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Filme im Kino

Kino-Tipps KW0823.02.2023













Texte: Horst E. Wegener


Tár
USA ´22: R: Todd Field. Ab dem 2.3. Wertung: *****  
Bild: 2022 Focus Features, LLC

Lydia Tár (Blanchett) ist eine begnadete Pianistin und die erste weibliche Chefdirigentin eines Weltklasse-Symphonieorchesters. Zudem gehört sie zu den wenigen Ausnahmekünstlern, denen im Lauf ihrer Karriere sowohl ein Emmy, ein Grammy, ein Oscar und ein Tony Award zuerkannt wurden. Privat ist die Wahlberlinerin mit der Konzertmeisterin des Orchesters liiert und lebt mit dieser und einer Adoptivtochter zusammen. Als Perfektionistin findet Lydia zwar noch Zeit, ganz auf die Schnelle ihre Autobiografie in New York vorzustellen, will sich aber zurückkehrend ausschließlich auf die bevorstehende Einspielung von Gustav Mahlers Fünfter konzentrieren. Dass daraus nichts wird, hängt mit dem publik werdenden Selbstmord einer früheren Stipendiatin der Tár-Stiftung zusammen – SMS-Nachrichten deuten eine Affäre der Dirigentin mit ihrem einstigen Protégé an. Könnte Lydia für deren Suizid verantwortlich sein? Sie versucht sich zu rechtfertigen – doch ihr wenig sensibler Umgang mit Lebensgefährtin Sharon (Hoss) als auch ihr herrischer Ton der persönlichen Assistentin (Merlant) gegenüber sowie Lydias aktuelle Liebschaft mit einer jungen Cellistin (Kauer) machen alles nur schlimmer. Bald hört die Star-Dirigentin nachts Geräusche – oder bildet sie sich das nur ein?  Sechzehn Jahre nach seinem letzten Meisterwerk „Little Children“ entwirft Regisseur Todd Field ein vielschichtiges Portrait des Kreativ-Sektors, in dem es um die korrumpierende Wirkung von Gott-gleicher Machtfülle sowie um das Sich-in-Beziehung-Setzen von Musikern mit Kompositionen geht. Gekonnt wird zwischen Machtmissbrauchsdrama und Psychothriller hin und her geschaltet. Im Kreise der illustren Besetzung wächst Cate Blanchett einmal mehr über sich selbst hinaus - und bringt uns die Hyperperfektionistin Lydia Tár näher, indem sie dem arbeits-egomanen Kotzbrocken menschliche Tiefe verleiht.
D: Cate Blanchett, Nina Hoss, Noémie Merlant, Sophie Kauer, Mark Strong, Julian Glover.


What´s Love got to do with it?
USA ´22: R: Shakhar Kapur.  Ab 23.2. Wertung: ***
Bild: Studiocanal GmbH/Robert Viglasky

Dass sie mit ihrem aktuellen Dokumentarfilm einen Preis erringen konnte, macht Zoe (James) glücklich. Die Mutter (Thompson) der stolzen Filmemacherin sähe es allerdings weit lieber, wenn das Fräulein Tochter endlich heiraten würde. Während Miss Workoholic bemüht ist, den immer mal wieder von ihrer Mutter vorgeschlagenen Kandidaten  auszuweichen und sie sich bei ihrer eigenen Suche nach Mister Right eher glücklos von einem Tinder-Date zum nächsten hangelt, traut Zoe ihren Ohren kaum, als ihr pakistanisch-stämmiger Jugendfreund Kaz (Latif) ihr erzählt, dass er sich auf eine arrangierte Ehe einlassen will. Dabei war ihr der in England aufgewachsene Freund immer als modern und westlich orientiert vorgekommen. Als Kaz in die Heimat seiner Vorfahren zur traditionellen Heirat fliegt, begleitet die Filmerin ihn kurzentschlossen; Zoes Mom schließt sich den beiden ebenfalls an. Während Dokumentarfilmerin Zoe eigentlich nur auf ein neues Filmprojekt hofft, ist´s dem Publikum vor der Leinwand längst klar, wer hier über kurz oder lang zueinander finden sollte. Die Chemie zwischen James Zoe und Latifs Kaz stimmt, gut gelaunt dürfen sich die beiden screwballmäßig kabbeln bis es funkt, während  die Witzigkeit von Staractrice Thompson mit ihren peinlichen Kalauern eher abnervt. Gottlob bügelt die Regie solcher Durchhänger bis zuletzt immer wieder aus, dürfen wir uns durchaus unterhalten fühlen.  
D: Lily James, Emma Thompson, Shazad Latif, Shabana Azmi, Sajal Ali.



EO
Polen ´22: R: Jerzy Skolimowski. Ab 23.2. Wertung: ****
Bild: Michał Englert

Solange Esel Eo an der Seite von Zirkusartistin Kassandra (Drzymalska) allabendlich seine Auftritte in der Manege absolvieren kann, geht´s ihm gut. Doch dann veranlassen protestierende Tierschützer die Schließung des kleinen Wanderzirkus´ - und für den Vierbeiner beginnt eine Odyssee von Besitzer zu Besitzer, von Job zu Job. Mal muss das Grautier als Packesel dienen, oder es droht ihm die Verarbeitung zu Futter. Eo darf sich in ein Pferd verlieben, wird zum Maskottchen einer Fußballmannschaft – und mausert sich gar zum Kuscheltier für Kinder. Im weiteren Verlauf seiner wechselvollen Reise lernt der Esel dann auch noch einen jungen Priester (Zurzolo) und eine alte Gräfin (Huppert) kennen – bevor er schließlich im Schlachthaus endet. Inspiriert von Robert Bressons sperrigem Kinofilm „Au Hasard Balthazar“ lässt Polens Altmeister Jerzy Skolimowski seinen vierbeinigen Hauptdarsteller Eo teils surreale Situationen zwischen Zirkus und Schlachthof durchleben – die einem stets aus der Sicht des Tieres präsentiert werden. Was mag der von Leidensbegegnungen, Glücksmomenten und Albträumen überwältigte Vierbeiner denken, könnten wir uns fragen? Mal seh´n, ob Skolimowskis „Eo“ als Polens Kandidat für den Auslands-Oscar ´23 im März ein besserer Ausgang als des Vierbeiners unhappy End beschieden sein kann.  
D: Sandra Drzymalska, Isabelle Huppert, Lorenzo Zurzolo, Mateusz Kosciukiewicz, Tomasz Organek, Lolita Chammah.



Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war?


Deutschland ´23: R: Sonja Heiss. Ab 23.2. Vorankündigung
Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.

Auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik aufzuwachsen ist alles andere als normal. Doch Joachim kennt es nicht anders. Als jüngster Sohn des Klinikdirektors bewohnt er mit seinen Eltern und den beiden älteren Brüdern eine auf dem Gelände errichtete Villa. Zu den Patienten unterhält Dr. Meyerhoff freundschaftliche Beziehungen, lädt sie zu Geburtstagen und Parties ein, während Joachim über die Jahre hinweg nie über zu wenig Spielkameraden klagen kann. Andererseits wird es ihm zusehends klarer, dass seine Brüder eindeutig über die Stränge schlagen, Muttern sich Aquarelle malend nach lauen italienischen Sommernächten verzehrt, und Vatern fortwährend fremdgeht. Mit aufkommender Pubertät beginnt Joachim sein Umfeld immer kritischer zu sehen, stoßen ihm sich familiär auftuende Risse heftig auf. Nach ihren Dramödien „Hedi Schneider steckt fest“ und „Hotel Very Welcome“ erweist sich Regisseurin Sonja Heiss als naheliegende Wahl, um Joachim Meyerhoffs autobiografische Romanvorlage fürs Kino zu adaptieren. Illuster besetzt mit Devid Striesow und Laura Tonke, die als Joachims Eltern mit von der Partie sind, wird das Altersproblem ihres im Mittelpunkt stehenden Jüngsten gelöst, indem gleich drei schauspielernde Verkörperungen - Moltzen im Alter von Sieben, Bultmann als Sechzehnjähriger und Rose als 25-jähriger - den Meyerhoff-Junior geben dürfen. Fast parallel zur Berlinale-Premiere mag Heiss´ Milieustudie  auch auf den Kinoleinwänden landauf, landab um Publikum buhlen.  Ob´s wohl ein Kassenrenner wird?
D: Arsseni Bultmann, Merlin Rose, Camille Loup Moltzen, Devid Striesow, Laura Tonke, Axel Milberg.


Sonne und Beton
Deutschland ´23: R: David Wnendt. Vorankündigung. Ab 2.3.
Bild: [font=Arial, sans-serif]Constantin Film Verleih[/font]

Berlin im Hitzesommer 2003: Die Schüler Lukas (Arcos), Julius (Wiemer) und Gino (Klein-Heßling) tagträumen sich perspektivlos durch den Alltag im Hochhausghetto Gropiusstadt. Zuhause leidet man entweder unter einem prügelnden versoffenen Alten wie Gino, wäre gern so durchtrainiert wie Lukas älterer Bruder Marco (Luvre47), der sich als Kleinkrimineller über Wasser hält – oder hat sich wie Julius gleich ganz in der Schmuddelbude des älteren Bruders einquartiert und muss aufpassen, um der Alternative ständig breit oder anderweitig weggetreten zu sein nicht dauerhaft zu erliegen. Fürs Schwimmbad fehlt einem das Eintrittsgeld und bei den Mädels kommt man ebenfalls noch nicht zum Zug. Dafür freunden sich die Drei mit dem Neuen in der Klasse, dem Halbkubaner Sanchez (Maldonado-Morales) an – der die rettende Idee hat, nachdem Lukas beim Versuch, im nahen Park Gras zu kaufen von miteinander rivalisierenden Dealern verprügelt wird. Obendrein fordern die Dealer vom zusammengeschlagenen Lukas 500 Euro Schutzgeld ein. Woher nehmen? Sanchez Überlegung: Einfach in die Schule einbrechen, sich die brandneuen Computer aus dem Lager greifen und sie vertickern. Womit man alle Geldsorgen los wäre! Gesagt, getan – und der Plan gelingt. Fast. Für die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Comedian und „Gemischtes Hack“-Podcaster Felix Lobrecht sicherte sich Filmemacher David Wnendt dessen Drehbuchmitarbeit. Um die Hauptrollen glaubwürdig zu besetzen, castete man über 5000 Jugendliche, in Nebenrollen profilieren sich neben gestandenen Darstellern wie Jörg Hartmann und Franziska Wulf zahlreiche Musiker wie Luvre47, lokal bekannte HipHopper und Berliner Ghettokids. Unterm Strich stehen die Chancen gut, dass der mit einem ausgewiesenen Händchen für die adäquate Umsetzung von gesellschaftsrelevant heiklen Themen gesegnete Brennpunktfilmer Wnendt („Die Kriegerin“, „Feuchtgebiete“, „Er ist wieder da“) der schwierigen Vorlage gerecht wird. Welturaufführung im Rahmen der Berlinale; Kinostart gleich danach Anfang März!
D: Levy Rico Arcos, Rafael Luis Klein-Heßling, Vincent Wiemer, Aaron Maldonado-Morales, Jörg Hartmann, Franziska Wulf, Luvre47, Lucio 101, Juju.

Die Frau im Nebel
Südkorea ´22: R: Park Chan-Wook.  Ab 2.3. Wertung: ***
Bild: Bac Films

st´s vorstellbar, dass der erfahrene Bergsteiger Ki Do-soo an der Felskante eine Sekunde  lang unachtsam war – was er mit seinem Sturz in die Tiefe bezahlen musste? Detective Jang Hae-jun (Hae-il) zweifelt schnell an dieser Unfalltheorie. Er hat die wesentlich jüngere Frau (Tang) des sechzigjährigen Toten in Verdacht, die das Ableben ihres Gatten ziemlich kalt zu lassen scheint. Während sein Vorgesetzter der Ansicht ist, dieser Fall könne abgeschlossen werden, bleibt die Spürnase misstrauisch. Beginnt, die Witwe intensiv zu beschatten. Ertappt sich dabei, dass er sich in die ihm suspekte Verdächtige zu verlieben beginnt. Was Hae-jun kopflos, verwundbar und korrupt macht. Regisseur  Park Chan Wook fächert gekonnt Beweise, Indizien und falsche Fährten auf. An den polizeilichen Ermittlungen seines verheirateten Detectives ist der koreanische Filmemacher, bekannt für blutrünstige Rachethriller wie „Old Boy“ oder „Sympathy for Mr. Vengeance“, diesmal denkbar wenig interessiert. Sie dienen ihm nurmehr als Vorwand, um über eine unmögliche Liebe nachzugrübeln. Vergleichbar zu Wong Kar Wais oder Pedro Almodovars Melodramen inszeniert der Hitchcock-Fan fatale Begierden mit den Mitteln des Thrillers, könnte Chan-Wooks „Die Frau im Nebel“ als Hommage aufs Meisterwerk „Vertigo“ gesehen werden. Der Koreaner huldigt nicht einfach seinem Vorbild, sondern nutzt die Konventionen des Genres, um einen mit Wendungen und Verwicklungen gespickten Film auf Touren zu bringen. Da man beständig in den Zeiten vor und zurück springt und es zwischen Detective und Femme Fatale nur mäßig erotisch knistert, ermüdet das Publikum leider schon vorm Finale. Schade!
D: Wei Tang, Park Hae-il, Lee Jung-hyun, Go Kyung-pyo, Park Yong-woo, Kim Shin-young, Jung Yi-seo

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