direkte Antwort ohne Umwege!
Kleinanzeigen
Filme im Kino
MoX Kino-Tipps KW4505.11.2025
The Secret Agent
Brasilien/ Frankreich/ Niederlande/ Deutschland `25: R: Kleber Mendonca Filho. Ab 6.11.
Wertung: **** Bild: Cinema Scópio
Brasilien zu Zeiten der Militärdiktatur in den 1970ern: Ausgestattet mit falschen Papieren hat sich Marcelo (Moura), der eigentlich anders heißt, die Karnevalswoche 1977 ausgeguckt, um möglichst unbehelligt in die Küstenstadt Recife reisen zu können. Dort will der Heimkehrer einerseits den Verbleib seiner schon länger verschollenen Mutter aufklären. Andererseits drängt es ihn, den eigenen Sohn Fernando (Nunes) endlich wiederzusehen, der seit dem plötzlichen Tod von Marcelos Ehefrau Fatima (Carvalho) bei deren Eltern untergekommen ist. Als Technologieexperte hatte sich der Vater des kleinen Fernando mit seinen Forschungstätigkeiten einst bei einem mächtigen Wirtschaftsboss so unbeliebt gemacht, dass er um sein Leben fürchten und untertauchen musste. Erneut dauert es nicht allzu lange, bis der Rückkehrer sich in jenem immer enger zuziehenden Netz aus Überwachung, Korruption, Misstrauen und Verfolgung zu verheddern droht – dabei geht es der Regie weniger um den alltäglichen Terror als solchen, sondern vor allem um jene Unverfrorenheit, mit der Polizei und lokale Behörden agieren oder sogar ganz dreist mit Auftragskillern zusammenarbeiten. Wie schon Walter Salles „Für immer hier“, Preisträger des diesjährigen Auslands-Oscars, der diese Schreckenszeit in Brasiliens Historie anhand einer realen Geschichte durchleuchtet, inszeniert jetzt auch Indie-Filmer Kleber Mendonca Filho mit „The Secret Agent“ eine größtenteils in jener Spätphase der Militärdiktatur spielende Geschichte, die gleichwohl fiktiv auf mehreren Zeitebenen abläuft, und zu einem vertrackt konstruierten, glaubwürdig geschauspielerten Paranoiathriller verdichtet wird. Im Frühjahr völlig zurecht preisgekrönt in Cannes.
D: Wagner Moura, Enzo Nunes, Maria Fernanda Candido, Gabriel Leone, Carlos Francisco, Alice Carvalho, Roberio Diogenes, Hermila Guedes, Udo Kier.
Die, my Love
USA ´25: R: Lynne Ramsay. Ab 13.11. Vorankündigung Bild: MUBI
Für das ineinander verliebte New Yorker Pärchen Grace (Lawrence) und Jackson (Pattinson) kommt die Erbschaft unverhofft, aber scheinbar zur rechten Zeit: Da sie der Großstadt beide überdrüssig sind, böte die Möglichkeit, in das Haus von Jacksons verstorbenem Onkel einzuziehen, ihr endlich die ersehnte Ruhe, um sich aufs Schreiben zu konzentrieren, während er verstärkt Musik machen könnte. Dass das Häuschen im ländlichen Montana nicht nur stark renovierungsbedürftig ist, sondern auch extrem abgelegen liegt, stört die Liebenden zunächst kein bisschen. Da fließt der Alkohol in Strömen, fällt der Sex rauschhaft aus – und die Musik kann gnadenlos bis zum Anschlag aufgedreht werden. Doch dann bekommen sie ihr erstes Baby - und Grace ist mitnichten bereit, sich in die von der Gesellschaft vorgegebene Rolle der sorgenden Mutter zu fügen. Jackson kommt mit den Stimmungsschwankungen seiner Liebsten nicht klar, weshalb er sich eine Arbeit außer Haus sucht – und das Heimkommen immer öfter herauszögert. Was die vereinsamte Grace erst recht ausflippen lässt. Während Filmerin Lynne Ramsay ihr Portrait einer über die Stränge schlagenden Hausfrau und Mutter und deren Partner mit Hollywoodstar Jennifer Lawrence und Robert Pattinson kassenträchtig besetzt, ist´s ihr ein Anliegen, konsequent auf Graces Seite zu bleiben. Ihrem „Szenen einer Ehe“-Drama liegt eine preisgekrönte Bestsellervorlage zugrunde, zur Welturaufführung im Wettbewerb von Cannes war die internationale Festivalkritik sowohl von der Regisseurin als auch von der über ihre Grenzen gehenden Schauspielerin Lawrence begeistert. Wir sind´s gespannt!
D: Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield, Sissy Spacek, Nick Nolte.
How to make a killing
Frankreich/ Belgien ´25: R: Franck Dubosc. Ab 13.11. Wertung: **** Bild: Julien Panié
Im französisch-schweizerischen Grenzgebiet des Juragebirges ist kurz vor Weihnachten auf der verschneiten Landstraße noch weniger als sonst los, als vor Michels Pick-up unverhofft ein Bär auftaucht. Dem Vierbeiner kann der Fahrzeuglenker (Dubosc) zwar ausweichen, um dann in einen am Straßenrand geparkten Wagen zu crashen. Fatal, dass dabei sowohl eine im Auto sitzende Frau als auch ihr draußen unglücklich stürzender Begleiter zu Tode kommen. Der Schock beim Lenker des Pick-ups ist groß, lässt ihn spontan Reißaus nehmen, während sich Meister Petz ebenfalls trollt. Statt nun bei der Polizei vorzusprechen schildert Michel nur Cathy (Calamy), seiner besseren Hälfte, den Unfallhergang. Und nachdem die ihren Mann überreden kann, den Unfallort gemeinsam erneut aufzusuchen, findet man unweit vom Unglücksort einen dritten Toten, der auf seiner Flucht vor dem im Wald herumstromernden Bären jäh in den sich plötzlich auftuenden Abgrund stürzte. Im Kofferraum des gecrashten Wagens entdecken Michel und Cathy eine Tasche mit jeder Menge Bargeld nebst Pistole – woraufhin das Paar beschließt, die Kohle zu behalten. Da sie den Unfallhergang reichlich dilettantisch vertuschen, gewinnt Regisseur, Drehbuch-Koautor und Hauptdarsteller Franck Dubosc seiner Provinzgroteske Thrill ab, indem er klar macht, dass die Unfallopfer Teil eines Drogenschmugglerrings waren, deren Hintermänner mitnichten gewillt sind, den Inhalt der verschwundenen Tasche abzuschreiben. Nicht nur, dass diese Finsterlinge dem Ehepaar auf die Spur kommen, auch die sich in die Ermittlungen einschaltende Polizei unter Major Roland Bodin (Poelvoorde) lässt nicht locker. Trotz der amoralischen Entscheidungen des hochverschuldeten Weihnachtsbaumverkäufers Michel liegen die Sympathien der Regie unübersehbar bei ihm und seiner Ehefrau, unterfüttert „How to make a Killing“-Filmer Dubosc seinen Plot mit lakonischen Dialogen, absurden Wendungen, erinnert die Handlung oft an Szenarios der Coen-Brüdern.
D: Franck Dubosc, Laure Calamy, Benoît Poelvoorde, Joséphine de Meaux, Kim Higelin.
The Change
USA ´25: R: Jan Komasa. Ab 6.11. Wertung: **** Bild: Tobis
Ellen (Lane) und Paul Taylor (Chandler) haben sich zu ihrem 25. Hochzeitstag Gäste ins repräsentative Anwesen vor den Toren Washingtons geladen. Man merkt auf den ersten Blick, wie gut es den beiden geht: Sie verkörpert als liberale Politikprofessorin das klassische US-Bildungsbürgerpublikum, er steht als Chefkoch seinem eigenen Gourmetrestaurant vor. Auch ihre vier längst erwachsenen Kinder sind beim Empfang mit von der Partie – was Josh (O`Brien), der Älteste, dazu nutzt, den Geschwistern Anna (Brewer), Cynthia (Deutch) und Birdie (Grace) sowie den Eltern seine neue Freundin Liz (Dynevor) vorzustellen. Schnell wird es Ellen klar, auf wen sich ihr Sohn da eingelassen hat: Eine frühere Studentin aus den Seminaren seiner Mutter, die mit radikal-antidemokratischen Thesen solange provozierte, bis sie der Uni verwiesen wurde. Auf ihren damaligen Ansichten aufbauend, schrieb Liz hernach das Buch „The Change“, das als Leitfaden für ein faschistisches Amerika im Verlauf weniger Jahre die Abschaffung des Rechtsstaats in God´s own country einleitet. Die damit einhergehenden Veränderungen verbannen die Taylors zusehends mehr ins Abseits. Die Regie bringt uns die politisch-familiäre Entwicklung anhand von Jahrestreffen bei Ellen und Paul näher, zertrümmert die Hoffnung des gutgläubigen Familienoberhaupts, der im Unterschied zu seiner besseren Hälfte in Bezug auf Liz zu lange die Meinung vertritt, dass sich Menschen ändern können. Jene Abwärtsspirale, die für Demokraten wie die liberalen Taylors das Überwechseln vom sich im Licht sonnen hin zum Eintauchen in anhaltende Finsternis bedeutet, setzt Filmer Jan Komasa als eindringliche Warnung ein: Mit seiner pessimistischen Sicht auf die aktuell unübersehbare Abkehr der Vereinigten Staaten von der Demokratie unterstreicht „The Change“, wie wichtig es ist, sich wachsam gegenüber Demagogen und Populisten aufzustellen. Wehret den Anfängen!
D: Diane Lane, Kyle Chandler, Zoe Deutch, Dylan O´Brien, Phoebe Dynevor, Mckenna Grace, Madeline Brewer.
Mission: Mäusejagd – Chaos unterm Weihnachtsbaum
Norwegen ´25: R: Henrik Martin Dahlsbakken. Ab 6.11. Wertung: *** Bild: Sola Media
Dass ihm die Tante das Häuschen im norwegischen Nirgendwo vererbt hat, begreift Familienoberhaupt Peter (Hagan) als Fingerzeig, mit seiner besseren Hälfte Sara (Khorami), Töchterchen Ane (Fagerli) und Söhnchen Mikkel (Eide) das bevorstehende Weihnachtsfest hier begehen zu wollen. Obwohl er in früheren Zeiten zum Besuch bei der spendablen Erbtante oft dachte, es spuke im Häuschen, kommt ihm dieses Gefühl nach der Ankunft jetzt wieder sehr schnell in den Sinn. Verantwortlich für den Spuk ist die Mäusefamilie um Vater Rasmus, die das eigentlich leerstehende Haus als das ihrige betrachtet – und sich in ihren Plänen, ein friedliches Weihnachtsfest feiern zu wollen, gestört sieht. Da sämtliche Versuche der Nager, die Eindringlinge zu vertreiben, nur dazu führen, dass man sich wehrt, setzt eine Gewaltspirale ein, die cartoonhaft überzogen inszeniert wird. Regisseur Henrik Martin Dahlsbakken zitiert einschlägige Vorbilder vom Weihnachtsklassiker „Kevin – Allein zu Haus“ bis hin zu Actionfilmen à la „Gremlins“ oder „Mission: Impossible“, erweist sich gleichzeitig in der aufkeimenden Freundschaft zwischen Mausmädchen Lea und dem Jüngsten der menschlichen Eindringlinge, Mikkel, als interessiert an einer familientauglichen Vorweihnachts-Kinomär, ohne die Akzentverschiebung dahin durchzuhalten.
D: Sara Khorami, Pål Sverre Hagan, Flo Fagerli, Vegard Strand Eide.
Dann passiert das Leben
Deutschland ´25: R: Neele Leana Vollmer. Ab 6.11. Wertung: *** Bild: Majestic/ Danile Gottschalk
Es war wohl noch nie eine gute Idee für ein seit einer gefühlten Ewigkeit miteinander verheiratetes Ehepaar, sich im Auto während der Fahrt in einen Streit hineinzusteigern: Spät nachts bei strömendem Regen und schlechter Sicht! Und so kippt der schon vorher frostige Ehealltag um in bleierne Tristesse. Warum sie sich überhaupt noch aneinandergebunden fühlen, ist weder der ständig müden Krankenschwester Rita (Engelke) noch dem kurz vor der Pensionierung stehenden Schuldirektor Hans (Tukur) klar – soll einem „Dann passiert das Leben“ ohnehin nicht vermitteln. Sofern wir uns das immer mal wieder erhoffen, verweigert sich die präzise beobachtende Regisseurin Neele Leana Vollmer derlei „Es ist nie zu spät“-Gefühlskinoerkenntnis konsequent. Ihre deprimierende These, dass manche Paare vom Leben nicht viel mehr erwarten dürften, als nebeneinander zu erstarren, wirft zwingend die Frage auf: Mag ja sein, aber will man das sehen?
D: Anke Engelke, Ulrich Tukur, Lukas Rüppel, Maria Hofstätter, Markus Hering.

















