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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW1004.03.2026













Texte: Horst E. Wegener


Gelbe Briefe
Deutschland/ Frankreich/ Türkei `26; R: Ilker Catak. Ab 5.3. Wertung: **** Bild: Alamode Film


Für einen Außenstehenden gehen Derya (Namal) und Aziz (Bicer) als intellektuelles Traumpaar par excellence durch: Sie wird am wichtigsten Theater Ankaras als Schauspielstar gefeiert, er liefert dieser Bühne nicht nur als Dramaturg vielbeachtete Stücke zu, sondern unterrichtet obendrein an der Universität der Millionenstadt. Tochter Ezgi (Cabas), dreizehn Jahre jung, kann der Arbeit ihrer Eltern zwar nichts abgewinnen, nimmt die daraus resultierenden Annehmlichkeiten aber gern an. Dass sich das politische Klima im Land zusehends verschärft, blenden ihre Eltern für sich ab, solange das irgendwie geht – immerhin haben sie sich in ihrer jeweiligen Disziplin an ein privilegiertes Leben mehr als gewöhnt. Dabei ist es lediglich eine Frage der Zeit, wie lange sich links orientierte Intellektuelle aus allem raushalten können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Denn die Staatsmacht zieht die Daumenschrauben sowohl im Kultur- als auch im Wissenschaftsbereich weiter an: Es kommt der Tag, an dem man Aziz wie viele seiner Kollegen an der Hochschule ohne Angaben von Gründen beurlaubt. Sein neues Stück, in dem Derya die Hauptrolle spielt, wird nach der umjubelten Premiere abgesetzt, und der Star steht ohne Engagement da. In der Folge kann die Familie ihr gewohnt wohlstandssattes Leben samt teurer Altbauwohnung immer weniger aufrecht erhalten, obendrein wird man vom Vermieter darüber informiert, dass den die Polizei mit der Behauptung konfrontiert habe, er gewähre in seinem Haus Terroristen und Verrätern Unterschlupf. Der Familienrat beschließt zu Aziz´ Mutter nach Istanbul zu ziehen. Dort angekommen lässt sich Derya auf eine Rolle an der Winzbühne eines früheren Kollegen ein, während ihr Ehemann einen Job als Taxifahrer antritt – und die Tochter sich rebellisch zeigt.
Indem der Film zwar in der Türkei spielt, aber sichtbar in Deutschland gedreht wurde - mit Berlin als Ankara und Hamburg als Istanbul -, überführt der damit einhergehende Verfremdungseffekt diese „Gelbe Briefe“-Problematik zwar in eine universelle Geschichte, baut den Kunstgriff aber bis ins Finale nicht weiter aus, da hier ein Konflikt mit der abgängigen Tochter in den Vordergrund drängt. Dass Cataks Familiendrama trotz derlei überflüssiger Handlungsstränge mit einer stimmigen Besetzung und glaubwürdigen Dialogen punkten kann, war der diesjährigen Berlinale-Jury unter Vorsitz von Regie-Altmeister Wim Wenders gleichwohl die Goldene Bären-Trophäe wert.
D: Özgü Namali, Tansu Bicer, Leyla Smyrna Cabas, Ipek Bilgin, Aydin Isik, Yusuf Akgün.




The Chronology of Water
Frankreich/ Lettland/ USA ´25; R: Kristen Stewart. Ab 5.3. Wertung: ****
Bild: eksystent


In ihrem Debüt als Filmemacherin nimmt sich die frühere Blockbuster-Schauspielerin Kristen Stewart, deren Karriere mit der „Twilight“-Saga auf Touren kam und einen verblüffenden Verlauf über ihre Prinzessin Di-Verkörperung im Arthaus-Biopic „Spencer“ bis zur queeren Indie-Thriller-Romanze „Love lies bleeding“ nahm, um jetzt in den logisch erscheinenden nächsten Schritt zur Regie einzumünden. „The Chronology of Water“ basiert auf den gleichnamigen Memoiren der ehemaligen Schwimmerin und späteren Schriftstellerin Lidia Yukanavitch, die in jungen Jahren von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde und der dank eines Schwimmstipendiums irgendwann der Absprung von zuhause gelang. Drogen- und Alkoholmissbrauch, Beziehungsfrust sowie eine Fehlgeburt säumten den weiteren Lebensweg der jungen Frau. Eine Möglichkeit, den bösen Geistern der Vergangenheit die Stirn zu bieten, fand Lidia im Schreiben.
Stewart arbeitet assoziativ, schaltet in der Überlebensgeschichte zwischen Kindheits-erinnerungen und Erwachsenwerden ihrer Hauptfigur unentwegt hin und her. Unvergesslich wie Imogen Poots sich als Lidia im Erwachsenenalter die Seele aus dem Leib spielt.
D: Imogen Poots, Anna Wittowsky, Jim Belushi, Susannah Flood, Michael Epp, Thora Birch, Charlie Carrick, Tom Sturridge.




Chronos – Fluss der Zeit
Deutschland ´25; R: Volker Koepp. Ab 12.3. Wertung: *****
Bild: Salzgeber & Co. Medien GmbH


Sarmatien, so nennt man seit Urzeiten jene Region zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, die Putin in Zusammenhang mit seinen Allmachtsphantasien einem stoisch herbei fabulierten Großrussischen Reich gern einverleiben würde. Längst erscheinen Reisen durch Teile von Sarmatien uns Westlern undenkbar, seit sich die Russen hier festgesetzt haben. Und so musste Dokumentarfilmer Volker Koepp, dem die Menschen dieser kriegs- und krisengeplagten Vielvölker-Region bereits mehrere filmische Arbeiten wert waren, neben den in den 2020er Jahren erneut gewagten Expeditionen für die Erinnerungs-Doku „Chronos – Fluss der Zeit“ teils auf eigenes Archivmaterial zurückgreifen.
Eigentlich wollte Volker Koepp schon 2019 erneut die Landstriche rechts und links der Memel aufsuchen, um festzuhalten, wie sie sich seit seiner ersten Erkundung 1972 verändert haben. Doch nach der Annexion der Krim, nach Corona und durch die sogenannte militärische Spezialoperation immer wieder aufs Neue ausgebremst, überarbeitete der Doku-Filmer sein Langzeit-Projekt kurzerhand, indem er manche Weggefährten aus früheren Sarmatien-Dokus dann eben in Deutschland traf. Gemeinsam wird in „Chronos – Fluss der Zeit“ Bilanz gezogen, die Gegenwart beurteilt und in die Zukunft geblickt. Man hofft mit den kriegsgebeutelten Menschen aus Koepps Lieblings-Landschaft auf Frieden – angesichts der gegenwärtigen Lage ein zugegebenermaßen eher frommer Wunsch.
Doku




Good Luck, Have Fun, Don’t Die
USA/ Deutschland ´25; R: Gore Verbinski.
Ab 12.3.
Bild: Constantin Film


„Hey, das ist kein Überfall, ich komme aus der Zukunft“, blökt dieser wie ein abgefuckter Penner ausschauende Typ (Rockwell) in die Runde, kaum dass er ein Diner in downtown Los Angeles betreten hat. Doch sein Ansinnen, dass er auf der Suche nach ein paar ganz speziellen Mitstreitern vor Ort umgehend fündig werden müsse, um die Menschheit vor ihrer drohenden Versklavung durch eine K.I. zu bewahren, stößt zunächst auf wenig Interesse. Erst jener umgeschnallte Sprengstoffgürtel des Wirrkopfs, verbunden mit der motivierenden Drohung, notfalls den gesamten Laden in die Luft zu jagen, zeigt Wirkung. Während vorm Restaurant die Cops aufmarschieren, schart der vermeintliche Spinner fünf mehr oder weniger Willige für die anstehende Endzeit-Rettungsmission um sich – darunter zwei Lehrer (Pena und Beetz), die an ihrer Schule gerade mal wieder einen Amoklauf miterleben mussten, eine Mutter (Temple), deren Sohn die Schießerei nicht überlebt hat, eine junge Frau (Richardson), der jegliche elektronischen Gerätschaften verhasst sind, sowie ein Uber-Fahrer (Chaudhry). Die zusammengewürfelte Truppe stürzt sich in ein dystopisches Abenteuer, das nach Bekunden ihres Anführers aus der Zukunft dessen 117. Versuch darstellt. Mit anderen Worten: Die bisherigen Anläufe sind allesamt noch vorm Ziel gescheitert. Verfolgt von den Cops, zwei maskierten Killern, Handy-fixierten Zombie-Kids und einer schier allmächtigen Super-Intelligenz gilt es einen Neunjährigen (Wilkinson-Hunt) aufzuspüren, noch bevor der Computer-Nerd jene K.I. erschaffen kann, die die Welt in den Untergang stürzen wird. Gore Verbinski, bekannt unter anderem für die ersten drei Filme aus der „Fluch der Karibik“-Reihe, realisierte den Genre-Kracher „Good Luck…“ mit Mini-Budget in Südafrika. Für seine filmisch wenig subtil servierte Warnung, die Dinge nicht durch eine Künstliche Superintelligenz außer Kontrolle geraten zu lassen, trommelt der Action-Filmer eine sehenswert durchgeknallte Besetzung zusammen, hangelt sich von einer schrillen Idee zur nächsten – und liefert ein explosives Anti-Terminator-Spektakel ab, bei dem uns das Lachen immer mal wieder im Halse stecken bleibt.
D: Nader Abd Alhay, Majd Eid, Ramzi Maqdisi, Issaq Elias.


The Bride! – Es lebe die Braut
USA ´25; R: Maggie Gyllenhaal.
Ab 12.3. Vorankündigung
Bild: Warner Bros. Ent.


In den 1930er Jahren sucht Frankensteins Monster (Bale) in Chicago die Wissenschaftlerin Dr. Euphronius (Bening) auf, damit sie ihm eine Gefährtin erschaffe. Gemeinsam erwählt man daraufhin eine ermordete junge Frau (Buckley) als künftige Braut des Bittstellers, erweckt sie zum Leben – und das Ergebnis übertrifft sämtliche Erwartungen seitens Dr. Euphronius´ und ihres Klienten. Zwischen Braut und Bräutigam entspinnt sich alsbald eine wilde Romanze, bei der geltende Regeln ignoriert werden. Es bleibt nicht aus, dass sich die Cops an die Fersen des ungestümen Liebespaares heften…
Bis in die Nebenrollen top besetztes, bilderwuchtiges Remake des Literatur- und Film-Klassikers.
D: Jessie Buckley, Christian Bale, Annette Bening, Peter Sarsgaard, Penelope Cruz, Jake Gyllenhaal.


The Testament of Ann Lee
USA/ GB/ Schweden/ Norwegen ´25; R: Mona Fastvold. Ab 12.3.
Wertung: **** Bild: [font=montserrat, Arial, sans-serif] [/font][font=montserrat, Arial, sans-serif]Searchlight Pictures[/font]


Im englischen Manchester des 18. Jahrhunderts zeigt sich die kleine Ann Lee schon früh von jeglicher Körperlichkeit und vom unüberhörbaren Sex der Eltern im Nachbarschlafzimmer angeekelt, findet aber im Glauben Halt. Älter werdend durchleidet die Tochter eines Schmieds vier frühe Kindstote – und schließt sich einer freikirchlichen Gruppe an, von der sie alsbald zur Führerin gewählt wird. Soziale Ausgrenzung lässt die tief Gläubige dann in ihrer Heimat die Zelte abbrechen und als Anführerin der später sogenannten Shaker-Glaubensgemeinschaft ihr Glück in der Neuen Welt suchen.
Mona Fastvold, Ehefrau des „Der Brutalist“-Regisseurs Brady Corbet, überführt ihr Portrait der Gründerin der Shaker-Bewegung in Nordamerika als Mix aus Musical und Historiendrama in eine hypnotische Bewegungsstudie, die sich in Bewegung, Gesang, kollektive Hingabe, religiöse Ekstase entlädt – und vertraut auf Amanda Seyfried, deren Ann Lee-Präsenz uns in den Film unweigerlich hineinzieht.  
D: Amanda Seyfried, Lewis Pullman, Thomasin McKenzie, Stacy Martin, Christopher Abbott.

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