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Wochenzeitung DIABOLO:
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Historikertag verabschiedet Resolution gegen Gefährdung der Demokratie11.10.2018

text  |  Christoph Kienemann

Zwischen dem 25. und 28. September 2018 fand an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster der 52. Deutsche Historikertag unter dem Motto „Gespaltene Gesellschaften“ statt. Mit seinen über 3.000 BesucherInnen ist der deutsche Historikertag der größte geisteswissenschaftliche Kongress in Europa. Mehr als 500 Referenten aus dem In- und Ausland tauschten sich in über 90 Sektionen zu aktuellen Forschungsthemen aus. Aufsehen erregte insbesondere eine Resolution des Historikertages gegen die Gefährdung der Demokratie.

Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein, kam der Geschichtswissenschaft die Rolle einer Leitwissenschaft zu. Aus angeblich historischen Tatsachen sollten Handlungsanweisungen für die Zukunft abgeleitet werden. So trug die Geschichtswissenschaft auch zu den katastrophalen Konflikten bei, die im Zeichen des Nationalismus die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts kennzeichneten. Erst nach 1945 setzte ein Umdenken ein, die Geschichtswissenschaft sollte nun nicht mehr konkrete Handlungsweisen vorgeben, sondern auf mögliche Entwicklungen hinweisen, die sich aus dem Studium der Vergangenheit ergeben könnten. Heute hat die Wirtschaftswissenschaft längst die Geschichtswissenschaft als Leitwissenschaft abgelöst. Historiker treten selten öffentlich in Erscheinung. Dennoch gab der 52.  Deutsche Historikertag ein aktuelles Thema und befasste sich in vielen Sektionen mit der aktuell beobachtbaren „Spaltung der Gesellschaft“. „Die historische Perspektive, die das vielfältige, nun vorliegende Programm entfaltet, kann zu den aktuellen Debatten fundierte Beiträge liefern, etwa zum Umgang mit Geflüchteten, Migranten und Migrantinnen, zur sozialen, ökonomischen und rechtlichen Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen bis hin zur Abschottung ganzer Gesellschaften“, so die Vorsitzende des VHD, Prof. Dr. Eva Schlotheuber.
Diskutiert wurde beispielsweise über Themen wie: „Die Komfortzone verlassen? Zur politischen Relevanz von Geschichtswissenschaft heute“ oder „Gefahr für die Demokratie? Die neue Rechte in Deutschland.“ Neben den wissenschaftlichen Sektionen bot der Historikertag Foren für die Digitale Geschichtswissenschaft, für SchülerInnen und LehrerInnen. Erstmals gab es ein Nachwuchsforum, für DoktorandInnen. Im Nachhinein sorgte jedoch die mehrheitlich verabschiedete Resolution gegen die Gefährdung der Demokratie für das meiste Aufsehen. „In Deutschland wie in zahlreichen anderen Ländern bedrohen derzeit maßlose Angriffe auf die demokratischen Institutionen die Grundlagen der politischen Ordnung. Als Historikerinnen und Historiker halten wir es für unsere Pflicht, vor diesen Gefährdungen zu warnen“, liest sich der Beginn der Resolution. Die HistorikerInnen wollen sich daher für eine historisch sensible Sprache einsetzen, so würden Begriffe wie „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ die antidemokratische Sprache der Zwischenkriegszeit wieder aufleben lassen. Die Erfahrungen der Weimarer Republik hätten zudem gezeigt, dass das Streben nach der Umsetzung eines „Volkswillens“ dem Nationalsozialismus den Weg geebnet habe. Insbesondere erklären die WissenschaftlerInnen der Diskriminierung von MigrantInnen eine Absage: „Migration ist eine historische Konstante. Ungeachtet aller mit ihr verbundenen Probleme hat sie die beteiligten Gesellschaften insgesamt bereichert – auch die deutsche. Deshalb ist auf eine aktive, von Pragmatismus getragene Migrations- und Integrationspolitik hinzuarbeiten, die sowohl die Menschenrechte als auch das Völkerrecht respektiert.“

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