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Wochenzeitung DIABOLO:
Serie: Künstler von Hier
11 Fragen an … Hannes Clauss27.09.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Serie: Künstler von Hier <br />11 Fragen an … Hannes Clauss

interview und foto  |  Karin Peters

Zugegeben, einfache Kost ist das nicht, was Hannes Clauss seinem Publikum präsentiert. Und festlegen lässt er sich  schon gar nicht! Ganz unbeeindruckt vom Mainstream verstößt der vielfach ausgezeichnete Jazz-Musiker und Maler mit Vergnügen gegen gängige, oft allzu träge Hör- und Sehgewohnheiten. Als Schlagzeuger liebt er die freie Improvisation und ätzt auch gern mal „das Fleisch der Musik bis auf die Knochen weg“ - ganz im Sinne seiner Band HCL, benannt nach der chemischen Formel für Salzsäure. Auch bildnerisch bedient er sich der künstlerischen Freiheit. Seine Werkreihen könnten unterschiedlicher kaum sein, jede ist auf ganz eigene Art neu erdacht, stilistisch und räumlich oft grenzüberschreitend. Seine Werke erfordern Offenheit und Toleranz. Eine Grundhaltung, die ihm wichtig ist. Der 1949 in Würzburg geborene Künstler engagiert sich in vielfacher Hinsicht für die Oldenburger Kulturszene. Er tritt mit mehreren Jazz-Bands auf, in Theater-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen und ist mit seinen Bildern überregional auf Ausstellungen zu sehen.  2006 wurde Hannes Clauss mit dem JazzIn-Preis des Landes Niedersachsen als herausragende Künstlerpersönlichkeit ausgezeichnet.

DIABOLO: Wie sind Sie zur Musik und Malerei gekommen?
Clauss: Schon als Kind habe ich viel und gerne gezeichnet und die Eltern waren im Arbeitergesangsverein, deshalb wurde im Elternhaus viel gesungen, getanzt und Musik gehört. In der Lehre zum Klischeeätzer und Farblithografen gehörte dann das Zeichnen zur Berufsausbildung. An der staatlichen Kunsthochschule Braunschweig studierte ich dann Bildende Kunst mit Meisterschülerabschluss bei Professor Roland Dörfler. Im Bereich der Musik besuchte ich die Jazzkurse in Remscheid und Burghausen. Es folgte dann noch ein Gasthörerstudium an der Musikhochschule Hannover und der Popularmusikstudiengang an der Musikhochschule Hamburg.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Clauss: Wichtig ist mir die Sensibilisierung der Sinne, sowohl beim Betrachter meiner Bilder und Objekte als auch beim Hörer meiner Musik. Damit geht auch eine Offenheit für Neues und Ungewohntes einher, was bei den jetzigen politischen Verhältnissen mit einem erstarkenden Rechtspopulismus, der das Fremde bekämpft und Abweichungen von der Norm verurteilt, eine wichtige Aufgabe von Kunst darstellt. In der improvisierten Musik werden außerdem auch andere, im positiven Fall herrschaftsfreie und demokratische Modelle des Miteinanders praktiziert, von der die Gesellschaft lernen kann.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Clauss: In meinem Oeuvre in der Bildenden Kunst gibt es verschiedenste Werkreihen. So beschäftige ich mich in meinen abstrakten Papierarbeiten mit der Materialerkundung von Papier, bei den „Menschlichen Facetten“ (s. Foto) liegt mein Augenmerk auf dem Spannungsverhältnis von Ratio und Emotion und der Ästhetik der Bildgestaltung. Bei den Stockbildern spielen das Licht, die Blickführung, die Verdeckung und die Bildraumerweiterung eine große Rolle. Die Arbeiten zum Thema Jazz orientieren sich zum Einen an Musikerpersönlichkeiten und zum Anderen an der Vortragsweise von Musik, die ihre Kraft durch Unverstelltheit und Ehrlichkeit gewinnt, was ich durch Zeichnungen in der Art wie Kinder dies tun versuche, zu verdeutlichen. Weiter ist das Gesicht ebenso Thema wie die Landschaft oder der Akt. In meiner musikalischen Arbeit bewege ich mich zwischen zeitgenössischem Jazz, Freejazz, improvisierter Musik und Artrock.
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Clauss: Ich arbeite täglich in meinem Atelier, wobei der Tag unterteilt ist in die Zeit für Bildnerisches Arbeiten, Üben und Organisation.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Clauss: Die Einteilung in Stilschubladen halte ich für kontraproduktiv und oft auch als ein Produkt des Marktes, eine Art Labelbildung, nach dem Motto: „Das ist doch der mit den verwischten Bildern“. Wobei die Suche nach dem persönlichen Ton oder Ausdruck für mich nicht unerheblich ist.
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Clauss: Ausstellungen in diversen Galerien, Kunstvereinen, auf Kulturfestivals und die Veröffentlichung meiner Arbeiten in den Reclambildbänden „Dichterbilder“ und „Wenn endlich Juli würde anstatt März“. In der Musik drei Afrikatourneen mit dem Goetheinstitut, mein New York-Aufenthalt und das Konzert mit dem Noctett von Joelle Leandre, die Frankreich-England-Irlandtournee mit Quartett & Brass und Auftritte mit großartigen Kollegen wie Albert Mangelsdorf, Urs Leimbruber, Vinko Globokar, Woody Shaw, Hans Joachim Hespos und vielen mehr.  
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Clauss: Köpfe, angeregt durch die Lektüre „Faces, eine Geschichte des Gesichts“, von Hans Belting.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst aktuell zu sehen beziehungsweise zu hören?
Clauss: Geplant ist eine Doppelausstellung mit Herbert Blazejewicz im Heuerhaus in Dötlingen, vom 18. August bis zum 6. Oktober 2019. Und am 16. November 2018 trete ich mit dem HCL-Ensemble und dem Maler Uwe Kirsch in der Reihe „Gehörgänge“ im Wilhelm 13 auf.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Clauss: Wenn ich Ideen gut umsetze, ein gelungenes Konzept gebe. Wenn ich die Leute mit meiner Kunst erreiche und bereichere. Das Entdecken von Neuem. Weniger der merkantile Erfolg wie Besucherzahlen, Verkaufszahlen.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstler in Oldenburg?
Clauss: Seit 1980 lebe und arbeite ich in Oldenburg und bin gut eingebunden in die Szene. Seit meinem Zuzug engagiere ich mich kulturpolitisch, zum Beispiel: Wiederbelebung der JMO  und Vorstandstätigkeit, Festivalorganisation von Nordjazzfestival Westerstede und Jazzenbloc, Kultursommer, Wilhelm 13, Gehörgänge. Ich arbeite mit bei KLANGPOL, JMO und BBK. Diese Organisationen haben durch ihre Kulturarbeit zu meinem Wohlbefinden als Künstler in der Stadt beigetragen. Mein eigenes Atelier und Haus, sowie meine kluge Frau und meine Töchter nicht minder! Leider vermisse ich in der Stadt einen Kulturdezernenten, eine vernünftige Kulturpolitik, bei der auch die örtlichen Künstler und kleinen Kulturinstitutionen ausreichend finanziell unterstützt werden. Ebenso wäre eine bessere Unterstützung durch die örtliche Presse in Form von Vorberichten und Besprechungen sehr hilfreich!
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Clauss: Der Erhalt der Demokratie und somit die Freiheit der Kunst. Love & Peace!

Kontakt: www.hcl-jazzart.de

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