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Wochenzeitung DIABOLO:
Serie: Künstler von Hier
11 Fragen an … Kerstin Kramer26.07.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Serie: Künstler von Hier <br />11 Fragen an … Kerstin Kramer

interview und foto  |  Karin Peters

Zuerst kommt bei ihr Farbe, großzügig, lustvoll und intuitiv auf die Leinwand geklatscht, am besten mit einem dicken Pinsel, dass es „tropft und läuft“.  Dann nackte Konturen, grob aber treffsicher, mit Stiften aller Art gezeichnet, gern auch mit dreckigem Wasser. All das in mehreren Schichten, übermalt, verdeckt und wieder hervorgekratzt. Alles ist in der Schwebe, die Figuren, der Hintergrund, die wechselnden Stimmungen. Und zwischendurch, wie aus einer Laune heraus, schwimmt irgendwo ein Fisch. Kerstin Kramer malt mit fast wütender Leidenschaft. Oft bis spät in die Nacht, weil sie tagsüber als Architektin arbeitet. Ihr Leben findet in Oldenburg und Friesoythe statt. Hier die quirlige Stadt, der Job, ein Atelier mit Bett und Bad, dort das kleine Häuschen ihrer Großeltern und der wilde Garten auf dem Lande. Die 1967 geborene Künstlerin ist mit ihren Bildern regelmäßig auf Ausstellungen im In- und Ausland vertreten. Und seit 2009 Mitglied im renommierten Bund Bildender Künstler, dem BBK.

DIABOLO: Wie sind Sie zur Malerei gekommen?
Kramer: Ich habe immer schon gern gemalt, als Kind Tapeten bekritzelt, als Schülerin alle möglichen Kurse besucht. Es musste niemand Überzeugungsarbeit leisten. Malerei war und ist ein Grundbedürfnis von mir.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Kramer: In erster Linie male ich für mich selbst. Inzwischen habe ich festgestellt, dass auch andere Menschen mit meinen Bildern etwas anfangen können. Wenn meine Kunst bewirkt, dass Menschen ihren Alltag mit neugierigen Augen betrachten, dann ist vieles erreicht! Mit einer positiven Einstellung lässt sich in vielen unscheinbaren Dingen etwas Schönes sehen.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Kramer: Ein Thema, das mich schon immer fasziniert hat, ist die Schwerelosigkeit von Körpern im Raum, zum Beispiel Dinge unter, im und auf dem  Wasser. Außerdem inspirieren mich menschliche Facetten und Befindlichkeiten. Vor allem auch der Umgang von Menschen miteinander, ob zu zweit oder in knäuelartigen Gruppen. Ein weiteres Thema sind Zelte als Ausdruck von temporärer Behausung. Sie bieten Schutz und Unterschlupf für Vieles, sind aber trotzdem leicht, luftig und beweglich, flexibel dort, wo man sie braucht.
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Kramer: Ich habe ein eigenes Atelier in Oldenburg, mit rundum weißen Oberflächen, inklusive dem Boden. Das bringt ein diffus helles Streulicht, gutes Licht zum Arbeiten. Der Raum liegt im Obergeschoss mit Dachschrägen und einer großen freien Malwand. Im Rücken steht ein großer Tisch mit allen Farben und Pinseln, immer griffbereit, dazu viele gesammelte Schnipsel zur Inspiration und als kompositorische Anregung.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Kramer: Die Bilder sind anfänglich recht schnell und intuitiv begonnen. Wäre ich eine Krake, würde ich mit allen acht Armen gleichzeitig malen. Dann gibt es Phasen, in denen das Bild „abhängt“ und ich entscheide, welche Schicht als nächstes aufgetragen wird, und so weiter...bis irgendwann das Bild sagt: Es reicht, es wird nicht besser...
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Kramer: Ich war am Staatstheater zweimal in die Gestaltung von Bühnenbildern für Konzerte involviert – 2004 mit zehn großformatigen Portraitarbeiten und 2014 mit der Auswahl von Videoprojektionen. Das ist eine andere Dimension, etwas für die Bühne zu schaffen, man muss noch viele weitere Ebenen berücksichtigen und in einen Gesamtkontext integrieren, eine große Herausforderung und ein Riesenspaß!
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Kramer: Gerade habe ich die Ausgestaltung für einen großen Büroraum abgeschlossen und eine eigene Bilderreihe mit Gedanken zur Firmenphilosophie entwickelt. Es ist nicht leicht, sich in die Belange einer Firma einzufühlen. Dem Auftraggeber hat es zum Glück gefallen.  
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Kramer: Bis Ende Juli läuft noch eine schöne Ausstellung im Kunstverein Norden, zusammen mit dem Oldenburger Künstler Thea Haasche und dem Lüneburger Bildhauer Ivo Gohsmann. Durchaus sehenswert, unsere erste gemeinsame Ausstellung und hoffentlich nicht die letzte.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Kramer: Erfolg zu haben bedeutet vielleicht in erster Linie Anerkennung der Dinge, die man tut. Zuspruch in Wort und Schrift, darüber freut sich, glaube ich, jeder. Wenn ich allerdings ganz bestimmte Bilder malen würde, nur um Erfolg zu haben, wäre das nicht mehr mein eigenes Ding. Ich male das, was ich muss. Und wenn etwas verkauft wird, freue ich mich ganz einfach darüber.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstlerin in Oldenburg?
Kramer: Momentan noch sehr gut, weil  stadtnah. Leider wird mein Atelier bald verschwinden, das Areal wird neu bebaut Ich suche in Zukunft weiterhin die Nähe der Stadt, möchte mittendrin sein und nicht, wie viele Andere, an die Stadtränder gedrängt werden,weil dort die Mieten bezahlbarer sind. Kunst und Kultur gehören mitten ins Herz einer Stadt jeder Größe und dafür sollten sich die Verantwortlichen einsetzen.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Kramer: Der Wunsch: Meine kreative Denkweise frei von alltäglichen Zwängen erhalten zu können. Der Plan: Ein großes, helles Atelierloft mit Weitblick, gerne am Wasser, zum Beispiel am Hafen, trotzdem mitten in der Stadt und am Puls der Zeit. Die Vision: Eine lange Zeit ohne Ablenkung konzentriert für die Kunst zu haben, es gäbe so viele Ideen…
Kontakt:kunst@kerstinkramer.de

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