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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW2625.06.2025













Texte: Horst E. Wegener


Hot Milk
GB ´24: R: Rebecca Lenkiewicz. Ab 3.7. Wertung: **** Bild: Metropolitan Film Export
Rose (Shaw) will diesen chronischen Schmerzen, denen kaum zu entkommen ist, und die sie aufgrund von rätselhaften Lähmungen als Begleiterscheinung mittlerweile sogar an einen Rollstuhl fesseln, endlich auf den Grund gehen. Allerdings sind ihr die konventionellen Therapieansätze, die man in England kennt, allesamt suspekt. Lieber nimmt die Britin eine Hypothek auf ihr Haus in London auf, um in Begleitung von Tochter Sofia (Mackey) nach Spanien zu reisen und sich in der Spezialklinik des Wunderheilers Dr. Gomez (Perez) behandeln zu lassen. Dass sie von der alleinerziehenden Mutter beständig herumkommandiert und mit Beschlag belegt wird, ist für die Tochter nichts Neues. Obwohl längst erwachsen, erträgt sie derlei Zumutungen von klein auf, hat mittlerweile sogar ihr Anthropologiestudium auf Eis gelegt, um ihre Mutter ins gemietete spanische Ferienhäuschen zu begleiten. Während Dr. Gomez in der Familiengeschichte seiner Patientin nach einem Heilungsansatz sucht und ein Trauma als Ursache für die unerklärlichen Schmerzen vermutet, lehnt Rose die ihr alsbald vorgeschlagene Therapie brüsk ab. Sie reagiert sich mal wieder an ihrer Tochter ab, tut genervt. Wie üblich schluckt Sofia ihren Groll herunter, nimmt sich eine Auszeit am Strand. Und begegnet dort der Touristin Ingrid (Krieps), deren selbstbewusstes Auftreten sie fasziniert. Man kommt sich näher, hat sensationellen Sex – und Sofia kann in der Folge nur noch an Ingrid denken. Zu ihrem Leidwesen mag die Angebetete nicht darauf verzichten, sich neben Sofia weiterhin parallel mit Männern zu vergnügen. Klar führt das zu Eifersüchteleien bei der von Ingrid geradezu besessenen Sofia; lässt bald auch deren Mutter herrisch überreagieren, da sie die Tochter wieder ganz für sich will.
Um eine Art Selbstfindung geht es im Regiedebüt der britischen Drehbuchautorin Rebecca Lenkiewicz, dem Deborah Levys Kultroman über das komplexe Verhältnis einer alleinerziehenden Mutter und ihrer Tochter die Vorlage liefert. So wenig uns Roses Trauma im Film entschlüsselt wird, ist´s einem zumindestens schon lange vorm Abspann klar, dass sich deren Tochter Sofia dringend emanzipieren muss. Sehenswert besetzt punktet „Hot Milk“ als bilderwuchtiges Regiedebüt; lohnt den Ticketkauf.
D: Emma Mackey, Vicky Krieps, Fiona Shaw, Vincent Perez, Yann Gael, Vangelis Mourikis.


Jurassic World: Die Wiedergeburt
USA ´25: R: Gareth Edwards. Ab 2.7. Vorankündigung. Bild: Universal Pictures
Seitdem die seit Urzeiten ausgestorbenen Saurier von der Menschheit wieder zum Leben erweckt wurden und sie sich von der karibischen Isla Nublar aus auch auf anderen Kontinenten ausbreiten konnten, ist einiges passiert. Da sich die Ökologie unseres blauen Planeten binnen weniger Jahre radikal verändert hat, sind die Urzeitwesen mittlerweile gezwungen, sich in äquatoriale Umgebungen zurückzuziehen. Zeit für ein Expertenteam unter Leitung von Zora Bennett (Johansson), Spezialistin für verdeckte Operationen, gen Isla Nublar aufzubrechen: Dort soll genetisches Material aus möglichst vielen Urviechern vor Ort extrahiert werden, um daraus hernach ein Heilmittel herstellen zu können. Doch der geheimen Mission von Bennett kommt der Schiffbruch der Delgados in die Quere. Reuben Delgados (Garcia-Rulfo) Familie wurde unweit der Insel von Wassersauriern angegriffen, konnte sich aber an Land retten. Die Insel ist jedoch nicht ohne Grund abgeriegelt, da sie einst eine geheime Jurassic Park-Forschungseinrichtung beherbergte und damit auch die gefährlichsten der wiedererweckten Saurier. Bald deckt die zusammengewürfelte Gruppe ein düsteres Geheimnis auf, das aus gutem Grund vor der Welt verborgen bleiben sollte…
Die bislang veröffentlichten Trailer versprechen Thrill, Action – und einen top besetzten Bigbudget-Kracher aus Hollywoods Traumfabrik.
D: Scarlett Johansson, Jonathan Bailey, Mahershala Ali, Rupert Friend, Manuel Garcia-Rulfo.


Bella Roma – Liebe auf Italienisch
Dänemark/Italien/Schweden ´24: R: Niclas Bendixen. Ab 3.7. Wertung: **** Bild: 24 Bilder
Die Idee der Tochter hat Charme: Und so bekommen Gerda (Jorgensen) und Kristoffer (Halken) von ihr eine Reise nach Rom geschenkt, wo die Eltern den bevorstehenden vierzigsten Hochzeitstag stimmungsvoll feiern sollen. Immerhin hat Mama in ihrer Jugend Kunst in der ewigen Stadt studiert, kennt sich dort also aus. Doch auf den Romantiktrip der beiden Skandinavier fällt ein Schatten, als der in Erinnerungen abtauchenden Dänin beim Bummeln durch Italiens Metropole unverhofft ihr einstiger Kunstlehrer Johannes (Lassgard) übern Weg läuft. Der Schwede, charmant wie früher, verkörpert Lebenslust statt Altersfrust, ganz anders als Langeweiler-Ehemann Kristoffer. Zusehends mehr bezaubert von Johannes Philosophie, es sich gut gehen zu lassen, fragt sich Gerda bald, was aus ihr wohl geworden wäre, wenn sie seinerzeit an ihrem Jugendtraum, Künstlerin zu werden, festgehalten hätte. Begabt sei sie gewesen, findet Johannes. Und Kristoffer ahnt, dass zwischen dem Kunstlehrer und seiner Studentin damals mehr gewesen sein dürfte. Unversehens fühlt er sich als fünftes Rad am Wagen. Wird Kristoffer zum ersten Mal im Leben Eigeninitiative zeigen und um seine Ehe kämpfen?
„Bella Roma“-Regisseur Niclas Bendixen ist eigentlich Choreograf – und so lässt er seinen Film elegant zwischen Komödie, Drama und Altstadterkundung hin und her tänzeln. Die Darsteller begegnen sich an den schönsten Orten der ewigen Stadt, erweisen sich als trittsicher, dürfen abwechselnd führen. Die Dänen liebten Bendixens Film – und uns Kinogängern hierzulande macht „Bella Roma“ definitiv Lust auf einen Trip gen Süden!
D: Bodil Jorgensen, Kristian Halken, Rolf Lassgard, Davide Iachini, Massimo Cagnina.


Copa 71
GB/ USA ´23: R: James Erskine/Rachel Ramsay. Ab 26.6. Wertung: **** Bild: Greenwich Entertainment
Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer anno 1970 entwickelte sich zur medialen Sensation, die von den Spielstätten in Mexiko seinerzeit live in alle Welt ausgestrahlt wurde. Erstmals übertrug das Fernsehen die Spiele in Farbe, was das sportliche Ereignis zum Quotenhit und internationalen Kassenrenner machte. Wenig verwunderlich, dass man im Jahr drauf auf einen Wiederholungseffekt spekulierte – und Recht behielt. Das Problem dabei: Die teilnehmenden Mannschaften der 71er Spiele waren durch die Bank weg weiblich, was in den Augen der FIFA und der nationalen Fußballverbände nicht sein durfte! Also ließen die Funktionäre diese Spiele weder als WM zu, noch gestatteten sie jegliche Erinnerung an den Ausgang der Wettkämpfe, die Ergebnisse oder die finale WM-Siegermannschaft. Bis heute findet die Copa 71 nicht mal bei Wikipedia unterm Stichwort Frauenfußball Erwähnung.
Umso lobenswerter, dass das Dokufilmer-Duo James Erskine/ Rachel Ramsay in einer detektivischen Fleißarbeit den Verlauf dieser quasi-Frauenfußball-WM bis hin zum Finale nachzeichnet, in dem Mexiko gegen Dänemark verlor. Die wiederentdeckten Fernsehaufnahmen werden durch Gespräche mit den damaligen Spielerinnen ergänzt, die Tennisspielerin Serena Williams spricht im Original den off-Kommentar ein. Größter Verdienst der Doku: Dass die Mechanismen hinter dieser WM-Verweigerung kenntlich gemacht werden, mit der Männer Frauen diesen Sport viel zu lange verwehren konnten.
Doku.


Die Barbaren – Willkommen in der Bretagne
Frankreich ´24: R: Julie Delpy. Ab 26.6. Wertung: **** Bild: The Film
In Paimpont, einem Provinznest im Norden Frankreichs, ist zu wenig los, um der Bevölkerung eine verlässliche Ausbildungs- oder gar Arbeitsperspektive anbieten zu können. Während es die Jugend in die weite Welt hinaustreibt und ältere Dableiber irgendwann sterben, entwickeln der medienbewusste Bürgermeister Lejeune (Clichet) und die progressive Lehrerin Lesourd (Delpy) des Kaffs eifrig Pläne, um den entvölkerten Ort wieder nach vorn zu bringen. Ihre neueste Idee angesichts von Putins Dauerbombardement der Ukraine: Sich weltoffen zeigen, Kriegsflüchtlinge nach Paimpont holen, im Fernsehen die Gemeinde mit derlei positiven Schlagzeilen ins Gespräch bringen. Doch dann zeigt es sich, dass sämtliche Ukrainer schon andernorts aufgenommen wurden, weshalb man Paimpont syrische Flüchtlinge schickt. Dumm, dass Bürgermeister Lejeune völlig umsonst die ersten Worte Ukrainisch gebüffelt hat - und peinlich, dass jemand auf die Eingangstür der den Neuankömmlingen zugewiesenen Wohnung „Barbaren raus“ als Begrüßungsslogan kritzeln mochte. Dabei hatte Lejeune sich im Vorfeld seiner Flüchtlingsaufnahmeaktion im Vorfeld selbst um die Zustimmung des rechtsradikalen Klempners Hervé (Lafitte) bemüht. Offenbar ohne anhaltenden Erfolg, da sich vor allem die Mannsbilder der Gemeinde der syrischen Familie des Architekten Marwan Fayads (Bakri) gegenüber zusehends abweisend und von Vorurteilen geprägt zeigen.
Frankreichs Schauspiel- und Regiestar Julie Delpy stellt uns ihr filmisches Provinzkaff zunächst wie eine Neuzeit-Version jenes allseits bekannten gallischen Dorfes vor, besetzt mit Mimosen, Trotteln, letztendlich liebenswert schrulligen Typen. Doch dann entladen sich Dorfintrigen, sind geheime Liebschaften und langjährige Feindschaften nicht mehr abzublenden. Die Männer laden mit ihrer Ignoranz und ihrem Hass auf alles Unbekannte zum Fremdschämen ein, während die Frauen mit weiblicher Solidarität irgendwann die Probleme lösen. Märchenhaft, wortlastig, zum Nachdenken anregend, très francais.
D: Julie Delpy, Sandrine Kiberlain, Laurent Lafitte, Ziad Bakri, Jean-Charles Clichet.


F 1
USA ´25: R: Joseph Kosinski. Ab 3.7. Vorankündigung Bild: Warner Bros Entertainment
In den 1990er Jahren galt Sonny Hayes (Pitt) als einer der größten Formel-1-Piloten im WM-Zirkus, drei Jahrzehnte später kennt man ihn nur noch als der „Beste, der es nie geschafft hat“. Denn nach einem schrecklichen Unfall ist der Profisport für Hayes Geschichte. Da kontaktiert ihn sein alter Kollege Ruben Cervantes (Bardem), mittlerweile Besitzer des Formel-1-Rennstalls Apex, dessen Team ganz unten auf der Formel-1-Rangliste steht: Man fragt sich, ob der alte Haudegen Sonny nicht aus dem Zwangsruhestand zurückkehren mag - und der verunsicherten Rennstall-Mannschaft um das vielversprechende Nachwuchstalent Joshua „Noah“ Pearce (Idris) dank seiner Erfahrung zu neuer Motivation und zum Siegen verhelfen könnte. Hayes sieht auch für sich seine letzte Chance auf Ruhm auf der Rennstrecke. Willigt ein; bald entwickelt sich zwischen ihm und Pearce ein erbitterter Zweikampf um die Pole-Position im Team.
„F 1“- Filmer Joseph Kosinski durfte zuletzt sein überragendes Talent fürs Hollywood´sche Hochgeschwindigkeits-Kino zeigen, indem er bei „Top Gun: Maverick“ die Regie übernahm. Hier wie dort verschmäht der Hollywood-Tausendsassa weitestgehend den Einsatz von Special effects, konnten die Szenen auf den Formel-1-Strecken in echt realisiert werden. Da Formel-1-Profi Lewis Hamilton als Co-Produzent mit von der Partie war, ließen sich Drehs beim Großen Preis von GB, in Europa, den USA oder Abu Dhabi umsetzen. Erste Trailer versprechen Authentizität im Rennsport-Zirkus – und dass Brad Pitt Sportboliden-begeistert ist, weiß man ohnehin.
D: Brad Pitt, Damson Idris, Javier Bardem, Kerry Condon, Tobias Menzies, Kim Bodnia.

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