang führte mich von der Chemie-Ingenieurs-Technik über die Wandgestaltung und Wandmalerei zu meiner jetzigen kreativen Ausdrucksform, der Malerei. Gemeinsam ist allen Bereichen das experimentelle Arbeiten mit verschiedenen Materialien und Grundstoffen. So stellte ich immer meine eigenen Farben, Lasuren und Spachtelmassen her. Die Selbstherstellung der Farben nimmt bis heute sowohl für meine eigenen Arbeiten als auch in den von mir geleiteten Kunst-Workshops einen zentralen Stellenwert ein.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Dismer: Ich möchte mit meiner Kunst einen Dialog ermöglichen. Unaussprechliches sichtbar machen und über schwere Themen, wie z.B. Scham, Angst oder Einsamkeit ins Gespräch kommen.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Dismer: In meiner Kunst geht es insbesondere um menschliche Emotionen. Eines der zentralen Themen aus diesem Spektrum ist die „Trauer“. Trauer ist wie ein Fluss, der uns mitreißt und uns konfrontiert mit Angst, Einsamkeit und Schuld, mit Schmerz und Widerstand gegen all dies. Trauer ist ein Teil jeden Lebens, niemand lebt ohne Trauer und Verlust. Unser menschliches Dasein schließt diese Erfahrung unausweichlich mit ein, und doch ist es ebenso natürlich, sie vollständig vermeiden zu wollen. Trauerwege sind so verschieden wie das Leben selbst. Sie sind das Verlorensein in Einsamkeit ebenso wie das Getragensein im Miteinander. All dies drücke ich mit meiner Kunst aus, mal sichtbar mithilfe konkreter Bildsprache und mal indirekt durch abstrakte Gestaltung.
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Dismer: Ich arbeite im eigenen Atelier, im Atelier 95 nord, in der Bürgerstaße in Oldenburg. Insgesamt sind wir dort eine Künstlergemeinschaft von sechs Kunstschaffenden. Ich arbeite hauptsächlich mit selbst hergestellten Ei-Tempera Farben auf Leinwand. Hierbei ist der experimentelle, expressive künstlerische Arbeitsprozess von zentraler Bedeutung.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Dismer: Typisch für viele meiner Arbeiten ist der prozesshafte Charakter des Entstehens.  Ein Bild entwickelt sich über mehrere Wochen, manchmal sogar Jahre, in unterschiedlichen Schichten, die ich übereinander male. Dabei kann bereits Vorhandenes wieder übermalt oder aber bewahrt werden. Etwas Neues kommt hinzu und Etwas Altes wird verdeckt. Es ist wie das Leben selbst.
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Dismer: Die Anerkennung auf kommunaler, Landes- und Bundes-Ebene in Form von Preisen und Auszeichnungen, wie beispielsweise 2011 der 1. Preis Klima-Checker Hannover im Bereich Kulturelle Bildung oder die Nominierung für den BKM-Preis 2014 vom Bundesvorstand des Berufsverbandes für Bildende Künstler, Berlin. Eine andere Art Höhepunkt ist für mich der direkte Dialog mit den Besuchern bei Ausstellungseröffnungen oder im Atelier, wie beispielsweise bei den Offenen ARTEliers.
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Dismer: Mein aktuelles Projekt ist ein erlebnisorientiertes Kunstprojekt mit an Demenz erkrankten Menschen. Eine erste Ausstellung lief bis Ende Januar 2019 im Friedas-Frieden-Stift.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Dismer: Zu sehen ist meine Kunst in verschiedenen Gruppen- und Einzelausstellungen, bei den „Offenen ARTEliers“ und natürlich im Atelier 95 nord.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Dismer: Am erfolgreichsten fühle ich mich, wenn ich eine berührende Begegnung hatte oder wenn ich meine Bilder verkaufe. Beides macht mich glücklich.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstlerin in Oldenburg?
Dismer: Ich lebe und arbeite sehr gerne in Oldenburg, es ist seit fast 30 Jahren meine Wahlheimat. Es gibt viele tolle Kollegen und einen regen Austausch im Berufsverband Bildender Künstler, jedoch wenig Förderung und Unterstützung von Seiten der Stadt, zum Beispiel in Form von professionellen Ausstellungsmöglichkeiten. Ich glaube, dass die allgemein übliche Vorstellung vom Künstlerleben noch immer sehr idealisiert ist. Um meine Kunst zu finanzieren mache ich Kunstprojekte im Gefängnis, an Schulen, im Seniorenheim, im Hospiz und arbeite als Kunsttherapeutin. Da ist es manchmal nicht leicht, die Balance zu halten. Dennoch könnte ich mir keinen anderen Beruf vorstellen, der mich so erfüllt und zufrieden sein lässt.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Dismer: Eine kommunale Kunstgalerie für ortsansässige Künstler, das wäre toll.

Kontakt: www.meikedismer.com

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