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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW0421.01.2026













Texte: Horst E. Wegener

Hamnet
GB/ USA ´25: R: Chloé Zhao. Ab 22.1. Wertung: ***** Bild: Focus Features LLC

England im 16. Jahrhundert: Dass Bauerntochter Agnes (Buckley) im nahen Städtchen Stratford-upon-Avon ihrer Naturverbundenheit wegen als Waldhexe verschrien ist, ficht den jungen Ortslehrer Will (Mescal) nicht an. Es funkt zwischen den beiden – und der allseits anhaltende Unmut über ihre Beziehung ist dem Liebespaar egal. Erst nach der Heirat ihres Sohnes mit Agnes und der Geburt von deren Töchterchen Susanna entspannt sich das Verhältnis von Wills Mutter Mary (Watson) zur Schwiegertochter. Die ist bald wieder schwanger, diesmal mit den Zwillingen Judith und Hamnet. Und da ihr auffällt, wie sehr ihr Mann darunter leidet, im unrentablen Handwerksbetrieb seines Vaters mitarbeiten zu müssen, bestärkt Agnes den Möchtegern-Fabulierer darin, in London sein Glück als Dramatiker anzugehen. Wills Karriere am Theater nimmt Fahrt auf, weshalb er zusehends seltener in Stratford-upon-Avon bei Agnes und den Kindern vorbeischaut. Zwar bleibt er ein liebevoller Vater und Ehemann, ist aber abwesend als sein Sprössling Hamnet (Jupe) mit elf der im Land wütenden Pest zum Opfer fällt.
Die aus China stammende Regisseurin und Wahlamerikanerin Chloé Zhao, Oscar-prämiert für „Nomadland“, adaptiert einen Romanbestseller – und interpretiert die familiäre Vorgeschichte von William Shakespeares Bühnenklassiker „Hamlet“ aus dem Blickwinkel von Agnes, deren Liebe zu ihrem Mann überm Tod des Elfjährigen zugrunde zu gehen droht. Herausragend geschauspielert, hochemotional, berührend, ohne je sentimental zu werden – ein Muss fürs Bildungsbürgerkinopublikum.
D: Paul Mescal, Jessica Buckley, Joe Alwyn, Emily Watson, David Wilmot, Jacobi Jupe, Olivia Lynes, Bodhi Rae Breathnoch.

Mercy
USA ´25: R: Timur Bekmambetov. Ab 22.1. Vorankündigung  Bild: Sony Pictures

Im Amerika der nahen Zukunft entscheidet eine KI-generierte Justiz über Recht und Gesetz. Ganze neunzig Minuten wird den Beschuldigten vor Gericht zugestanden, ihre Unschuld zu beweisen. Und sofern es den Angeklagten in dieser Zeitspanne nicht gelingen sollte, dies den Richtern gegenüber überzeugend zu vertreten, werden sie verurteilt, in Mordfällen umgehend mit dem Tod bestraft. Chris Raven (Pratt) ist ein engagierter Verfechter des dystopischen Verurteilungsprozesses – bis er selbst in die digitalisierten Mühlen des Gesetzes gerät. Weil er unter Verdacht steht, seine Frau ermordet zu haben, landet auch Raven auf dem heißen Stuhl der Wahrheit, mit KI-Richterin Maddox (Ferguson) als Gegenspielerin. Anderthalb Stunden lang kämpft und redet sich der Cop um sein Leben, sucht in Erinnerungen und archivierten Aufnahmen nach jedem kleinsten Detail, das seine Unschuld beweisen könnte.
„Night Watch“-Filmer Timur Bekmambetov serviert mit seinem Sci-Fi-Thriller „Mercy“ einen Aperitif für eine Welt, in der die grenzenlose Kunst der Künstlichkeit menschliche Fähigkeiten zunehmend eliminiert.
D: Chris Pratt, Rebecca Ferguson, Annabelle Wallis, Kylie Rogers, Chris Sullivan.

Die Stimme von Hind Rajab
Tunesien/ Frankreich ´25: R: Kaouther Ben Hania. Ab 22.1. Wertung: **** Bild: Jour2Fête

Januar 2024 - in der Notrufzentrale des Roten Halbmond geht ein Hilferuf ein: Ein palästinensisches Mädchen meldet sich am anderen Ende der Leitung, telefoniert aus einem zerschossenen Auto heraus, das in Gaza-Stadt ins Visier der israelischen Militärs geraten ist. Keiner aus dem Kreis ihrer Familie habe den Kugelhagel der Angreifer überlebt, berichtet die Anruferin – keiner, mit Ausnahme von ihr selbst. Nun hofft die von ihren toten Verwandten umringte Fünfjährige auf Rettung durch Mitglieder der Hilfsorganisation. Die Sanitäter des Roten Halbmond halten über die Leitstelle den Kontakt zum verängstigten Kind aufrecht und versuchen Hind Rajab in einem dramatischen Wettlauf gegen die gnadenlos tickende Zeit aufzuspüren. Doch man kommt zu spät.
Die kammerspielartige Fokussierung auf die Mitarbeiter in der Notrufzentrale des Roten Halbmond, die mit Hind nurmehr telefonieren und dazu verdammt sind, als Zeugen der sich zuspitzenden Ereignisse nie direkt eingreifen zu können, dramatisieren das auf realen Ereignissen basierende Geschehen, unterstreichen die mit Händen zu greifende quälende Hilflosigkeit. Schweißtreibend!
D: Amer Hiehel, Clara Khoury, Saja Kilani, Motaz Malhees.

Die drei ??? – Toteninsel
Deutschland ´26: R: Tim Dünschede.  Ab 22.1. Vorankündigung  Bild: Wiedemann und Berg Film GmbH

Die Sommerferien haben begonnen und Justus Jonas (Weckauf), Peter Shaw (Wendt) und Bob Andrews (Brandl), allseits bekannt als Die drei ??? planen eigentlich einen abwechslungsreichen Roadtrip. Doch dann klingelt in der Zentrale das Telefon – und das Detektiv-Trio muss nicht allzu lange überlegen, ob man den neuen Fall übernehmen mag. Bald recherchieren die drei Jungs dem Archäologie-Professor Phoenix (Pietschmann) hinterher, der mit seinem Assistenten Olin (Schümann) illegale Ausgrabungen durchführt und die so gefundenen Kunstschätze über einen Geheimbund namens Sphinx unter der Hand verkauft. Es wird schnell klar, dass Phoenix kurz vor einem Trip zur geheimnisumwitterten Vulkaninsel Makatao steht. Die Sphinx-Expedition gilt der dort gelegenen Ruhestätte eines uralten Volkes, die ungebetene Besucher mithilfe eines Fluchs bislang erfolgreich abschrecken konnten: Niemand, der ihre Insel betreten sollte, hat seither das Eiland lebend verlassen können. Kein Wunder also, dass Makatao auch unterm Namen Toteninsel bekannt ist. Was also hofft Phoenix vor Ort zu finden? Und inwieweit ist der erfolgreiche Unternehmer Joseph Saito Hadden (Kluth) an der Sphinx-Expedition beteiligt? Fragen über Frage – die im Rahmen der dritten Neuverfilmung eines der beliebten „Drei ???“-Bücher und Hörspiele von den Jungdetektiven aus Kalifornien geklärt werden dürften.
D: Julius Weckauf, Nevio Wendt, Levi Brandl, Jördis Triebel, Momo Beier, Andreas Pietschmann, Jannik Schümann, Florian Lukas.

Little trouble Girls
Slowenien/ Italien/ Kroatien/ Serbien ´25: R: Urska Djukic. Ab 29.1. Wertung: **** Bild: Spok Films

Auf Wunsch ihrer Mutter tritt Lucija (Ostan) dem Mädchenchor ihrer katholischen Schule bei. Die introvertierte 16-Jährige lernt dort die allseits beliebte, zwei Jahre ältere, lebenslustige Ana-Maria (Svajger) kennen. Und obwohl die beiden Mädchen total unterschiedlich veranlagt sind, schließen sie in kürzester Zeit Freundschaft miteinander. Im Rahmen eines sommerlichen Chorprobenwochenendes, das die Klassen in einem ländlichen Kloster zubringen, wird die Nähe zwischen Lucija und Ana-Maria jedoch insoweit auf die Probe gestellt, als die jüngere der beiden sich in einen älteren Mann verguckt, der als Restaurator im Kloster arbeitet. Mit Hilfe ihrer Freundin beginnt Lucija die eigene Sexualität zu entdecken, steckt jedoch bald in einem schier unauflösbaren Dilemma fest, dass sie sich sowohl zu dem attraktiven Mannsbild als auch zu Ana-Maria hingezogen fühlt. Soll sie die ihr von klein auf eingetrichterten Werte und ihren Glauben infrage stellen? Auf jeden Fall droht für Lucija die Harmonie im Chor und die einigermaßen mühsam errungene Freundschaft zu all den anderen Mädchen zu zerbrechen.
„Little trouble Girls“ ist beileibe nicht der erste Spielfilm, der das sexuelle Erwachen eines Teenagers mit religiös einengenden Überzeugungen und Traditionshörigkeit verknüpft. Gleichwohl gelingt der slowenischen Filmemacherin Urska Djukic mit ihrem Spielfilmregiedebüt auch dank der überragend schauspielernden Hauptdarstellerinnen Jara Sofija Ostan und Mina Svajger ein betont weiblicher, lesbischer, jugendlicher Blick auf das Thema, der überzeugt.
D: Jara Sofija Ostan, Mina Svajger, Sasa Tabakovic, Natasa Burger, Stasa Popovic, Mateja Strle.

Die progressiven Nostalgiker
Frankreich/ Belgien ´25: R: Vinciane Millereau. Ab 22.1. Wertung: *** Bild: Les Films du 24
Michel Dupuis (Bourdon) fühlt sich pudelwohl im Pariser Vorortidyll des Jahres 1958: Als Bankangestellter ist er zuständig für all die an ihn herangetragenen Unternehmerkredite, was ihm die Macht gibt, jenen nach seiner Meinung von Hallodris per Kreditwunsch beantragte spinnerte Visionen die Zustimmung verweigern zu können. Zuhause wird Dupuis von seiner Ehefrau Hélène (Zylberstein) umsorgt, die sich zudem aufopferungsvoll um ihre beiden gemeinsamen Kinder kümmert. Der Schock trifft die erzkonservativen Alten ins Mark, als ihnen klar wird, dass Töchterchen Jeanne (Le Borgne) schwanger ist! Um jeglichen Skandal im Vorfeld auszubremsen, führt nach Ansicht des Herrn Papa an einer Muss-Heirat der 18-Jährigen kein Weg vorbei. Derweil ist Jeannes Mama weiterhin wild entschlossen, sich den Aufbau und Anschluss der von ihr bei einem Preisausschreiben gewonnenen Waschmaschine nicht von ihrer besseren Hälfte untersagen zu lassen: Nie mehr Unterhosen schrubben auf dem Waschbrett – da bleibt Hélène stur!  Ein nächtlicher Streit im Waschkeller zwischen ihr und Michel endet dann damit, dass die beiden Alten vom Schlag getroffen werden und sie der Kurzschluss ins Jahr 2025, und dort in eine Art Paralleluniversum katapultiert: Hier haben die Dupuis ebenfalls zwei Kinder gleichen Alters, ist das Umfeld fast gleichgeblieben – lediglich die Rollen von Michel und Hélène sind vertauscht. Was für den Herrn Banker bedeutet, dass er arbeitslos und somit zum Hausmann degradiert ist, während sie ab sofort die Regionalfiliale seiner Bank leiten darf. Der Depuis-Sprössling Lucien (Foster) hat sich vom bebrillten Außenseiter zum langhaarigen Skateborder gewandelt und Tochter Jeanne plant die Heirat mit ihrer algerischen Freundin. Da das Leben mit Smartphone und Internet für alle um Michel und Hélène Depuis herum normal ist, fremdeln nur sie mit dieser ungewohnten Hightech-Welt. Während sich Michels aufblühende bessere Hälfte recht schnell berappelt, und sie die Vorzüge, die der modernen Frau den Alltag heutzutage angenehmer gestaltet, bald nicht mehr missen mag, verheddert er sich hoffnungslos im Smart Home-Universum und fühlt sich zurecht aus der Zeit gefallen.  Früher war alles besser: Von wegen! Spielfilmregiedebütantin Vinciane Millereau nutzt das Zeitreise-Genre, um Patriarchat, Nationalismus und Technik-Hass kalauernd auf die Schippe zu nehmen.  Ein netter, bisweilen arg harmloser Mainstream-Jux für jung und alt.
D: Elsa Zylberstein, Didier Bourdon, Mathilde Le Borgne, Aurore Clément, Didier Flamand, Maxim Foster.

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