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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW 3527.08.2025













Texte: Horst E. Wegener


In die Sonne schauen
Deutschland ´25: R: Mascha Schilinski. Ab 28.8. Wertung: ***** Bild: Studio Zentral
Über den Zeitraum eines ganzen Jahrhunderts hinweg spürt „In die Sonne schauen“ dem Schicksal von vier jungen Frauen nach, deren Leben rätselhafterweise miteinander verknüpft zu sein scheint: Sowohl Alma (Heckt), Erika (Drinda), Angelika (Urzendowsky) als auch Nelly (Braun), sie alle wachsen auf einem abgeschiedenen Vierseitenhof im Norden von Sachsen-Anhalt auf, erleben dort ihre Kindheit oder Jugend – mal in den 1910er-Jahren, den 1940ern, den 1980ern sowie in den 2020ern. Während das filmische Mehrgenerationenportrait der Jungfilmerin Mascha Schilinski die Viere dabei beobachtet, wie sie durch ihre jeweilige Gegenwart streifen, setzen den Mädchen verschüttete Geheimnisse von früher, unausgesprochene Ängste oder verdrängte Traumata mächtig zu. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg entdeckt die siebenjährige Alma etwa ein Foto ihrer toten, früh verstorbenen Schwester – und indem dem Kind klar wird, dass man ihr Almas Vornamen verpasst hat, überkommen die Siebenjährige Ängste, ebenfalls früh sterben zu müssen. Jahre später ist´s dann an Erika, während des Zweiten Weltkriegs über die Beinamputation ihres bettlägerigen Onkels Fritz erotisch zu tagträumen. Zu Zeiten der DDR in den 1980ern erregt dann die erwachende Sexualität von Erikas Nichte Angelika hingegen dann sowohl deren strengen Onkel als auch ihren Cousin. Und in den 2020ern komplettiert Nelly den Mädels-Schicksalsreigen, die aus Berlin kommend auf dem heruntergekommenen Hof in der Altmark lebt. Während ihre Eltern über umfangreichen Renovierungsmaßnahmen brüten, suchen merkwürdige Träume die scheinbar wohlbehütet Aufwachsende heim, deren Inhalte zusehends Echos der Vergangenheit spiegeln. Als sich ein tragisches Ereignis auf dem Vierseitenhof wiederholt, geraten die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart endgültig ins Wanken – doch schon vorher springt die Regie zwischen den Erlebnissen ihrer vier Mädchen unentwegt hin und her. Seitdem „In die Sonne schauen“ im Frühjahr in Cannes gezeigt wurde, dort den Preis der Jury zugesprochen bekam, gilt die zuvor kaum bekannte Regisseurin Mascha Schilinski, deren Debütfilm „Die Tochter“ 2017 noch in der Berlinale-Nachwuchsreihe Perspektive Deutsches Kino lief, bei der internationalen Fachkritik als künftige Weltklassefilmerin, deren poetisches Meisterwerk jetzt endlich in den Kinos hierzulande bestaunt werden darf.
D: Lena Urzendowsky, Laeni Geiseler, Hanna Heckt, Lea Drinda, Luise Heyer, Susanne Wuest.



Wenn der Herbst naht
Frankreich ´25: R: Francois Ozon. Ab 28.8. wertung: **** Bild: France 2 Cinema
Die Wohnung im hektischen Paris hat Rentnerin Michelle (Vincent) bereits der Tochter vererbt, um es sich am ausgeguckten Ruhesitz in der verschlafenen Kleinstadt irgendwo in der Bourgogne nett machen zu können. Dort genießt der Großstadtflüchtling den stressfreien Alltag im hübschen Häuschen, das Arbeiten im eigenen Garten und die Plaudereien mit der langjährigen Freundin Marie Claude (Balasko), die gleich um die Ecke wohnt. Die Herbstferien nahen – und Michelles Tochter Valérie (Sagnier) will aus Paris anreisen und ihren kleinen Sohn bei der Oma parken, so dass Enkel Lucas (Erlos) ein paar Tage Landluft schnuppern darf. Da das Verhältnis zwischen Valérie und ihrer Mutter seit ewigen Zeiten gestört ist, geht es Michelles Tochter bei Gesprächen längst nur noch darum, nach Geld zu fragen oder darauf zu drängen, dass die Alte ihr über die Pariser Wohnung hinaus doch eigentlich auch noch das Grundstück in der Bourgogne überlassen sollte. Lucas Oma blendet das stets aus und freut sich lieber über den anstehenden Besuch des geliebten Enkels. Allerdings gerät die Lage außer Kontrolle, nachdem Michelles Tochter kurz nach ihrer Ankunft mit Lucas das von Oma aufgetischte Mittagessen kein bisschen verträgt. Mit einer Pilzvergiftung landet Valérie in der Notaufnahme, wo man ihr den Magen auspumpt. So untröstlich sich ihre Mutter hernach gibt, die Tochter wird fuchsteufelswild, verbietet Michelle den Enkel künftig sehen zu dürfen – und entschwindet mit Lucas postwendend gen Paris. Als sich Tage später der Sohn von Michelles Busenfreundin Marie Claude vermittelnd einschalten will, indem er bei Valérie in Paris vorbeischaut, endet das Gespräch der beiden mit einem Sturz von Michelles Tochter vom Balkon. Ob Unfall oder Nachhilfe durch den gerade erst aus dem Knast entlassenen Vincent (Lottin) ist eine der Fragen, aus der Regisseur Francois Ozon seine beinahe-Krimihandlung entwickelt. Obwohl er sich nie so recht zwischen schwermütigem Familiendrama, schwarzer Komödie und Unmoral entscheiden mag, macht es vor allem einen Heidenspaß, den beiden Schauspieler-Legenden Hélène Vincent und Josiane Balasko zuzusehen. Kurzum: unterhaltsam.  
D: Hélène Vincent, Josiane Balasko, Pierre Lottin, Garlan Erlos, Ludivine Sagnier, Malik Zidi.



Caught Stealing
USA ´25: R: Darren Aronofsky. Ab 28.8. Vorankündigung Bild: CTMG
Zu Highschool-Zeiten galt Hank Thompson (Butler) noch als großes, vielversprechendes Baseball-Talent, doch dann sprach er dem Alkohol eindeutig zu sehr zu – und wurde abhängig. Jahre später ist der Traum vom Baseballspielen ausgeträumt, jobbt der New Yorker in den 1990ern als Barkeeper im Szeneviertel der Lower East Side. Das Chaos kündigt sich an, nachdem Hank von Punker Russ (Smith) aus einem der Apartments nebenan gebeten wird, ein paar Tage auf dessen Katze aufzupassen. Was der sich hilfsbereit gebende Wohnungsnachbar nicht ahnt, dass man ihm mit dem Stubentiger auch einen Schlüssel überantwortet, hinter dem sowohl ein sadistischer Cop, russische Mobster, ein Killer aus Samoa sowie weitere Psychos her sind. Alsbald stehen dem ahnungslosen Barkeeper schmerzvolle Begegnungen ins Haus, in deren Verlauf Hank mit nahezu allen Gangsterbanden der Stadt aneinandergerät. Um seine neue Freundin Yvonne (Kravitz) zu beeindrucken, wächst er ein ums andere Mal über sich hinaus. Und somit nimmt ein schweißtreibendes Katz-und-Maus-Spiel vor den Kulissen der Großstadt Fahrt auf. Top besetzter Actioner von Regieprofi Darren Aronofsky.
D: Austin Butler, Regina King, Zoe Kravitz, Matt Smith, Liev Schreiber, Bad Bunny.


Die Gangster-Gang 2
USA ´25: R: Pierre Perifel/J.P. Sans. Ab 28.8. Wertung: *** Bild: Dreamworks Animation
Erinnert sich noch jemand an das Auftaktabenteuer der tierischen Gangster-Gang? Wenn nicht: macht nix! Im Nachfolge-Animationsfilm erledigt die Bande zwar gleich zu Beginn einen Job in Kairo, indem sie erfolgreich ein Auto klauen, verwüstet man auf der Flucht dann aber so ziemlich alles, was sich einem in den Weg stellt. Anscheinend beschließen Wolf, Piranha, Hai, Schlange und Tarantel, es in der Folge ein Stück weit ruhiger anzugehen: In Los Angeles, wo sie mit ehrlicher Arbeit über die Runden kommen wollen, wird die Chaos-Gang allerdings überall als ex-kriminell erkannt, kann man sich irgendwann nur noch Dosenravioli zum Abendessen leisten. Obendrein lassen sich die Fünfe von einer weiblichen Bande hereinlegen und zum Mittun bei einem Coup nötigen, den die Mädels alleine nicht gebacken kriegen. So tempoforciert uns die Geschichte schon bis dahin vom Animationsteam um Strippenzieher Pierre Perifel durchbuchstabiert wurde, drückt die Regie jetzt erst recht aufs Gaspedal, bis uns das Hören und Sehen vergeht. Die Animation der DreamWorks-Spezialisten fällt gewohnt fabelhaft aus, dennoch dürfte man im Publikum lange vorm Abspann etwas weniger Hektik und Lärm herbeisehnen. Ein frommer Wunsch; und schlussendlich verrät einem das Finale: Teil III ist in Arbeit.  
Animationsfilm


Die Rosenschlacht
GB/USA ´25: R: Jay Roach. Ab 28.8. Vorankündigung Bild: Searchlight Pictures
Ivy (Colman) und Theo Rose (Cumberbatch) führen von außen betrachtet eine Bilderbuchehe. Beide sind sie in ihren Berufen erfolgreich, haben großartige Kinder in die Welt gesetzt und genießen nach wie vor äußerst befriedigenden Sex. Doch dann erleidet Theo beruflichen Schiffbruch, während Ivys Karriere weiter steil geht – woraufhin sich unweigerlich Risse in der Fassade des idealen Familienlebens zeigen. Zuerst fliegen nur verbal die Fetzen. Dann entlädt sich der Ehekrach zusehends mehr in gnadenlosen Anschlägen auf das Leben des jeweiligen Gegenübers… Ältere Semester erinnern sich noch bestens an die von Danny DeVito anno 1989 inszenierte Krawallorgie, bei der das Starduo Michael Douglas und Kathleen Turner ihren Zoff in „Der Rosenkrieg“ zuletzt unterm abstürzenden Kronleuchter begruben. In Jay Roachs Remake dürfen sich nun Benedict Cumberbatch alias Theo und Olivia Colman alias Ivy dazu berufen fühlen, vor unser aller Augen durchzuexerzieren, welche gewalttätigen Exzesse schal gewordenes Eheglück und unverhoffter beruflicher Konkurrenzdruck verursachen können.
D: Benedict Cumberbatch, Olivia Colman, Andy Samberg, Kate McKinnon, Allison Janney.


22 Bahnen
Deutschland ´25: R: Mia Maariel Meyer. Ab 4.9. Wertung: **** Bild: Constantin Filmverleih
Tildas (Wendler) Tagesablauf ist total durchstrukturiert: Sie studiert Mathe, arbeitet nebenher an der Supermarktkasse, kümmert sich um die kleine Schwester Ida (Baier) – und muss obendrein die alkoholkranke Mutter (Tonke) im Auge behalten. Als einzige Ablenkung in dem öden Kaff, dem ihre einstigen Schulkameradinnen nach dem Abi bedenkenlos Lebewohl sagen mochten, empfindet die Dableiberin die Freizeit im Freibad, in dem sie in schönster Regelmäßigkeit ihre 22 Bahnen schwimmt. Ganz unerwartet stellt sich dann mit einem Mal wieder Viktor (Niewöhner) im Bad ein, ein Bekannter aus Tildas längst verdrängten Teenagerjahren. Nicht nur, dass dieser gutaussehende Typ ebenfalls seine exakt 22 Bahnen schwimmt, taucht er bald auch an der Supermarktkasse oder nach einer Party wie zufällig an der Seite der sich begehrenswert Fühlenden auf, was bei der Umworbenen trotzdem die Erinnerung an einen einst tragisch verlaufenden Tag heraufbeschwört. Zudem erhält Tilda ein vielversprechenden Jobangebot für eine Promotion in Berlin, das ihr eine Zukunft in Freiheit verspricht – weshalb sie sich entscheiden muss. Kann Idas große Schwester die Zehnjährige soweit fit machen, dass die allein mit der absturzgefährdeten Mutter klarkäme? Man muss die Bestsellervorlage nicht gelesen haben, um Tildas Abwägen spannend und das Verhältnis der beiden Schwestern zu ihrer Chaos-Mama nachvollziehbar interpretiert empfinden zu können. Obendrein bleibt einem auch Laura Tonkes Tour de force-Muttertier-Schauspielerei im Gedächtnis, fesselt der Film mit einer stimmig eingefangenen Atmosphäre von Tildas Sommer der Entscheidungen im Provinzkaff.
D: Luna Wendler, Zoe Baier, Jannis Niewöhner, Laura Tonke.

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