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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW3313.08.2025













Texte: Horst E. Wegener


Was ist Liebe wert – Materialists
USA ´25: R: Celine Song. Ab 21.8. Wertung: ***** Bild: LLC/ Atsushi Nishijima
Single Lucy (Johnson) ist extrem erfolgreich in ihrem Job als Dating-Beraterin bei der exklusiven New Yorker Partnervermittlung Adore. Und so kommt ihr die Einladung zur Hochzeit einer ihrer Klientinnen schon allein deshalb höchst gelegen, weil sich hier wunderbar Kontakt zu potenziell neuer Kundschaft knüpfen lässt. Während des Empfangs fällt sie dem Bruder des Bräutigams auf, der die ihm Unbekannte zunächst um einen Tanz und dann um ein Date bittet. Bei der Agentur würde man den Private-Equity-Broker Harry (Pascal) als „Einhorn“ bezeichnen, weil er im Adore-Jargon überaus vermögend, dazu charmant, gebildet, gutaussehend und unverheiratet ist. Da ihr beim Hochzeitsempfang aber auch ihr früherer Freund John (Evans) übern Weg lief, der als Aushilfskellner vor Ort war, merkt die alsbald von beiden Männern heftig umworbene Dating-Expertin mit der Zeit, dass ihr sowohl der nach wie vor arg unterbeschäftigte Gelegenheitsschauspieler John als auch Gentleman Harry viel bedeuten. Was nun? Was Celine Songs Herzschmerz-Romanze über die üblichen Kitschkinodramen hinaushebt, ist der furiose Mix aus glaubwürdig geschauspielertem Liebesdreieck, geistreich geschliffenem Wortwitz und tempoforcierten Screwball-Comedy-Einlagen, die von der Regie zu einer denkwürdigen Analyse des Dating-Verhaltens moderner Großstädter weiterentwickelt werden.
D: Dakota Johnson, Chris Evans, Pedro Pascal, Zoe Winters, Marin Ireland, Dasha Nekrasova.

Das Kanu des Manitu
Deutschland ´25: R: Michael Bully Herbig. Ab 14.8. Vorankündigung Bild: Constantin Film/ herbX Film
Apachen-Häuptling Abahachi (Herbig) und sein bleichgesichtiger Blutsbruder Ranger (Tramitz) haben in der lang erwarteten Fortsetzung des Mega-Hits „Der Schuh des Manitu“ von 2001 erneut Stress mit finsteren Gesellen. Diese stellen dem Duo eine Falle, um Zugriff auf das legendäre Kanu des Manitu zu bekommen. In letzter Sekunde retten Dimitri (Kavanian) und seine Begleiterin Mary (Schwiers) die beiden Blutsbrüder vor dem Galgen. Doch das ist erst der Beginn einer Reihe von Abenteuern, in deren Verlauf Abahachi sein rosarotes Brüderchen Winnetouch (ebenfalls Herbig) wiedertrifft, der inzwischen die Rumba Ranch, eine Tanzschule der besonderen Art, eröffnet hat…Anders als vor einem Vierteljahrhundert wird der oft derbe Humor des Originals offenbar zeitgemäß an die Korrektheit der Gegenwart angepasst – hoffentlich ohne die Schlagfertigkeit der aus der „Bullyparade“ bekannten Blödeler zu reduzieren. Man darf gespannt sein.
D: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Jasmin Schwiers, Friedrich Mücke.

Sirat
Frankreich/Spanien ´25: R: Oliver Laxe. Ab 14.8. Wertung: **** Bild: [font=montserrat, Arial, sans-serif]Quim Vives[/font]
Zusehends mehr besorgt über ausbleibende Lebenszeichen der vor Monaten gen Marokko entschwundenen Tochter entschließt sich ihr Vater höchstpersönlich im nordafrikanischen Land eine Suchaktion zu starten. Gemeinsam mit Mars jüngeren Bruder Esteban (Núnez) und dem Familienhund Pipa steuert Papa Luis (López) im Kleinbus einen dieser illegal veranstalteten Raves irgendwo im marokkanischen Nirgendwo an, darauf hoffend, hier Hinweise zum Verbleib seiner tanzbegeisterten Tochter zu erhalten. Doch die von ihm angesprochene Raver-Gemeinde reagiert entweder misstrauisch oder desinteressiert auf diesen Störenfried, der lästigfällt. Auch scheint niemand die junge Frau auf den hergezeigten Fotos zu kennen oder sie sonst wo im Lande wahrgenommen zu haben. Und dann taucht das Militär auf, um die Versammlung aufzulösen. Da in den Nachrichtensendungen verstärkt Meldungen über einen sich anbahnenden Krieg kursieren, sollen Ausländer zügig gen Grenze zwangseskortiert werden. Eine kleine Gruppe um die charismatische Jade (Oukid) beschließt jedoch, sich bei erstbester Gelegenheit abzusetzen – und Luis folgt ihnen. Mit Ziel Mauretanien, wo der nächste geheime Rave geplant ist, versucht Mars Vater den Anschluss zu deren geländegängigen Trucks mit seinem wenig wüstentauglichen Bus zu halten - ein Roadtrip ins Ungewisse beginnt, den mitnichten jeder überleben wird. Darauf spielt auch der Titel an, der mit Sirat jene schmale Brücke zwischen Himmel und Hölle bezeichnet, die nur wahrhaft gläubige Verstorbene passieren können. Was zunächst einer stimmigen Doku über ravende Aussteiger ähnelt, baut Regisseur Oliver Laxe zusehends mehr zu einem verstörenden Endzeit-Psychothriller um, dabei konsequent auf pulsierende Beats, beeindruckend karge Landschaften vertrauend – und ein bis auf den von Hauptdarsteller Sergi López glaubhaft verkörperten Vater Luis durchweg mit Laien besetztes Darstellerensemble präsentierend. „Sirat“ geht unter die Haut.
D: Sergi López, Bruno Núnez, Jade Oukid, Tonin Janvier, Stefania Gadda, Joshua Liam Henderson, Richard Bellamy.


Die Farben der Zeit
Frankreich ´25: R: Cédric Klapisch. Ab 14.8. Wertung: **** Bild: Studiocanal
Seit 1944 ist das Bauernhaus in der Normandie unbewohnt, steht mittlerweile der Parkplatz-Erweiterung eines benachbarten Einkaufszentrums im Weg. Doch bevor der Abriss des Häuschens eingeleitet werden kann, verpflichtet eine testamentarische Auflage die Nachfahren der einstigen Eigentümerin, sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen. Also werden die ermittelten Erben zunächst per Videokonferenz zusammengeschaltet und vier aus ihrer Runde bestimmt, die das Anwesen begutachten sollen. Mit dem Betreten des Häuschens und überm Sichten von Hausrat, Gemälden, Tagebüchern, Briefen und Fotos lernen die Vier (Wapler, Macaigne, Platon und Souvalem) zum einen einander näher kennen, taucht man obendrein in das Leben der allseits unbekannten Urgroßmama Adele (Lindon) ein. Diese hatte als 21-Jährige den Entschluss gefasst, sich nach Paris aufzumachen, um dort ihre Mutter zu suchen. Unterwegs begegnen ihr ein Maler und ein Fotograf, mit denen die junge Frau in der Stadt der Moderne ab 1895 alles daransetzt, Teil der fortschrittsgläubigen Künstlerszene werden zu können.  Regisseur Cédric Klapisch gelingt es bravourös, zwischen 1895 und heutzutage hin- und herzuwechseln, um dem Publikum somit eine familiäre, historische und künstlerische Zeitreise farbenprächtig auszumalen. Seine Geschichte unterstreicht, dass trotz aller Technik die Menschen und ihre Sehnsucht nach Liebe und Familie gleichgeblieben sind. Eine bedenkenswerte These.
D: Suzanne Lindon, Abraham Wapler, Vincent Macaigne, Julia Platon, Zinedine Souvalem.


Willkommen um zu bleiben
Niederlande/Belgien/Finnland/Norwegen ´24: R: Tallulah Hazekamp Schwab. Ab 14.8. Wertung: *** Bild: Neue Visionen Filmverleih
Die vielen Gäste im Cafe sind eher mit Essen und Trinken beschäftigt oder in die Unterhaltung mit den Tischnachbarn vertieft, weshalb ihnen die Tricks des anwesenden Zauberers schnurz scheinen. Unbeachtet beendet der Magier (Glover) dann seine Show, entschwindet frustriert – und quartiert sich im nahegelegenen Hotel, einem altehrwürdigen viktorianischen Kasten ein. Als Mr. K. dann nach einer unruhigen Nacht tags drauf auschecken möchte, kann er jedoch den Ausgang nicht finden. Der Flur vor seinem Zimmer führt nurmehr zum nächsten; auch andere Hotelgäste sind dem Fragenden keine Hilfe. Irgendwann sieht sich der ratlose Magier dann sogar gezwungen, verschiedene Jobs im Hotel anzunehmen, verdingt sich Mr. K. als Aushilfe in der Küche. Dort scheint es ihm mit der Zeit, als würden die Räumlichkeiten kleiner werden – aber kann es denn sein, dass das ganze Haus schrumpft? Und wie weit mag das gehen?  „Willkommen um zu bleiben“ entpuppt sich schnell als Hommage an die magischen Bilderwelten eines Wes Anderson, präsentiert uns jede Menge skurriler Typen – und strotzt nur so vor absurden Einfällen. Dass die Hauptperson Mr. K. heißt, ist eindeutig als Verbeugung vor Visionär Franz Kafka gedacht, zudem ein Hinweis darauf, sich bloß nicht der Hoffnung hinzugeben, die verrätselten Zusammenhänge früher oder später erklärt zu bekommen. Wer damit klarkommt, wird bestens unterhalten.
D: Crispin Glover, Sunnyi Melles, Fionula Flanagan, Björn Sundqvist, Dearbhla Molloy.


Bring her back
USA/Australien ´25: R: Danny Philippou. Ab 14.8. Wertung: *** Bild: [font=Univers]www.ingvarkenne.com[/font][font=Univers] [/font]
Solange Andy (Barratt) noch keine 18 Jahre alt ist, hat er nach dem plötzlichen Tod des Vaters keinerlei Aussicht, das Sorgerecht für seine jüngere Halbschwester Piper (Wong) beantragen zu können. Laut der zuständigen Behörde bedeutet dies fürs Geschwisterpaar, die Zeit bis dahin irgendwie in der Obhut einer Pflegefamilie ausharren zu müssen. Immerhin will niemand die beiden auseinanderzureißen – was ihnen schon allein deshalb wichtig ist, da Andy die Welt für sein blindes Schwesterchen sieht und ihr das Geschehen rings umher stets übermittelt. Mit der sich fürsorglich gebenden Laura (Hawkins) scheint eine perfekte Pflegemutter für die Geschwister gefunden - auch deshalb, weil die Ex-Sozialarbeiterin ebenfalls eine blinde Tochter hatte, deren Unfalltod die untröstliche Mutter traumatisiert zurückließ. Oliver (Phillips), der Bruder der Verunglückten, spricht seit der Tragödie kein Wort mehr. Trotzdem käme wohl niemand auf die Idee, dass Laura sich die Waisen ins Haus holt, um ihr eigenes totes Kind mithilfe eines dämonischen Rituals wieder zum Leben zu erwecken. Andy merkt schnell, dass die Pflegemutter insgeheim anders tickt, als sie sich nach außen gibt. Da er seiner Schwester die Realität aber gern geschönt schildert, nimmt das Unheil schneller Fahrt auf, als Piper ihn ahnungsvoll zur Schilderung der puren Wahrheit anhalten kann. Die Regie badet in drastischen Szenen und inszeniert eine Horror-Mär, die für zartbesaitete Kinogänger kaum erträglich ist.
D: Billy Barratt, Sara Wong, Sally Hawkins, Jonah Wren Phillips, Mischa Heywood.

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