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Filme im Kino

MoX Kino Tipps KW1218.03.2026













Texte: Horst E. Wegener


Pillion
Irland/GB ´25; R: Harry Lighton. Ab 26.3. Wertung: ***** Bild: Element Picturex


Tagsüber erstellt Colin (Melling) Strafzettel, abends tritt er als Teil eines Amateurgesangsquartetts im Barbershop-Outfit auf – so auch an diesem Weihnachtsabend im lokalen Pub. Dabei fällt dem schüchternen Schlaks im Publikum ein imposantes Mannsbild in Ledermontur (Skarsgard) auf. Und nachdem ihm der Biker einen Zettel zukommen lässt, auf dem nurmehr Uhrzeit und Ort sermerkt sind, fasst Colin sich ein Herz, schaut an besagtem Treffpunkt vorbei, um vom Date zum Niederknieen vor dessen geöffneter Hose genötigt zu werden. Was sich als einmaliger Quickie in einer dunklen Gasse hätte erweisen können, entwickelt sich überraschenderweise zu mehr. Bald steckt der bis dahin noch bei seinen Eltern wohnende Colin in einer Sado-Maso-Beziehung mit dem coolen Macho Ray fest, dem er mit Begeisterung alle Wünsche erfüllt. Als dessen Sklave zieht Colin bei dem Anführer eines queeren Motorrad-Clubs ein, muss auf dem Boden schlafen, sich erniedrigen lassen. Doch irgendwann begehrt der Schlaks auf, will zumindest einmal die Woche ebenfalls ins Bett überwechseln, fordert Zärtlichkeiten von seinem Gebieter. Und um seine Forderungen zu unterstreichen, krallt Sklave Colin sich das geheilige Motorrad des Machos, haut er damit ab. Gelingt es ihm, auf diesem Weg seine Beziehung zu Ray künftig neu zu ordnen?Regiedebütant Harry Lighton inszeniert die auf einer Romanvorlage beruhende Geschichte ohne falsche Scheu oder Effekthascherei. Statt uns moralisierend zu kommen und seine Figuren vorzuführen, beobachtet er intensiv, wie es sich wohl anfühlen mag, die Kontrolle abzugeben. Dabei interessiert ihn vor allem jener Kipp-Punkt, ab dem Hingabe in Unzufriedenheit überwechselt. Schauspieler Harry Melling macht derweil deutlich, dass sein Colin keineswegs als Rays Opfer betrachtet werden sollte, sondern als jemand, der in der SM-Beziehung aufblüht, nachdem er etwas findet, das ihm entspricht. Nicht nur, dass die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmig ausgeleuchtet wird und man die queere Szene auch den Heteros im Kinosaal näherbringt, ohne dem Publikum einen voyeuristischen Blickwinkel aufzuzwingen – „Pillion“ punktet vor allem als Liebesgeschichte, die sich traut, unbequem zu bleiben, erzählt von Hingabe, Macht und dem Mut, sich neu zu entdecken. Unterm Strich: Das gelungene Spielfilmdebüt eines Regisseurs, dessen weitere Karriere wir definitiv im Auge behalten sollten.  
D: Alexander Skarsgard, Harry Melling, Douglas Hodge, Lesley Sharp, Anthony Welsh.


Der Astronaut – Projekt Hail Mary
USA ´26; R: Phil Lord und Christopher Miller. Ab 19.3. Vorankündigung Bild: Amazon MGM
Es dauert ein Weilchen, bis es Ryland Grace (Gosling) nach dem Aufwachen bruchstückhaft wieder einfällt, weshalb er ausgerechnet in einem Raumschiff zu sich kommt - Lichtjahre von der Erde entfernt im Tau-Ceti-System. Da daheim die Sonne zu erlöschen droht, was für die gesamte Menschheit das Ende bedeuten würde, hat sich der Molekularbiologe auf eine Art Himmelfahrtskommando eingelassen, in den Weiten des Weltalls jene mysteriöse Substanz aufzuspüren, von der man annimmt, dass sie der Auslöser dieses Sonnensterbe-Prozesses sein dürfte – und sie zu entschlüsseln. Von der Erde aus koordiniert die ESA-Mitarbeiterin Eva Stratt (Hüller) die Weltraum-Mission mit der Bezeichnung Project Hail Mary, während Grace im Raumschiff fern der Heimat die ungewöhnlichsten Lösungsansätze durchdenkt, um die Katastrophe abzuwenden. Als dann ein Außerirdischer unverhofft im All auftaucht, entwickelt sich das Aufeinandertreffen des Astronauten mit dem Alien nicht nur denkbar harmonisch, sondern es zeigt sich obendrein, dass der von Grace auf den Namen Rocky getauften netten Kreatur das Problem mit der absterbenden Sonne bekannt ist. Hat Rocky einen Lösungsweg parat? Viel Zeit bleibt nicht…Die sündteure Hollywood-Produktion, mainstream-trächtig mit den Stars Ryan Gosling und Sandra Hüller besetzt, adaptiert einen Roman von Andy Weir, und ist nach „Der Marsianer“ und „Artemis“ bereits die dritte Verfilmung eines Sci-Fi-Bestsellers des US-Autoren; man darf gespannt sein.
D: Ryan Gosling, Sandra Hüller, Lionel Boyce. Ken Leung, Milana Vayntrub, James Ortiz.


DJ Ahmet
Nordmazedonien/ Tschechien/ Serbien/ Kroatien ´25; R: Georgi M. Vukovski. Ab 19.3. Wertung: **** Bild: Cinema Futura
Ahmet (Jakup) wächst in einem nordmazedonischen Bergdorf als Sohn eines Schafhirten auf. Er muss dem Vater (Mehmet) zur Hand gehen, weshalb das Tiere hüten für den 15-Jährigen mittlerweile ständig mehr Gewicht bekommt als die gewohnte Schul-Präsenz. Zudem ist da auch noch Ahmets jüngerer Bruder Naim (Agushev), der seit dem Tod ihrer Mutter das Reden eingestellt hat – und um den sich der Ältere ebenfalls kümmert. Kleine Fluchten aus dem strapaziösen Alltag gönnt der 15-Jährige sich, indem er über seine In-Ear-Kopfhörer Technomusik aus dem Internet lädt. Obwohl es in dem entlegenen Kaff weder verlässlich Internet geschweige denn eine Disco oder einen Club gibt, träumt Ahmet davon, ein DJ sein zu können. Immerhin lässt sich sein Talent, mit Mucke andere Jugendliche zu unterhalten, dazu benutzen, um das Herz Ayas (Zlatanova) zu erobern. Die Angebetete ist aus dem fernen Deutschland ins Heimatdorf ihres Vaters abgeordnet worden, um eine arrangierte Ehe einzugehen. Nachvollziehbar, dass sie alles tut, um dem ihr versprochenen Mann zu entgehen – und musikalisch liegt sie mit dem gleichaltrigen Ahmet auf ein und derselben Wellenlänge. Andererseits erweisen sich dörfliche Traditionen als Hemmnis, liegen zwischen der Außenseiter-Familie Ahmets und Ayas Sippschaft Welten…
Mit präzisen Alltagsbeobachtungen und wohldosierter Sozialkritik leuchtet Regisseur Georgi M. Vukovski sein Portrait einer Jugend zwischen Pflicht und Aufbruch aus. Glaubwürdig besetzt, authentisch gespielt, sehenswert.
D: Arif Jakup, Agush Agusgev, Dora Akan Zlatanova, Aksel Mehmet, Selpin Kerim.


Is this Thing on?
USA ´25; R: Bradley Cooper. Ab 19. 3. Wertung: **** Bild: Searchlight Pictures
Die Ehe der Novaks hat sich ganz allmählich in einer Sackgasse festgefahren, ohne dass es Alex (Arnett) oder Tess (Dern) jahrelang wahrhaben wollten. Doch mittlerweile ist das Paar endgültig an jenem Punkt angelangt, die Notwendigkeit einer anstehenden Scheidung zu akzeptieren. Während er zudem seine Midlife-Crisis krampfhaft als Stand-up-Comedian auf der Bühne in Kunst zu verwandeln sucht, beklagt seine künftige Ex all die Opfer, die sie aus ihrer Sicht über Jahre hinweg für einen funktionierenden Familienalltag gebracht hat. Ihr Ziel: Sich endlich auszuleben.  Trotzdem müssen sich Alex und Tess auch darüber unterhalten, wie man die Dad- und Mom-Zeit mit den Söhnen nach der Scheidung gerecht aufteilt oder sich in Hinblick auf all die gemeinsamen Freunde und Bekannten verhalten mag…
Regisseur Bradley Cooper weiß als Schauspielergröße Hollywoods, wie man darstellerische Topleistungen abruft – und er erweist sich als Filmemacher erneut als einfühlsamer Beobachter des Zwischenmenschlichen.
D: Will Arnett, Laura Dern, Andra Day, Bradley Cooper, Christine Ebersole.


Blue Moon
USA/ Irland ´25; R: Richard Linklater. Ab 26.3. Wertung: **** Bild:Sony Pictures Entertainment
Gemeinsam mit dem Komponisten Richard Rodgers (Scott) hat Texter Lorenz Hart (Hawke) zahlreiche Songklassiker ersonnen, darunter „Isn´t it Romantic?“, „The Lady is a Tramp“, „My funny Valentine“ oder „Blue Moon“. Doch nach Jahrzehnten, in denen das Künstlerduo die zeitlosesten Jazz- und Musical-Hits aus den Ärmeln schüttelte, bricht mit dem 31. März 1943 eine neue Ära an. Die Uraufführung von Rodgers neuestem Geniestreich „Oklahoma!“ ist für diesen Abend angesetzt – und Texter Hart flieht aus der laufenden Vorstellung in jene nahe Bar, in der hernach die Premierenfeier steigen soll. Dass die Songtexte zu „Oklahoma“ zum allerersten Mal seit 24 Jahren nicht aus seiner Feder stammen, sondern vom Konkurrenten Oscar Hammerstein II zugeliefert wurden, lässt Hart nach ein paar Drinks lechzen. Und kaum ist er im Promi-Laden Sardi´s angekommen, beginnt der Texter über die Trivialität der Story von „Oklahoma!“ zu lästern, sich über Rodgers angebliche Undankbarkeit ihm gegenüber zu ereifern sowie die allgemeine Ungerechtigkeit des Daseins zu beklagen. Als unfreiwillige Zuhörer dieser verbalen Tiraden müssen der stoische Barkeeper Eddie (Cannavale), ein Klavierspielender US-Soldat auf Urlaub und ein Schreiberling herhalten, in dem der einen Drink nach dem nächsten kippende Schwafler nach einiger Zeit den Essayisten E.B. White (Kennedy) erkennt. Wenig später taucht dann auch noch die Schauspielaspirantin Elizabeth Weiland  (Qualley) auf, die von der Schnapsdrossel zwar protegiert wird, aber es vor allem darauf anlegt, in Kontakt mit Komponist Rodgers kommen zu können. Obwohl Hart mit Elizabeth flirtet, ist seine Homosexualität in Broadway-Kreisen ein offenes Geheimnis; mit dem Eintreffen der ersten Premierengäste inklusive der unisono Applaus spendenden Kritiker ahnt Rodgers früherer Duo-Partner endgültig, dass es ein Fehler war, die Mitarbeit an „Oklahoma!“ zu verweigern. Denn eigentlich hätte er wie gewohnt die Songtexte beisteuern sollen, stand sich aber mal wieder selbst im Weg. Und nur wenige Monate nach diesem Abend wird Hart sterben - mit gerademal 48 Jahren.  
Dem fünffach Oscar-nominierten Richard Linklater gelingt eine dialoglastige Hommage auf eine früh verstorbene Broadway-Musical-Größe – und „Blue Moon“ entpuppt sich als hervorragend besetzte Kammerspiel-Dramödie über die Liebe, das Leben und Enttäuschungen.
D: Ethan Hawke, Margaret Qualley, Bobby Cannavale, Andrew Scott, Patrick Kennedy.


They will kill you
USA ´26; R: Kirill Sokolov. Ab 26.3. Wertung: *** Bild: Warner Bros
Ex-Knacki Asia (Beetz) will in New York neu durchstarten. Und mit der Zusage, als Haushälterin arbeiten zu können, ist zumindest die Aussicht auf eine zweite Chance vorhanden. Doch dann entpuppt sich das Hochhaus, in dem Asia ihre Stelle antritt, als ein Ort, an dem über die Jahre hinweg immer wieder Neuankömmlinge spurlos verschwanden. Eine Sekte lebt hier ihren dämonischen Kult aus, inklusive Menschenopfer – und die neue Haushälterin ist als das nächste Opfer auserkoren. In einer alles entscheidenden Nacht flüchtet die Ahnungslose durch ein Labyrinth von Verstecken und findet sich in einem Überlebenskampf wieder, der in Sachen Slasher-Horror kaum Wünsche offenlässt. Nichts für sensible Kinogänger.
D: Zazie Beetz, Myha´la, Paterson Joseph, Tom Felton, Heather Graham, Patricia Arquette.

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