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Serie: Künstler von Hier
11 Fragen an … Franziska Vondrlik13.05.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Serie: Künstler von Hier <br />11 Fragen an … Franziska Vondrlik

Wer sich in Oldenburg auch nur annähernd für darstellende Kunst interessiert, stolpert immer wieder über diesen schwer auszusprechenden aber einprägsamen Namen: Franziska Vondrlik. Ob als Schauspielerin, Vorleserin oder Chansonette, sie steigt mit Leib und Seele ein, bleibt dabei stets authentisch und leuchtet ihre Rollen mit echtem Tiefgang aus. „Gefühlt“ sei sie schon lange eine Oldenburgerin, sagt die 1961 in Kiel geborene Vollblutkünstlerin. Als Jugendliche zog sie mit ihren Eltern nach Huntlosen, absolvierte später eine Ausbildung zur Redakteurin und studierte  Kulturpädagogik in Hildesheim. Schließlich entschied sie sich aber doch für das freie Bühnenleben. Elfi Hoppe, die bekannte Oldenburger Kammerschauspielerin und die Jazzsängerin Maria del Fatima Reibeiro-Prazeres erwiesen sich dabei als fabelhafte Lehrmeisterinnen. Sie selbst gilt inzwischen längst als herausragende Größe der hiesigen Kulturszene. Unter anderem ist Franziska Vondrlik Mitbegründerin des Zimmertheaters „Orlando“ in Rastede. Heute tritt sie vor allen Dingen im Theater k der Kulturetage auf.  

DIABOLO: Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Vondrlik: Mein Schlüsselerlebnis hatte ich in der 3. Klasse. Ich war ein kleines, eher schüchternes Wesen, eine Leseratte, die brennend gern die Rolle der Prinzissin in „König Drosselbart“ übernommen hätte. Hat mir aber niemand zugetraut. Stattdessen bekam ich ein Gedicht: „Ich kann alles, sprach Hänschen“. Ich probte fleißig alleine, stattete mich mit der Prinz-Heinrich-Mütze meines Vaters aus und stand selbstbewusst als frecher Junge auf der Bühne. Alle waren verblüfft, vor allem wegen meiner plötzlich so lauten Stimme. Da habe ich „Blut geleckt“. Das war magische Selbstverwandlung.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Vondrlik: Für mich ist jede Vorstellung oder Lesung eine ziemlich unvorhersehbare Reise in eine intensive Gedanken- und Gefühlswelt. Ich lade die Menschen ein, sich auf diese Reise einzulassen. Da erlebt jeder seine eigenen Abenteuer – die können  zum Lachen sein oder zum Heulen, sie können Angst machen oder befreien. Wenn es plötzlich so einen inneren kleinen  elektrischen Schlag gibt, der aufweckt – das ist gut.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Vondrlik: Das ist schwer einzugrenzen, ich bin eine neugierige Viel-Leserin, da kommt man auf die unterschiedlichsten Dinge. Manchmal spricht mich ein Thema, eine Person oder eine Lebensgeschichte an, manchmal die Sprache. Ich lasse mich gerne entführen in eine fremde Welt, in ein anderes Ich. Durch meine Interpretation einer Rolle, eines Textes oder eines Liedes versuche ich, andere Menschen an meinen Entdeckungen teilhaben zu lassen.
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Vondrlik: Meine künstlerische Heimat ist das Theater der Kulturetage und natürlich das Literaturkabinett im Staublau am Hafen. Ansonsten bin ich frei. Meine Lese- oder Chanson-Programme entwickle ich durch Stöbern, intensives Lesen, Hören und Tagträumen. Dadurch entstehen Text- und Musik-Collagen, die dann gern zusammen mit Musikern weiterentwickle und umsetze. Die besten Ideen habe ich beim Spazierengehen oder in der Badewanne, nur fehlt mir da eigentlich immer ein Notizbuch. Ich lerne es nie...
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Vondrlik: Meine Mitstreiterin im Literaturkabinett, Uta Fleischmann, spricht manchmal vom „Verlebendigen“ eines Textes. Das ist mein Anspruch: Ich möchte Texte lebendig, als ausgesprochene Gedanken hörbar machen.
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Vondrlik: Die gemeinschaftliche intensive Arbeit am Theater ist immer ein Erlebnis, ich habe mit so vielen tollen Leuten gearbeitet. Das hat einen ganz eigenen Zauber. Als ein für mich sehr reiches Projekt empfinde ich den Abend mit Texten von Mascha Kaléko, „Was man so alles überlebt“, zu dem Marina Ruhl diese wunderbare Musik komponiert hat.
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Vondrlik: Derzeit arbeite ich mit Marina Ruhl an einem kleinen lyrisch-musikalischen Programm zum Thema Sommer. Da soll so etwas luftig Leichtes mit einem Schuss Sommernachtstraum-Magie herauskommen.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Vondrlik: Im Theater k der Kulturetage, auf kleinen Bühnen, im Literaturkabinett, im Staublau-Garten, in Bibliotheken, Cafés, Kneipen, Buchhandlungen, Ateliers, Kirchen, in Filmen, auf CDs, im Internet, im Gewächshaus bei Cordes, im Schlossgarten, wenn Sie wollen, auch in Ihrem Wohnzimmer. Ich mag es, wenn das Publikum sehr nahe ist.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Vondrlik: Das sagen wohl fast alle Künstler: Erfolgreich bin ich, wenn ich Menschen mit meiner Kunst berühre, wenn ich auf der Bühne in eine Art stummen Dialog mit ihnen komme. Das müssen keine Massen sein. Aber man freut sich natürlich über gute Nachfrage. Schließlich macht man das Ganze ja nicht nur zum Spaß.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstlerin in Oldenburg?
Vondrlik: Oldenburg ist gemütlich, für Künstler eigentlich zu gemütlich. Aber ich lebe und arbeite gerne hier. Wenn die Oldenburger eine Künstlerin in ihr Herz geschlossen haben, sind sie sehr treu. Für die freie Szene gibt es hier viele Möglichkeiten, allerdings scheitert so manches freie Projekt an fehlender Unterstützung. Experimente haben es hier nicht leicht, in Oldenburg neigt man mehr zum Bekannten. Da bleibt sicher einiges auf der Strecke.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Vondrlik: Das Thema Hörbuch bekommt mehr Raum...der Rest ist geheim. Über ungelegte Eier spreche ich nicht gern.

interview und foto  |  Karin Peters

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